Buch-Besprechung: "Hollywood Justice" - Die Eigenmächtigkeit und -gerechtigkeit US-amerikanischer Filmhelden - B-Roll Blog - kino-zeit.de - das Portal für Film und Kino
  • Blogs
  • )
  • B-Roll
  • )
  • Buch-Besprechung: "Hollywood Justice" - Die Eigenmächtigkeit und -gerechtigkeit US-amerikanischer Filmhelden
16 19/04

Buch-Besprechung: "Hollywood Justice" - Die Eigenmächtigkeit und -gerechtigkeit US-amerikanischer Filmhelden

Es sind offensichtlich die Rachesuchenden, Rachsüchtigen oder schlicht die Rächer, die zuvorderst spontan mit der Selbstjustiz assoziiert werden, diejenigen also, die sich persönlich dafür engagieren, ein ihnen selbst oder ihnen nahestehenden Menschen geschehenes Unrecht zu vergelten. Dass sich filmische Selbstjustiz, die sich jenseits der herrschenden Gesetze und ihrer ausführenden Gewalten, also illegal durch Privatpersonen ereignet, nicht einfach mit so bezeichneten Racheakten gleichsetzen lässt, wird rasch deutlich.


(Bild aus Dirty Harry von Don Siegel; Copyright: Warner Brothers)

In seinem Buch Hollywood Justice beschäftigt sich Peter Vogel vielmehr mit dem Phänomen des "Vigilantismus" und dessen Verfechtern und Protagonisten, den Vigilanten. Peter Vogl charakterisiert sie als unautorisierte, zuvorderst uneigennützige Personen, die "im Dienste der Gesellschaft" – jedoch nach eigener Auslegung – "gewaltsam gegen kriminelle Elemente" vorgehen. Als Paradebeispiele für derartige Vigilantnarrative Hollywoods werden Clint Eastwood als 'Dirty Harry' Callahan in Dirty Harry (1971) von Don Siegel und Charles Bronson als Paul Kersey in Ein Mann sieht rot (Death Wish, 1974) von Michael Winner genannt. Doch auch der ursprüngliche Comic-Held Batman und seine mannigfachen Weiterentwicklungen gelten als berühmte Vertreter dieser Spezies, die laut Peter Vogl in der US-amerikanischen Geschichte wurzelt, wo sie mit einiger Popularität verknüpft ist.

Beginnend mit D. W. Griffith’ umstrittenem rassistischem Epos Die Geburt einer Nation (The Birth of a Nation) aus dem Jahre 1915 über Im Namen des Gesetzes (I Am the Law, 1938) von Alexander Hall, Martin Scorseses Taxi Driver (1976) und Der knallharte Prinzipal (Lean on Me, 1989) von John G. Avildsen bis hin zu Troy Duffys Der blutige Pfad Gottes (The Boondock Saints, 1999) und dem Dokumentarfilm Cartel Land aus dem Jahre 2015 von Matthew Heineman listet der Autor ein Jahrhundert mit exemplarischen Filmen auf, die er der Kategorie der Vigilantennarrative zurechnet. Dazu erscheint eine meist knappe Begründung dieser Zugehörigkeit. In dieser Listung zahlreicher Filme unter das Motiv des Vigilantismus liegt die Leistung dieses Buches, das am Ende auch noch kurz entsprechende Varianten aus dem Videospielsegment anführt.


(Trailer zu Cartel Land)

So widmet sich der österreichische Filmfan und -theoretiker Peter Vogl einem ganz spezifischen, zuvor recht vernachlässigten und hier sinnvoll begrenzten Aspekt der US-amerikanischen Filmgeschichte, dem er eine ausführlichere Betrachtung wünscht, deren Auftakt er hier mit vorsichtigen Formulierungen wagt. Das Vorwort des emeritierten US-amerikanischen Philosophieprofessors John Shelton Lawrence, unter anderem Mitautor von The Myth of the American Superhero, weist einmal mehr auf die immense Popularität von Vigilantenfilmen sowie auf die Leistung des Autors hin, mit seinem Beitrag ein Fundament für künftige Analysen diesbezüglich geschaffen zu haben. In seinem wiederum sehr knapp gehaltenen Resümee bezeichnet Peter Vogl den Vigilanten in seiner Selbstsicht nach einem Zitat "als Agent der Mehrheitsgesellschaft", was prägnant ein überraschendes Ergebnis der einzelnen Filmbeispiele zusammenfasst.

(Das Cover von Hollywood Justice. Selbstjustiz im amerikanischen Film 1915–2015; Copyright: Mühlbeyer Filmbuchverlag)

Die Vorsicht oder mitunter gar Zaghaftigkeit, mit welchen sich der Autor seinem Thema und seinen eigenen Erkenntnissen annähert und die seine Aussagen manchmal ein wenig unentschlossen erscheinen lassen, entbehren zum einen der Notwendigkeit. Zum anderen ist es nicht zuletzt häufig ein durchaus auch mutiger und forscher oder provokanter Pioniergeist, der einem bewusst oder unbewusst marginalisierten Terrain zu stärkerer Berücksichtigung gereicht.

(Marie Anderson)

Titel: Hollywood Justice. Selbstjustiz im amerikanischen Film 1915–2015; Autor: Peter Vogl; Erscheinungsort: Frankenthal; Erscheinungsdatum: 28. März 2016; Seiten: 217; Verlag: Mühlbeyer Filmbuchverlag; ISBN: 978-3-945378-29-8