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Der Film beginnt mit dem Hinweis, dass die Ereignisse auf wahren Begebenheiten beruhen, eine Information, die im Nachhinein noch einmal doppelt so viel Unbehagen auslösen wird. Erzählt wird die Geschichte eines fatalen Spaßanrufes, der an einem stressigen Arbeitstag in einem Burgerladen eintrifft. Die völlig überforderte Managerin Sandra (Ann Dowd) bekommt einen Anruf eines Polizisten, der ihre junge Mitarbeiterin Becky (Dreama Walker) beschuldigt, eine Kundin bestohlen zu haben. Sandra soll Becky auf Bitten des Polizisten im Büro festhalten, bis die Polizei eintrifft. Natürlich gehorcht Sandra. Doch hier beginnt das perfide Spiel des Anrufers erst, denn seine Absichten reichen noch viel weiter. Durch eine geschickte Mischung aus Autorität, Drohungen, dem Verwirren seines Gegenüber und dem Loben, wenn etwas so gelaufen ist, wie er es wollte, gelingt es ihm die Situation immer weiter voran zu treiben. So bewegt er schließlich Sandra einen so genannten "strip search" vorzunehmen, sprich Becky muss sich ihrer Kleider komplett entledigen, während Sandra sie durchsucht.
Das psychlogische Fundament von Compliance basiert auf dem Prinzip der Verantwortungsdiffusion und dem Milgram Experiment, zwei sehr funktionstüchtigen Arten Menschen zu extremen Handlungen zu bewegen. Und so bleibt es für Becky auch nicht dabei, dass sie ihrer Kleidung entledigt wird. Dies ist erst der Beginn des perversen Treibens, das für alle Beteiligten traumatisch enden wird.
Compliance ist eines der anstrengendsten, weil best funktionierendsten Psychodramas der letzten Jahre. Der Film ist, so viel kann man definitiv sagen, ein stark polarisierendes Werk. Nicht alle Zuschauer werden ihn bis zum Ende sehen können oder wollen. Für die, die es tun, wird es keinesfalls ein angenehmer Zeitvertreib sein. Der Film tut weh, man möchte nicht hinsehen und sollte es doch, denn die Frage des Gehorsams, die hier auf einer kleineren Ebene verhandelt wird, ist eine, die sich auch im Alltag sehr oft stellt. Die gleichen Mechanismen, die hier im Hinterzimmer eines Burgerladens durchgespielt werden, sind es auch, die in diktatorischen Regimen zum Tragen kommen. Daher ist Compliance nicht nur ein kleiner, schrecklicher Film. Seinen Horror bezieht er aus dem Umstand, dass jeder Zuschauer diese Mechanismen schon einmal erfahren hat und in keinem Fall glasklar sagen könnte, dass er oder sie in solch einer Situation anders handeln würden.
Es ist der Horror der Berechenbarkeit, das Wissen darum, wie manipulierbar wir alle sind, der diesem Film so viel Tiefgang gibt. Dieser Tatsache ins Auge zu sehen und sich dabei die Abgründe anzuschauen, ist hart – es in diesem Film zu versuchen aber lohnenswert.
(Beatrice Behn)
Compliance
| Kinostart: | 26.04.2013 |
|---|---|
| FSK: | 16 |
| Genre: | Drama, Thriller |
| Tags: | Polizist, Autorität, Unterwerfung, Telefon, Sundance 2012, Fantasy Filmfest 2012, Locarno 2012 |
Der Horror der Berechenbarkeit
Bei jedem Festival gibt es ein bis zwei Filme, die per stiller Post die Runde machen und vor Ort solch ein Momentum entwickeln, dass man weiß: hier kommt ein spannender Film, der es noch weit bringen wird. Und einer dieser Filme, die in Locarno dieses Jahr schon vorab gehypt werden, ist Craig Zobels Compliance.Der Film beginnt mit dem Hinweis, dass die Ereignisse auf wahren Begebenheiten beruhen, eine Information, die im Nachhinein noch einmal doppelt so viel Unbehagen auslösen wird. Erzählt wird die Geschichte eines fatalen Spaßanrufes, der an einem stressigen Arbeitstag in einem Burgerladen eintrifft. Die völlig überforderte Managerin Sandra (Ann Dowd) bekommt einen Anruf eines Polizisten, der ihre junge Mitarbeiterin Becky (Dreama Walker) beschuldigt, eine Kundin bestohlen zu haben. Sandra soll Becky auf Bitten des Polizisten im Büro festhalten, bis die Polizei eintrifft. Natürlich gehorcht Sandra. Doch hier beginnt das perfide Spiel des Anrufers erst, denn seine Absichten reichen noch viel weiter. Durch eine geschickte Mischung aus Autorität, Drohungen, dem Verwirren seines Gegenüber und dem Loben, wenn etwas so gelaufen ist, wie er es wollte, gelingt es ihm die Situation immer weiter voran zu treiben. So bewegt er schließlich Sandra einen so genannten "strip search" vorzunehmen, sprich Becky muss sich ihrer Kleider komplett entledigen, während Sandra sie durchsucht.
