Chronik einer Entführung
Jeden Tag aufs Neue werden wir mit Anschlägen, Morden und Entführungen in Irak und Afghanistan in den Nachrichten konfrontiert. Vor allem auch Journalisten sind solchen Gefahren ausgesetzt. Mit der Geiselnahme des US-amerikanischen Journalisten Daniel Pearl im Jahr 2002 beschäftigt sich Michael Winterbottoms neuer grandioser Film Ein mutiger Weg / A Mighty Heart, basierend auf der Vorlage "A Mighty Heart: The Brave Life and Death of my Husband Danny Pearl", den Erinnerungen von Daniel Pearls Ehefrau Mariane.
Im Januar 2002 hielten sich Daniel Pearl (Dan Futterman), Südostasien-Korrespondent des Wall Street Journals und seine hochschwangere Frau Mariane (Angelina Jolie), ebenfalls Journalistin, im pakistanischen Karatschi auf. Pearl recherchierte dort über den als "Shoe Bomber" bekannt gewordenen Terroristen Richard Reid. Als sich die Möglichkeit anbot, zu einem exklusiven Interview mit einem Terroristenführer zu fahren, nahm Pearl das Angebot an und kehrte nie mehr zurück. Seine Entführer, Terroristen der sogenannten "Nationalen Bewegung zur Wiederherstellung der pakistanischen Souveränität" verschleppten ihn in ein Versteckt am Stadtrand Karatschis. Nur eine Woche später wurde Pearl enthauptet, weil die US-amerikanische Regierung die Forderungen der Entführer nicht erfüllte.
Der Film konfrontiert uns jedoch nicht mit der Brutalität der Entführer, sondern zeigt das Verbrechen aus der Perspektive von Daniel Pearls Ehefrau Mariane: Die Sorgen vom Verschwinden ihres Mannes über die verzweifelten Bemühungen, ihn zu befreien, bis zu seiner brutalen Ermordung. Die Hoffnung, die immer wieder aufkeimt, wenn der Krisenstab den Entführern näher gekommen ist oder wenn die allerkleinsten Lebenszeichen durchsickern. Die Liebe zu ihrem Mann, der Glaube an ihren und seinen Einsatz als Journalist. Als das verkörpert Angelina Jolie als Mariane Pearl so glaubwürdig und solide, dass wir an ihr kleben und die ganzen 100 Filmminuten mit ihr bangen.
Doch leider kennt man das Ende des Films, der Fall Daniel Pearl ging um die Welt und Winterbottom hält sich an die Fakten. Wie auch schon bei seinem letzten Film The Road to Guantanamo (2006), eine Geschichte über drei britische Muslime, die unschuldig im Gefangenenlager Guantanamo landeten, beweist Winterbottom ein Gespür für spannende Themen und weiß sie auch packend und mitreisend umzusetzen. Marcel Zyskinds Kamera nimmt immer wieder ein Bad in der Menschenmenge, stürzt sich in den chaotischen Verkehr Karatschis, kriecht in dunkle, dubiose Ecken der muslimischen Metropole, beobachtet die Einheimischen – und das alles mit der Authentizität eines Dokumentarfilms.
Es ist ein temporeicher, schnell geschnittener Film mit vielen stillen Momenten. Zur Ruhe kommt er dann, wenn Daniel seiner schwangeren Frau über den Bauch streichelt und sich wünscht, dass sein Kind Adam heißt. Oder wenn ein neuer Tag beginnt und der Imam in den morgendlichen Dunst über der Stadt zum Gebet aufruft, wenn Mariane sich zum Gebet vor ihren kleinen Altar zurückzieht. Und dann zieht der Film auch sofort wieder an: Da wird wild telefoniert, chaotisch Auto gefahren, verrückt umher geballert. Dann ist die Kamera wieder permanent in Bewegung, rüttelt uns wach, um uns den Ernst der Lage vor Augen zu führen.
Winterbottoms Dokudrama geht unter die Haut, besonders intensiv in der Szene als Mariane erfährt, dass es ihr Mann "nicht geschafft" hat. Sie kann nur noch schreien, glaubt noch nicht dran, weiß aber das ihr Leben nie wieder so wie vorher sein wird. Sie war bis dahin tapfer und mutig, der Tod von Daniel hat ihr das Herz wohl für immer zerrissen. Dieser Schmerz ist so intensiv – kein Wunder, dass man etwas benommen, aber nachhaltig bewegt das Kino verlässt.
(Katrin Knauth)
Im Januar 2002 hielten sich Daniel Pearl (Dan Futterman), Südostasien-Korrespondent des Wall Street Journals und seine hochschwangere Frau Mariane (Angelina Jolie), ebenfalls Journalistin, im pakistanischen Karatschi auf. Pearl recherchierte dort über den als "Shoe Bomber" bekannt gewordenen Terroristen Richard Reid. Als sich die Möglichkeit anbot, zu einem exklusiven Interview mit einem Terroristenführer zu fahren, nahm Pearl das Angebot an und kehrte nie mehr zurück. Seine Entführer, Terroristen der sogenannten "Nationalen Bewegung zur Wiederherstellung der pakistanischen Souveränität" verschleppten ihn in ein Versteckt am Stadtrand Karatschis. Nur eine Woche später wurde Pearl enthauptet, weil die US-amerikanische Regierung die Forderungen der Entführer nicht erfüllte.
