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Immer noch jung - 15 Jahre Killerpilze

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5.0 Sterne aus 2 Bewertungen

Kinostart: 05.10.2017
FSK: o.Al.
Genre: Dokumentarfilm
Tags: Musik, Killerpilze, Label

Vom Leben und Überleben einer Rockband aus Dillingen an der Donau

Die Killerpilze sind ziemlich sympathische Jungs. Das zeigt der Dokumentarfilm über die Rockband aus Dillingen an der Donau, und das will er auch zeigen. Immer noch jung erzählt aus der Innensicht die Geschichte der jungen Musiker, die ein Jahr lang die Charts stürmten und als Teenie-Band gefeiert wurden, dann aber sehr mit ihrem Bravo-Image zu kämpfen hatten. Regie führen Fabian Halbig, Drummer der Killerpilze, und David Schlichter, Bruder von Gitarrist Maximilian. Dieser Blick aus dem Bandleben heraus ist spannend, und der Film ist wie seine Protagonisten vor allem eins: sympathisch.

Der Dokumentarfilm ist, wie er sein soll: Er erzählt die Geschichte der Band im Fokus, berichtet von ihren Anfängen, dem Entstehen, den ersten Erfolgen und dann auch von den schwierigen Zeiten. Die Bandmitglieder selbst – David Schlichter, Johannes und Fabian Halbig sowie Andreas Schlagenhaft – erzählen ihre Geschichte, aber auch die Eltern, Produzenten, Wegbegleiter kommen zu Wort. Immer noch jung ist informativ und macht seine Arbeit gut – denn selbst der, an dem die Killerpilze 2006 vorbeigezogen sind, wird nach den guten 100 Minuten Film ein detailliertes Bild von ihnen und ihrer Bandgeschichte haben.

Im Jahr 2002 haben sich vier Schüler zusammengetan und eine Punk-Band gegründet – sie wollten auch einmal dort oben auf einer Bühne stehen, das war ihr Traum, der dann auch, schneller als erwartet, wahr wurde. Die Jungs waren 13, 14 und neun Jahre alt, hatten viel Zeit und vor allem Spaß am Spielen. Sie wurden für die erste Schülerparty gebucht, und dann ging es ziemlich schnell und steil nach oben. Im Jahr 2006 brachten sie ihre erste große Platte heraus, die einschlug wie eine Bombe. Alle Welt war begeistert von den jungen liebenswerten Jungs aus Dillingen. Die Killerpilze wurden – auch wenn ihnen das gar nicht recht war – mit Tokyo Hotel verglichen, die Groupies waren ihnen ebenso auf den Fersen wie Reporter und Jugendmagazine. Aufs Cover der Zeitschrift Bravo zu kommen, war für sie ein großes Thema, aber eben nicht unbedingt die Lieblingsvariante. Sie hätten es gerne vermieden.

Gerade das Bravo-Image wurde den Killerpilzen dann ab der nächsten Platte zum Verhängnis. Denn plötzlich verkauften sich die Songs nicht mehr so gut, und sie erlebten den Kater nach der Sause. Andreas Schlagenhaft verließ die Band, und alles wurde schwierig. Und genau an diesem Punkt liegt das Wertvolle am Film: Dass er diese schwerfällige Phase im Leben der drei Killerpilze ganz ehrlich und schonungslos erzählt. Man bekommt einen Eindruck davon, was heißt, großartige, kurze Erfolge zu feiern und danach dann trotzdem weiterzumachen. So wie den Killerpilzen wird es unzähligen Künstlern gehen, und vermutlich auch denjenigen, die nur an den Erfolg glauben, aber noch keinen gehabt haben. Das ist das große Verdienst von Immer noch jung, der bestimmt auch an einigen Stellen als nachträgliche Rechtfertigung gelesen werden kann, das aber nicht ist. Er ist wie ein Tagebuch, das ehrlich und vertraulich vom täglichen Hoch und Runter erzählt.

Mittlerweile haben die Killerpilze eine treue Fangemeinde und viele Menschen, die sie als ernsthafte Künstler schätzen. Eine Crowdfunding-Kampagne hat ihnen in ihrem Musikerdasein ebenso geholfen wie diejenigen, die zu allen Zeiten ihre Konzerte besucht haben. Sie haben eine Firma gegründet, viel dazugelernt, schreiben nicht mehr nur Songs und üben sich in ihren Instrumenten, sondern studieren, produzieren, machen ihre Videos selbst – oder ebenen einen Film wie Immer noch jung. Und den sollte man genauso ernsthaft betrachten wie ihre Musik. Dahinter steckt viel Können, Fleiß und Arbeit – und immer wieder auch Originalität. So wild, wie es um die Killerpilze Mitte der 2000er Jahre war, wurde es nie wieder, aber vielleicht ist es ihnen auch nicht zu wünschen.

(Verena Schmöller)

Daten & Fakten

Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2017
Länge: 112 (Min.)
Verleih: Nordpolaris/24 Bilder
Kinostart: 05.10.2017

Cast & Crew

Regie: David Schlichter, Fabian Halbig
Drehbuch: Fabian Halbig
Kamera: David Schlichter
Schnitt: David Schlichter
Musik: Die Killerpilze

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