Das Herz ist ein dunkler Wald

Kinostart: 27.12.2007
FSK: 12
Leserbewertung:
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Doppelleben

Das Herz ist nicht nur ein dunkler Wald, sondern auch eine miese Gegend, wie der Schriftsteller Thommie Bayer weiß. Wie mies, das zeigt die Schauspielerin Nicolette Krebitz in ihrer zweiten Regiearbeit nach Jeans. In ihrem neuen Film spielen Nina Hoss und Devid Striesow nach Christian Petzolds Yella abermals ein Albtraum-Paar , das an den Klippen der schnöden Realität zerschellt.

Thomas (Devid Striesow) und Marie (Nina Hoss) sind glücklich verheiratet und haben zwei Kinder, Eliot und Leonie. Sie wohnen in einem spießigen Bungalow aus den Sechzigern und führen eine ganz normale Ehe – wenn man mal davon absieht, dass Thomas als Musiker einen weniger alltäglichen Job hat, der ihn viel unterwegs sein lässt. Doch das junge Glück, das der Film in kleinen Einschüben immer wieder beschwört, ist fragil, die Wurzel des Übels hat sich längst eingeschlichen – und das liegt vor allem an Thomas. Als er eines Morgens das turbulente Haus verlässt und Marie ihm seine vergessene Geige hinterher bringen will, stößt sie unvermutet auf sein Geheimnis – ihr Mann führt ein Doppelleben und hat in einem ähnlichen Haus eine zweite Familie mit seiner Kollegin Anna (Franziska Petri) und einem gemeinsamen Kind. Marie ist wie vor den Kopf gestoßen – sie lebt mit einem Bigamisten zusammen. Halb besinnungslos bricht sie in einem Wald zusammen und irrt anschließend ziellos durch die Stadt; ihre Kinder hat sie in ihrem Schmerz vollkommen vergessen, bis sie durch den Anblick einer Schulklasse wieder an ihre Pflichten erinnert wird. Abends betrinkt sie sich sinnlos, eine Aussprache mit ihrem Mann unterbleibt, da dieser sie am Telefon immer wieder vertröstet. Die Leidtragenden des Dilemmas sind – wie so häufig – die Kinder; Marie ist kaum noch in der Lage, sich um sie zu kümmern. Nach einem weiteren Tag des Wartens, Bangens und der absoluten Verzweiflung sucht sie schließlich einen abendlichen Maskenball auf, auf dem Thomas mit seinem Trio spielen wird, um in zur Rede zu stellen. Als das alles nichts nutzt, fasst sie einen überraschenden Entschluss…

Nicolette Krebitz, das spürt man ganz deutlich, wollte mit ihrer zweiten Regiearbeit nach dem verspielt jugendlich-naiven Erstling Jeans einiges anders machen und zeigen, dass sie sich auch in ernsthaften schweren, geradezu klassischen Tragödienstoffen auszudrücken weiß. Nicht von ungefähr bezeichnet sie Das Herz ist ein dunkler Wald als moderne Bearbeitung des Medea-Stoffes, den die Regisseurin sogar in einem kurzen Filmzitat explizit zeigt. Überhaupt wimmelt es in dem Film nur so vor Zitaten, neben Großmeistern wie Federico Fellini und Michelangelo Antonioni sind es vor allem die Filmemacher der Berliner Schule, die hier Pate standen. Und so sind es auch die feinen Alltagsbeobachtungen aus dem Familienleben am Anfang des Films, die zu überzeugen wissen. In der Mitte aber mit einem Maskenball, der direkt von Stanley Kubricks letztem Werk Eyes Wide Shut übernommen zu sein scheint, verliert der Film an Stringenz, zerfasert, schweift ab in Phantasien, bei denen schon mal Jesus vom Kreuz herabsteigt und ähnlichem symbolisch aufgeladenen Firlefanz. Diese stilistische Vielfalt, man kann sie auch als Wankelmütigkeit oder Unsicherheit der Regisseurin auslegen, birgt zwar interessante Ansätze, doch so richtig mag der Funke nicht überspringen, zu artifiziell und steril bleibt das Geschehen und wahre Betroffenheit stellt sich – wenn überhaupt – erst am Ende ein. Auch musikalisch geht es krude durcheinander, von Opernarien über pumpende Techno-Soundlandschaften bis hin zum mega-angesagten Pop von Whitest Boy Alive ist so ziemlich für jede Zuschauer-Zielgruppe etwas dabei.

Trotz einiger starker Szenen und einer Besetzung, die alles versammelt, was Rang und Namen hat, enttäuscht Das Herz ist ein dunkler Wald doch über weite Strecken, es bleiben vor allem der starke Beginn und der überraschende Schluss im Gedächtnis. Zu einem grundlegenden Nachdenken über die nach wie vor bestehende Rollenverteilung zwischen Mann und Frau, über die immer wieder aufschreckenden Fälle von Vernachlässigung der Kinder und anderen gesellschaftlichen Zündstoff regt dieser Film aber in seiner Künstlichkeit nicht an.

(Joachim Kurz)

DATEN & FAKTEN

ÜBERBLICK

Titel: Das Herz ist ein dunkler Wald
Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2007
Länge: 86 (Min.)
Verleih: X-Verleih

VERÖFFENTLICHUNGEN

Kinostart: 27.12.2007

Trailer

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FILMBEWERTUNG

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Bisherige Kommentare (Anzeige: 5 von insgesamt 10)
Von: loreen am: 02.09.08
Ich habe den Film vor kurzen gesehen und suche seitdem das Lied, was in dem Schloss gespielt wurde als die Band auf dem Tisch spielte und eine asiatische Frau dazu tanzte, da war auch eine Geige dabei. Wie heißt das lied? von wem ist es? ich finde es so toll. Bitte helft mir. Infos an Dolli-@web.de DANKE
Von: Davina am: 30.03.08
Ich finde den Film sehr gut gemacht und habe überall nach dem Soundtrack gesucht... Gibt es davon keinen????? Bitte bescheid geben falls einer die Lieder oder so kennst icq: 296-742-756
Von: am: 18.03.08
Der Film hat mich total beeindruckt! Er schafft es wie nur wenige deutsche Filme, eine zweite imaginäre Ebene zu schaffen, mit eigentlich einfachen Mitteln. Auch der Humor an vielen Stellen ist ist erfrischend, und der Soundtrack ist gerade durch sein durcheinandergewürfelt-sein genial. Voll abgefahren die japanische Sängerin im Schloss. Toller Film!!!!
Von: Tilo Sperling am: 28.01.08
einfach unterirdisch... wer diesen schwachsinn noch inerpretiert hat sonst nichts zutun... das ende tat einfach nur weh, und man soll wohl zu dem schluss kommen, sich nicht jeden film anzuschauen dessen titel irgendwie interessant klingt...
Von: Julie Heist am: 25.01.08
was für ein Kitsch... der erste Teil, okay, aber dann wird es soo manieriert. und die Dialoge, au weia: "hast du zigaretten..?" Antwort" hast du KInder...? ärgerlich, weil Nina Hoss und Devid Striesow so gute Schauspieler sind, wenn man sie läßt..
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