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16 05/09

Venedig 2016: "Brimstone" von Martin Koolhoven

Wenn man nach über zwei Stunden das Kino nach Martin Koolhovens Brimstone verlässt, fühlt man sich ein wenig ausgebrannt. Denn das, was der niederländische Regisseur hier auffährt, ist episch. Und damit ist nicht die Länge gemeint, sondern die schiere Masse an Erzählung, die er in die vier Kapitel Revelation (Offenbarung), Exodus, Genesis (Genese) and Retribution (Vergeltung) seines Neo-Westerns packt. Das grundlegende Thema ist damit auch schon angedeutet. Es geht um Religion.


(Bild aus Brimstone von Martin Koolhoven; Courtesy: Mostra internazionale d’arte cinematografica di Venezia)

Diese findet vor allem in Person des pathologisch bösen Priesters "The Reverend" (Guy Pearce) statt, der im ersten Kapitel eine kleine Stadt heimsucht und dort der örtliche Pastor wird. Seine riesigen Narben über dem Auge und am Hals scheinen seine Jünger nicht zu stören. Nur Liz (Dakota Fanning), die stumme Hebamme des Dorfes, reagiert regelrecht panisch auf den Mann. Schon bald stellt sich heraus, dass sie allen Grund hat. Der Priester lauert ihr und ihrer Tochter auf und bedroht sie. Ihr Ehemann nimmt Liz' Ängste nicht ganz ernst. Das wird er bald mit dem Leben bezahlen. Liz kann gerade so entkommen, aber es ist klar: hier hat sie etwas heimgesucht, das sie kennt, und dieses Übel wird nicht aufhören ihr zu folgen.

Die nächsten zwei Kapitel erzählen rückblickend, wer der Reverend ist und in welchem Verhältnis er zur stummen Liz steht. Langsam entfaltet sich hier das Bild eines religiös-fanatischen Mannes, der viele Unterstützer in der neuen Welt hat. Die Gemeinde, in der er predigt, fühlt sich von Gott auserwählt, und das gibt dem Mann einen Größenwahn, den er bald an seiner Familie auslässt. Hinzu kommt sein unstillbarer und eigentlich mit der Religion nur schlecht zu vereinbarender Hunger nach Sex, den er zunehmend mit jungen Mädchen und nicht seiner Ehefrau (Carice van Houten) stillen will. Doch das Fegefeuer ist stets nahe, so muss The Reverend massive Sublimierungsarbeit leisten, die zusehends pathologische Züge annimmt. Liz spielt dabei die entscheidende Rolle, die hier jedoch nicht verraten werden soll.

Koolhoven hält nicht viel von Ambivalenzen. Es ist klar aufgeteilt, welche seiner ProtagonistInnen gut und böse sind, und das entlang der Geschlechtergrenzen. Die Frauen sind stets reinen Herzens und Opfer widerlicher, gefährlicher und gewalttätiger Männer. Dies tut der Film jedoch, um einerseits das harte Schicksal von Frauen im "wilden" Westen des 19. Jahrhunderts zu beschreiben, andererseits gehört es auch zur Leidens- und Emanzipationsgeschichte der blonden, großäugigen Liz, die in ihrem gesamten Leben unglaublich schreckliche Dinge durchmacht und doch niemals aufgibt. Ansonsten setzt Koohlhoven vor allem auf Blut. Wahrlich: Brimstone ist eine Schlachterplatte de luxe. Vom Periodenblut und ausgeweideten Schafen hin zu toten Embryos und Menschen, die mit ihren eigenen Gedärmen erdrosselt werden, findet sich hier alles aus dem Bodyhorror-Genre, was man sich vorstellen kann. Manchmal sind diese heftigen Referenzen angebracht, oft sind sie Mittel zum Schockieren, doch ihre Massivität und ihr dauerhafter Einsatz zusammen mit der Schwarz-Weiß-Zeichnung der Figuren rücken den Film alsbald in die Nähe zum Absurden.


(Bild aus Brimstone von Martin Koolhoven; Courtesy: Mostra internazionale d’arte cinematografica di Venezia)

So ganz entscheiden kann man sich nicht. Ist dies nun ein etwas klobiger und blutüberströmter Neo-Western, der zu grobschlächtig ist, um so richtig zu funktionieren – oder ist der Film absichtlich trashig und übertrieben gemacht, um Spaß zu haben und sich einmal so richtig auszuspielen? Die Antwort ist wohl eine Frage der Perspektive. Fakt ist aber, dass Brimstone ein kleines Faszinosum und eine sonderbare Art von emanzipatorischem Kino ist. Sofern man Blut und Gedärme abkann.

(Beatrice Behn)

Bisherige Kommentare

(Anzeige: 1 von insgesamt 1)
Von: ela am: 14.05.17
warum gibt es den nicht in deutscher synchronstimmen? es gibt auch ältere die eben kein englisch verstehen finde es schon scheisse sowas ,wie wär es mal ein western von den jabanern und ihr spielt es in england ab da versteht ihr auch nix ob wo ich jabanisch kann der film ist schrott für die leute die kein englisch verstehen denkt mal drAN ES GIBT auch omis und opis die gerne western schauen ,aber verstehen nix vom film witzbolde die auf so einer idee kommen gruß ela