• Home
  • Filme
  • We Feed the World – Essen Global
Zurück zur Übersicht

We Feed the World – Essen Global

Meinungen
24

4 Sterne aus 327 Bewertungen

Kinostart: 27.04.2006

Augen zu und durch?

Schlechte Laune, betretenes Schweigen, der aufkommende Wunsch nach Realitätsflucht und Eskapismus. Nach dem Film ist nicht vor dem Film, besonders wenn es sich um einen solch inhaltlich unangenehmen wie We feed the World handelt. Und das ist schon erstaunlich, weil man als regelmäßiger Kinogänger doch geglaubt (oder gehofft?) hatte, bereits viele Ungeheuerlichkeiten gesehen zu haben und daher vorbereitet zu sein. Megacities, Darwins Alptraum und wie sie alle heißen – nein, es geht noch heftiger: mit We Feed the World - Essen Global hat der Grusel im Dokumentarfilm eine neue Qualität erreicht. Dann also lieber wegsehen? Nicht wahrhaben wollen? Das kann es ja bekanntlich auch nicht sein. Vielleicht nehmen sich die Deutschen mal an den Österreichern ein Beispiel – dort konnte We Feed the World - Essen Global mit 180.000 zahlenden Eintritten einen Überraschungserfolg verbuchen.

Auf den Spuren unserer Lebensmittel zieht Regisseur Erwin Wagenhofer quer durch Europa: berichtet über Ernährung im Zeitalter der Globalisierung, über Hunger im Überfluss, lässt einfache Menschen vor Ort, aber auch bekannte Persönlichkeiten wie Jean Ziegler, Autor und UN-Sonderberichterstatter, zu Wort kommen, dessen interessante und beschämende Informationen den Film zusammenhalten.

Ob nun die Auswirkungen von Konzernbildung auf unsere Nahrungsmittel (Nestlé Konzern), insgesamt stark voranschreitende Industrialisierung der Nahrungsketten, verheerende Subventionen und Protektionismus, Gentechnik (Saatgut), massive Umweltzerstörung, Folgen von Hunger und Gewinnmaximierung (alle „Stufen“ in der Herstellung der Lebendware „Huhn“) – We Feed the World - Essen Global bildet ruhig, faktenreich und auf abbildende, realistische, nicht emotionalisierende Art und Weise unannehmbare Realitäten ab, die beim Betrachter direkt im Kopf und Herz landen. Und neben Empörung vielleicht eine Änderung im Konsumverhalten einzelner bewirken. Denn (und hier liegt die zentrale Aussage des Films) natürlich könnte die Zivilgesellschaft durch Verzicht etwas ändern; hat es der Einzelne in der Hand, was und wie viel er konsumiert. Eine wichtige, bedrückend-brillante Doku also, die noch lange nachwirkt und ein Pflichtfilm an den Schulen werden sollte.

(Michael Spiegel)

Daten & Fakten

Produktionsland: Österreich
Produktionsjahr: 2005
Länge: 96 (Min.)
Verleih: Delphi Filmverleih
Kinostart: 27.04.2006

Cast & Crew

Regie: Erwin Wagenhofer

MEINUNGEN

Ihre Meinung zu diesem Film (Felder mit * müssen ausgefüllt sein)

Kommentar Seiten « 1 2 3 4 5 »

Bisherige Meinungen

(Anzeige: 5 von insgesamt 24)
Von: am: 25.10.07
Sehen! Sehen! Sehen! Wichtiger Film, guter Film!
Von: am: 07.10.06
Der Film ist sehr informativ, aber wie er gedreht wurde, fand ich weniger professionell...
Von: am: 29.09.06
Alles was wir tun hat Einfluß auf andere. Das sollten wir immer bedenken.
Von: Arno Pillwein am: 29.07.06
Hier geht's an das Eingemachte mit Tiefenwirkung - härter als der härteste Horrorfilm. Und doch nur eine einfache, logische und natürliche Folge unseres ganz "normalen", materialistisch-wissenschaftlichen Denkens! Wie anders könnte doch die Welt aussehen, wenn das allgemeine Interesse sich mehr auf solche Realitäten als auf so überflüssige wie unsinnige Massenhysterien wie die Fußball-WM richten würde. Oder gibt es da sogar Parallelen?
Von: am: 26.07.06
die einzige Form der Beklemmung hatte ich, als mir klar wurde, dass zwischen Ausschwitz und dem industriellen Hühnerschlachthof eine wenn auch unspektakuläre Parallele da ist: Das System funktioniert perfekt. Uns zwar ohne, dass jemand dafür die Verantwortung hat oder Schuld. Alles greift ineinander und -willkommen im 21-ten Jahrhundert- die globale Welt ist einfach um Ecken heftiger als die harmlose Düsterstimmung in den frühen 1980ern. Dem Film sei hoch anzurechnen, dass das was er zeigt keine Polemik oder Erzeugen von negativen Gefühlen, sondern von nüchterner Beschreibung der Fakten ist. Und der Film ist für jene, denen das alles nicht neu ist, einmal ein Update auf das 21-Jahrhundert. Ein Vorwurf den der Film macht: Die Entscheider in der Gesellschaft und Industrie gehen zur Schule, zur Uni und steigen dann ganz oben ein. Sie haben sich nicht hoch gearbeitet und kennen das eigentliche Berufsleben und Alltagsleben nicht. Denke dieses ist über das Problem der Lebensmittel-Industrie heraus ragend ein generelles Problem unserer westlichen Welt. Auch ein Grund vielleicht, warum mich die Hühner-Tötungsfabrik irgendwie ein bisschen an das Arbeitsprinzip Ausschwitz erinnert haben.

Kommentar Seiten « 1 2 3 4 5 »

Partner

  • Deutsche Film- und Medienbewertung
  • Arthaus Filme
  • Filmförderung Baden-Württemberg
  • Filmfest München