Tout est parfait

Tout est parfait

Eine Filmkritik von Katrin Knauth

Berlinale 2008: Panorama

Das Leben von Josh (Maxime Dumontier) ist gerade alles andere als perfekt. Vier seiner besten Freunde haben sich das Leben genommen. Ein offenbar von langer Hand geplanter Akt, nur Josh wusste nichts davon. Obwohl er selbst am Leben keinen richtigen Spaß mehr zu haben scheint und sich mehr und mehr von seinen Mitmenschen abkapselt, scheint der Suizid seiner Freunde jedoch keine Option für ihn zu sein. Mit Mia (Chlóe Bourgeois), der Ex-Freundin seines toten Kumpels, fängt er eine Beziehung an. Doch die anfängliche Zuneigung wird durch Streitereien und Eifersüchteleien schnell getrübt. Auch zu seinen Eltern hat Josh ein schwieriges Verhältnis, denn sie sind zu Recht übermäßig besorgt, ob der Junge sich ebenso sein Leben nehmen könnte.
Ziemlich orientierungslos lässt Fournier seinen Protagonisten durch den Film mäandern. Er fängt ihn ein in einer ohnehin schon schwierigen Lebensphase auf der Schwelle zum Erwachsenwerden. Er porträtiert den Jungen als einen verwirrten, abgestumpften, zurückgezogenen Jugendlichen, als Einzelkämpfer in einer Welt, zu der er keinen richtigen Zugang mehr zu finden mag. Der Plot hängt an einem ziemlich dünnen Faden und man wird das Gefühl nicht los, hier Zeuge eines studentischen Regieversuchs zu sein. Kein Film, aus dem man schlauer herauskommt als vorher und auch keiner, der durch seine Bilder überzeugt. Eher ein Film, den man in der Bilderflut eines Festivals schnell wieder vergisst.

Yves-Christian Fournier startete nach seinem Studium seine Filmkarriere als Cutter. 2001 hat er am Making-of des Spielfilms Possible Worlds von Robert Lepage mitgearbeitet. Im selben Jahr hat er auch seinen ersten Kurzfilm Sunk inszeniert. Anschließend folgten zwei weitere Kurzfilme. In den letzten Jahren hat er sich vor allem als Werbefilmer einen Namen gemacht und unter anderen Kampagnen für Volkswagen und Ford gedreht. Tout est parfait / Everything is Fine ist Fourniers erster Langspielfilm.

Tout est parfait

Das Leben von Josh (Maxime Dumontier) ist gerade alles andere als perfekt. Vier seiner besten Freunde haben sich das Leben genommen.
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Meinungen
Berlinalebesucher · 05.06.2008

Der Film hat genau die Beachtung erhalten, die er verdient. Keine!

Christoph · 04.06.2008

Ich habe diesen Film auf der Berlinale 08 gesehen. Die Bilder wahsinnig schön, die Schauspieler sehr stark ohne jede Schwäche und ein Soundtrack der dem Zuschauer den Schritt von Sehen zum Fühlen extrem leicht macht.
Ich hoffe dieser Film bekommt die Beachtung die er verdient!!!

· 03.03.2008

Der Film ist einfach großartig! Vielleicht muss man zu der Generation gehören, die da beschrieben wird. Schon lange hat mich kein Film mehr so berührt.

· 18.02.2008

Ich kann die im Artikel verfasste Kritik nicht nachvollziehen. Der Film besticht durch seine ruhigen, zurückgenommenen Bilder. Josh ist ganz sicher kein Jugendlicher, den man sofort ins Herz schließt. Doch die Szenen, in denen seine Hilf- und Orientierungslosigkeit durchscheinen, schmerzen - lassen sie doch nur erahnen, wie es wirklich in ihm aussieht. Demgegenüber stehen die Eltern der Jugendlichen, die nach den unbegreiflichen Taten ihrer Kinder verzweifelt versuchen,ihr Leben wieder in eine Bahn zu bringen.
Der Schluss macht Hoffnung, lässt den Zuschauer aber trotzdem mit einem Gefühl der Hilflosigkeit zurück.

· 17.02.2008

Josh ist nicht abgestumpft, wie es die hiesige Kritik verkauten lässt, sondern er hat vielmehr einen erschwerten Zugang zu seinen Gefühlen. Die Bilder sind beeindruckend, spiegeln sie doch die ohnmächtige Leere im Innern des Protagonisten wieder, welche nur ab und zu vom Rauschen der Blätter gefüllt wird. Die Filmmusik ist erste Sahne, zumal die dramatischen Szenen meist ohne Tamtam vonstatten gehen und scheinbar unspektakuläre Alltagsszenen musikalisch untermalt werden. Alles andere als ein Laienwerk hat der Regisseur hier produziert, sondern ein Werk, welches die Orientierungslosigkeit vieler junger Menschen nachzeichnet. Und das Ende - von einigen nicht verstanden - lässt einen großen Interpretationsspielraum, welchen jeder Zuschauer individuell ausmalen kann.

· 18.02.2008

der film ist großartig! der plot hängt an einem stahlseil, die bilder gehören zu den großen bildern der filmwelt

Kommentare

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