Dot.Kill

Dot.Kill

Eine Filmkritik von Renatus Töpke

Katz und Maus

Ein Film wie Dot.Kill hat hehre Absichten, doch wird diesen leider nicht gerecht. Trotz gutem Cast und origineller Geschichte gelingt es nur bedingt, den Zuschauer über die volle Länge bei der Stange zu halten.
Charlie Daines (Armand Assante) ist einer von jenen harten Cops, die unrasiert sind, Kollegen anbaffen und auch vor Handgreiflichkeiten nicht zurückschrecken. Als über das Internet der Mord an einem Großindustriellen live übertragen wird, wird er dazu gerufen. Alles deutet darauf hin, dass die Täter Globalisierungsgegner sind und sich ziemlich gut mit Computern auskennen. Nicht umsonst kann ihre Spur nicht zurückverfolgen. Mit seinem Partner Harwell (Sonny Marinelli) und dem Rollstuhl fahrenden Computerexperten Adam (Raffaello Degruttola) macht sich der ruppige Cop, der zudem an einem Lungenkrebs zu leiden scheint, auf die Jagd nach dem „Digital Killer“ – so der Originaltitel des Films. Der hat sich mittlerweile ein neues Opfer rausgesucht und die Flatrate ist auch schon gebucht, um diesen Mord auf die Computerbildschirme dieser Welt zu übertragen…

Beginnt der Film noch viel versprechend mit schöner Charakterzeichnung, ordentlichem Spannungsaufbau und der einen oder anderen frischen Idee (na gut, eher einer), wird es bald beliebig. Die üblichen Copfilm-Klischees werden bedient, die Kameraarbeit ist einfallslos und die Regie spult routiniert das Repertoire herunter, das eben bei einem Copfilm zum Einsatz kommt (Stripclub, Eheprobleme, Stress mit dem Vorgesetzten). Immer wieder kommen die Polizisten zu spät, aber auch immer etwas weniger – bis man doch rechtzeitig zum nächsten Mord den Ort der Tat ausfindig macht – aber da verpatzt es Charlie. Kennt er doch das Opfer, reagiert überhastet. Folglich wird er vom Fall abgezogen. Ab der Mitte von Dot.Kill wird dann recht bald klar, wer der Böse ist (natürlich in den eigenen Reihen, soviel darf man verraten) und die Ermittlungen finden holterdiepolter ein seltsam runtergespultes Ende. Dieses ist zwar konsequent, aber doch unbefriedigend, da unter anderem stümperhaft inszeniert.

Positiv fällt Hauptdarsteller Armand Assante als kränkelnder und immer mehr abbauender Cop auf. Er ist absolut überzeugend, zeigt, dass er zu einem der Großen gehören könnte – wenn nicht schon Jean Reno da wäre und den Platz besetzen würde. Hin und her gerissen zwischen Job, Familie, Sorge um den nahen Tod und der jungen Ex-Drogensüchtigen Jane, die ihn mit Morphium versorgt, muss er einen Fall lösen, der in einem Metier spielt, mit dem er sich kaum auskennt: Dem Internet.

Man merkt vorne und hinten, dass Dot.Kill ein jüngerer Regisseur gut getan hätte. John Irwin ist nach seinen 80er Krachern Hamburger Hill (Vietnam-Drama) und Der City Hai (Schwarzenegger-Vehikel) rasch ins Fernsehen gerutscht und spült seitdem Duzendware in die Wohnzimmer der Welt. Das kann er zwar mehr oder weniger gut, doch das Grundthema von Dot.Kill verlangt, wie der „Digital Killer“, nach frischem Blut.

Dot.Kill

Ein Film wie Dot.Kill hat hehre Absichten, doch wird diesen leider nicht gerecht. Trotz
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