Compliance ist eines der anstrengendsten, weil best funktionierendsten Psychodramas der letzten Jahre. Der Film ist, so viel kann man definitiv sagen, ein stark polarisierendes Werk. Nicht alle Zuschauer werden ihn bis zum Ende sehen können oder wollen. Für die, die es tun, wird es keinesfalls ein angenehmer Zeitvertreib sein. Der Film tut weh, man möchte nicht hinsehen und sollte es doch, denn die Frage des Gehorsams, die hier auf einer kleineren Ebene verhandelt wird, ist eine, die sich auch im Alltag sehr oft stellt. Die gleichen Mechanismen, die hier im Hinterzimmer eines Burgerladens durchgespielt werden, sind es auch, die in diktatorischen Regimen zum Tragen kommen. Daher ist Compliance nicht nur ein kleiner, schrecklicher Film. Seinen Horror bezieht er aus dem Umstand, dass jeder Zuschauer diese Mechanismen schon einmal erfahren hat und in keinem Fall glasklar sagen könnte, dass er oder sie in solch einer Situation anders handeln würden.
Es ist der Horror der Berechenbarkeit, das Wissen darum, wie manipulierbar wir alle sind, der diesem Film so viel Tiefgang gibt. Dieser Tatsache ins Auge zu sehen und sich dabei die Abgründe anzuschauen, ist hart – es in diesem Film zu versuchen aber lohnenswert.
(Beatrice Behn)
Daten & Fakten
| Produktionsland: | USA |
|---|---|
| Produktionsjahr: | 2012 |
| Länge: | 90 (Min.) |
| Verleih: | MAd Dimension |
| Bildformat: | 16:9 |
| Ton/Sprache: | Dolby Digital 5.1, Deutsch, Englisch |
|
|
| Kinostart: | 26.04.2013 |
| Extras: | Trailer |
Cast & Crew
| Regie: | Craig Zobel |
|---|---|
| Drehbuch: | Craig Zobel |
| Kamera: | Adam Stone |
| Schnitt: | Jane Rizzo |
| Musik: | Heather McIntosh |
| Hauptdarsteller: | Ann Dowd, Bill Camp, Pat Healy, Dreama Walker, Philip Ettinger, James McCaffrey |
MEINUNGEN
Ihre Meinung zu diesem Film (Felder mit * müssen ausgefüllt sein)
Bisherige Meinungen
(Anzeige: 4 von insgesamt 4)- Von: Dr. Bla am: 19.05.13
- Der Film ist sowas von dämlich. Nach 20 Sekunden Telefongespräch ist sofort klar, worauf das ganze hinausläuft. So etwas kann es wirklich nur in den USA geben. Die Masche des angeblichen Cops ist so unglaublich plump, das es ein einziger Krampf ist, diesen Film anzuschauen. Der gesamte Streifen, gekürzt auf 10 Minuten, dient bestenfalls als schlechte Alibi-Handlung eines billigen kleinen Schmuddel-Films!
- Von: Zonk am: 25.04.13
- Ist euch beiden Vorrednern den nicht klar, dass da genau so in den USA passiert ist?! Also ist die "Idee" des Films leider nicht unrealistisch umgesetzt worden, auch wenn es schwer zu begreifen ist, auch für mich, dass es soweit kommen konnte
- Von: Lea am: 22.04.13
- ihr seid doch alle total behindert der film zeigt einfach nur das es zu viele dumme menschen auf der welt gibt und wenn ich sowas höre: "Seinen Horror bezieht er aus dem Umstand, dass jeder Zuschauer diese Mechanismen schon einmal erfahren hat und in keinem Fall glasklar sagen könnte, dass er oder sie in solch einer Situation anders handeln würden. " beweist das nur das sie dazugehören.
- Von: PEGHawk am: 21.04.13
- Ich bin ein echter Film Fan aller Genres und habe schon mehrere Tausend gesehen, allerdings ist dieser Film der erste über den ich mich beschweren muss. Die Idee dahinter ist vielleicht nicht schlecht, aber die Umsetzung ist totaler Mist. Man merkt schon nach wenigen Sekunden dass der Typ am anderen Ende der Leitung kein Cop ist. Ab diesem Zeitpunkt geht einem als Zuschauer nur noch ein Gedanke im Kopf rum "Realismus?". Denn nirgends auf der Welt währe ein Mensch, in solch einer Situation, so dumm zu glauben dass der Cop am Telefon echt sei. Aber dennoch spielen sie alle, ohne ihr Hirn auch nur einmal einzuschalten, sein kleines Spielchen mit.
2013
16/05
Kinostarts
- Evil Dead Fede Alvarez
- Love Alien Wolfram Huke
- MansFeld Mario Schneider
- Paradies: Hoffnung Ulrich Seidl
- Woodstock in Timbuktu – Die Kunst des Widerstands Desiree von Trotha
- Das Mädchen und der Tod Jos Stelling






Meinungen
4