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15 05/03

Die Kunst der Filmkomödie - A day without laughter...

Das Kino ist ein Ort der Emotionalität, sowohl im Film auf der Leinwand als bestenfalls auch bei den Zuschauern im Publikum. Die bewegten Bilder, verbalsprachlichen Ausprägungen und Geschichten eines Films transportieren nicht nur schlichtweg die ausgestalteten Ideen der Filmemacher, sondern in der Regel auch ihre inhärenten Intentionen im Hinblick auf die Emotionen, die sie auszulösen beabsichtigen. Wer sein potenzielles Publikum kräftig in Aufregung versetzen will, inszeniert einen Actionfilm oder einen Thriller, und wer es zuvorderst auf die Lachmuskeln seiner Zuschauer abgesehen hat, präsentiert ihnen eine möglichst gelungene Komödie.

(Charlie Chaplin in The Tramp aus dem Jahre 1915; Copyright: Public Domain via Wikimedia Commons)

Dass dies eine nicht zu unterschätzende Kunst ist, die nach ganz spezifischen Regeln funktioniert, betont auch der erste Band von Die Kunst der Filmkomödie von Franz Stadler und Manfred Hobsch, dessen Autoren sich mit einer so ausführlichen wie unterhaltsamen Revue diesem heiteren bis explosiv komischen Genre gewidmet haben.

Dass das Territorium ihrer Darstellungen die gute, gelungene und somit im Sinne der Erfinder effektive Filmkomödie ist sowie die Funktionsweise der "Gagmaschine Kino", die sie ohne "übersteigerte[...] Interpretationssucht" unterbreiten wollen, damit das Vergnügen der Leser auch erhalten bleibe, offenbaren die erfahrenen Filmexperten in ihrem Prolog, dem drei thematisch gegliederte Teile folgen. Die Grundformen und Handlungsmuster der Filmkomödie behandelt der erste, während der zweite Teil ihr ausgewähltes ABC der großen Filmkomiker präsentiert und der dritte mit kurzen Porträts ihrer favorisierten Komödienregisseure aufwartet, von Pedro Almodóvar über Doris Dörrie und Terry Gilliam bis hin zu Alexander Mackendrick und Robert Zemeckis.

Dabei konzentrieren sich Franz Stadler, Gründer des ersten Programmkinos Berlins "filmkunst 66" und mehrfach ausgezeichneter Akteur der deutschen Arthouse-Filmszene, und Manfred Hobsch, Filmjournalist, Mitbegründer des Berliner Stadtmagazins zitty und Autor zahlreicher Publikationen über das Genrekino, auf die humorträchtigen Aspekte einer ungebrochen populären Tradition, die von Stummfilmgrotesken bis zur modernen Comedy reicht und klassische Witzformen wie Running Gags, Kettenreaktionen und Verfremdungseffekte beinhaltet.

(Das Cover des ersten Bandes; Copyright: Mühlbeyer Filmbuchverlag)

Dass die Komödie auch die Aufforderung birgt, Abstand vom bitteren Ernst des Lebens zu nehmen und damit geeignet ist, die allgemeine "Konfliktbereitschaft, Toleranz und Lebensfreude" des Menschen zu fördern, ist eine Grundprämisse von Die Kunst der Filmkomödie, die weniger akribisch analytisch orientiert ist als vielmehr die Vielfalt und ihre Ausprägungen innerhalb des Genres in den Vordergrund stellt. Dabei ist die Entstehung der Komik im Zusammenhang mit der Lebenswirklichkeit der jeweiligen Zeit eine wichtige Komponente, die auch im Rahmen der Kapitel über die einzelnen Komiker und Regisseure zum Tragen kommt.

Zwar existieren durchaus gewisse Grundmuster wie Missverständnisse und Verwechslungen oder unangepasste Verhaltensweisen, über die der Mensch im Allgemeinen gerne lacht, doch spielen dabei die jeweiligen Konventionen der Gesellschaft eine nicht zu unterschätzende Rolle, und so ist der Erfolg einer guten Komödie auch häufig maßgeblich an die Gesetze, Sozietät und Epoche ihres Erscheinens gebunden, was einige prägnante Beispiele belegen, wie etwa Charlie Chaplins Gewehr über! / Shoulder Arms (1918) und Der Pilger / The Pilgrim (1923) oder Ist das Leben nicht schön? / It's a Wonderful Life von Frank Capra, der nach seiner Premiere 1946 zunächst wenig gewürdigt wurde und mittlerweile zu einem beliebten Klassiker avanciert ist.

Es sind zuvorderst der breit gestreute Überblick, eingeteilt in zahlreiche, überschaubare kleine Einheiten, sowie die zwischen den Zeilen deutlich spürbare Begeisterung und das Engagement der Autoren für das Thema, die Die Kunst der Komödie zu einer kurzweiligen, informativen Lektüre geraten lassen, deren zweiter Band über eine Selektion der eintausend besten Filmkomödien noch in diesem Frühjahr erscheinen soll. Der berühmte Ausspruch "A day without laughter is a day wasted", der Charlie Chaplin zugeschrieben wird, kann zweifellos als treffliches Argument für den Konsum einer gelungenen Filmkomödie gelten, und dieses Buch schürt nicht zuletzt kräftig das Verlangen, sich wieder einmal eine oder mehrere zu Gemüte zu führen.

(Marie Anderson)

Titel: Die Kunst der Filmkomödie. Band 1: Komiker, Gags und Regisseure

Autoren: Franz Stadler, Manfred Hobsch

Erscheinungsort: Frankenthal

Erscheinungsdatum: Februar 2015

Seiten: 445

Verlag: Mühlbeyer Filmbuchverlag

ISBN: 978-3-945378-17-5