Der Film konfrontiert uns jedoch nicht mit der Brutalität der Entführer, sondern zeigt das Verbrechen aus der Perspektive von Daniel Pearls Ehefrau Mariane: Die Sorgen vom Verschwinden ihres Mannes über die verzweifelten Bemühungen, ihn zu befreien, bis zu seiner brutalen Ermordung. Die Hoffnung, die immer wieder aufkeimt, wenn der Krisenstab den Entführern näher gekommen ist oder wenn die allerkleinsten Lebenszeichen durchsickern. Die Liebe zu ihrem Mann, der Glaube an ihren und seinen Einsatz als Journalist. Als das verkörpert Angelina Jolie als Mariane Pearl so glaubwürdig und solide, dass wir an ihr kleben und die ganzen 100 Filmminuten mit ihr bangen.
Doch leider kennt man das Ende des Films, der Fall Daniel Pearl ging um die Welt und Winterbottom hält sich an die Fakten. Wie auch schon bei seinem letzten Film The Road to Guantanamo (2006), eine Geschichte über drei britische Muslime, die unschuldig im Gefangenenlager Guantanamo landeten, beweist Winterbottom ein Gespür für spannende Themen und weiß sie auch packend und mitreisend umzusetzen. Marcel Zyskinds Kamera nimmt immer wieder ein Bad in der Menschenmenge, stürzt sich in den chaotischen Verkehr Karatschis, kriecht in dunkle, dubiose Ecken der muslimischen Metropole, beobachtet die Einheimischen – und das alles mit der Authentizität eines Dokumentarfilms.
Es ist ein temporeicher, schnell geschnittener Film mit vielen stillen Momenten. Zur Ruhe kommt er dann, wenn Daniel seiner schwangeren Frau über den Bauch streichelt und sich wünscht, dass sein Kind Adam heißt. Oder wenn ein neuer Tag beginnt und der Imam in den morgendlichen Dunst über der Stadt zum Gebet aufruft, wenn Mariane sich zum Gebet vor ihren kleinen Altar zurückzieht. Und dann zieht der Film auch sofort wieder an: Da wird wild telefoniert, chaotisch Auto gefahren, verrückt umher geballert. Dann ist die Kamera wieder permanent in Bewegung, rüttelt uns wach, um uns den Ernst der Lage vor Augen zu führen.
Winterbottoms Dokudrama geht unter die Haut, besonders intensiv in der Szene als Mariane erfährt, dass es ihr Mann "nicht geschafft" hat. Sie kann nur noch schreien, glaubt noch nicht dran, weiß aber das ihr Leben nie wieder so wie vorher sein wird. Sie war bis dahin tapfer und mutig, der Tod von Daniel hat ihr das Herz wohl für immer zerrissen. Dieser Schmerz ist so intensiv – kein Wunder, dass man etwas benommen, aber nachhaltig bewegt das Kino verlässt.
(Katrin Knauth)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Ein mutiger Weg
Originaltitel:
A Mighty Heart
Produktionsland:
USA
Produktionsjahr:
2007
Länge:
100 (Min.)
Verleih:
Universal
VERÖFFENTLICHUNGEN
Kinostart:
13.09.2007
CAST & CREW
Regie:
Michael Winterbottom
Hauptdarsteller:
Archie Panjabi, Angelina Jolie, Dan Futterman, Jillian Armenante, Harvasp Chiniwala
FILMBEWERTUNG
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Bisherige Kommentare
(Anzeige: 5 von insgesamt 9)
Von: am: 29.05.08
Angelina Jolie schafft ihre Rolle nicht. Glatt fehlbesetzt. Schade
Von: katrin Ihlenfeldt am: 27.10.07
ich finde den film sehr sehenswert, jedoch glaube ich das man ihn zumindest 2mal schauen muss um wirklich zu erkennen was alles passiert und um alles erfassen zu können.
ich finde die darsteller sehr gut besetzt und nehme angeline die rolle in jeder minute ab.
ein gut gemachter film, der aufgrund seiner thematik warscheinlich nie der "renner" sein wird, denn wenn wir ehrlich sind, sehen die meisten menschen warscheinlich lieber hirnlose action und dümmliche komik als eine dramatische echte geschichte ohne happy end.
Von: am: 27.09.07
Durch Angelina Jolie wurde
mir der ansonsten sehenswerte Film verdorben.
Sie kann eine solche Rolle
nicht glaubhaft rüberbringen.
Von: Jogi am: 19.09.07
Schade, habe diesen "Dokumentar"Film gerade gesehen und bin ziemlich enttäuscht. Habe das Buch vorher gelesen, welches schon sehr trocken geschrieben war. Aber als Buch noch ertragbar war.
Aber die Verfilmung ist so langartmig und staubtrocken.
Die Schnitte sind mir auch stellenweise etwas zu hektisch gesetzt. Dann geht es z.B. von Ashras Haus dirkt auf ne Verfolgungsjagd, ohne irgendeine Vorbereitung.
Der Film schafft es nur in den ruhigen Momenten den Vorteil der zusätzlichen Visoellen Darstellung zunutzen. Ansonsten könnte man sich auch ein Hörbuch antun.
Angelina Jolie ist in meinen Augen leider auch eine Fehlbesetzung. Sie bringt nur die Kampfeslust von Mariane Pearl rüber. Der rest vom Charakter geht leider unter.
Die Nebenrollen bleiben leider auch sehr schwach. Obwohl der Captain der Antiterroreinheit im Buch eine sehr starke Ausprägung hat.
Aber ich ziehe meinen Hut, vor so corragierten Journalisten wie den Pearls. Welche keine Gefahren schäuen um uns normalen Sterblichen die restliche Welt näher zubringen. Und dabei noch versuchen Brücken zwischen den Kulturen zuschlagen.
Wer das Andenken an Journalisten wie Daniel Pearl hochhalten will.
Sollte sich das Buch von Mariane Pearl "Ein Mutiges Herz" durchlesen.
Und auf das Filmische Werk verzichten.
Von: tre am: 19.09.07
Angelina Jolie ist eine totale Fehlbesetzung.
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