Ein schmerzhaftes Psychogramm
Wie fühlt sich ein Mensch, der über Nacht stigmatisiert ist und zum sozialen Außenseiter wird? Um diese Frage dreht sich der Film Anklaget (Angeklagt) des dänischen Regisseurs Jacob Thuesen.
Nach außen hin sind der Schwimmlehrer Henrik (Troels Lyby), die Sekretärin Nina (Sofie Grabol) und Tochter Stine (Kirstine Rosenkrands Mikkelsen) eine glückliche Kleinfamilie. Wenn es überhaupt mal Probleme gibt, dann werden diese meistens von der pubertierenden Stine verursacht, die sich zunehmend vor ihrer Familie verschließt. Doch eines Tages steht, anstatt der Tochter, die aus der Schule zurückkehren soll, die Polizei vor der Tür. Denn Stine hat mit der Schulpsychologin gesprochen und ihr ein Geständnis gemacht, dass die Familie augenblicklich zerstört. Stine behauptet, ihr Vater hätte sie vor einigen Jahren missbraucht. Sie wird sofort in ein Heim eingewiesen, ohne ihre Eltern noch einmal zu sehen. Die Behörden verhaften den vollkommen überraschten Henrik und bringen ihn ins Untersuchungsgefängnis, wo er bis zu seinem Prozess festgehalten wird. Die Nachricht vom angeblichen oder tatsächlichen Missbrauch macht sofort im Freundeskreis und in der Nachbarschaft die Runde. Mehr und mehr Freunde distanzieren sich vom verzweifelten Henrik, der immer wieder seine Unschuld beteuert. Nur seine Frau Nina hält noch felsenfest zu ihm.
Als der Prozess gegen Henrik endlich eröffnet wird, wird er freigesprochen. Doch der Makel ist damit nicht von ihm verschwunden. Er ist von seiner Umwelt als Pädophiler gebrandmarkt. Bei der Arbeit wird er gemobbt und Kindern darf er natürlich keinen Schwimmunterricht mehr geben. Die Nachbarn schneiden ihn und beschmieren sein Auto. Und selbst bei seiner Frau Nina tauchen allmählich nagende Zweifel auf. Ist ihr Ehemann wirklich so unschuldig, wie er immer wieder und wieder beteuert? Henrik steht vor dem absoluten Nichts und der vollkommen sozialen Isolation, an der er zu zerbrechen droht. Ein Gespräch zwischen Stine und Henrik wird endlich die Wahrheit ans Licht bringen.
Anklaget ist ein wichtiges und zugleich schmerzhaftes Werk. Der Film ist das bedrückende Psychogramm eines Menschen, den Einsamkeit und die Verurteilungen seiner Umwelt zunehmend zerstören. Jacob Thuesen gibt dem Zuschauer Gelegenheit zu überprüfen, wie er sich in der gleichen Situation gegenüber dem vermeintlichen Kinderschänder verhalten würde: den Gerüchten Glauben schenken oder den Unschuldsbeteuerungen des Familienvaters?
Der düstere, zutiefst intelligente und gut gemachte Film hätte es sicher verdient, einen deutschen Verleiher zu finden, der ihn ins Kino bringt. Doch das Thema Inzest - so ist zu vermuten - wird dies wohl leider verhindern.
Nach außen hin sind der Schwimmlehrer Henrik (Troels Lyby), die Sekretärin Nina (Sofie Grabol) und Tochter Stine (Kirstine Rosenkrands Mikkelsen) eine glückliche Kleinfamilie. Wenn es überhaupt mal Probleme gibt, dann werden diese meistens von der pubertierenden Stine verursacht, die sich zunehmend vor ihrer Familie verschließt. Doch eines Tages steht, anstatt der Tochter, die aus der Schule zurückkehren soll, die Polizei vor der Tür. Denn Stine hat mit der Schulpsychologin gesprochen und ihr ein Geständnis gemacht, dass die Familie augenblicklich zerstört. Stine behauptet, ihr Vater hätte sie vor einigen Jahren missbraucht. Sie wird sofort in ein Heim eingewiesen, ohne ihre Eltern noch einmal zu sehen. Die Behörden verhaften den vollkommen überraschten Henrik und bringen ihn ins Untersuchungsgefängnis, wo er bis zu seinem Prozess festgehalten wird. Die Nachricht vom angeblichen oder tatsächlichen Missbrauch macht sofort im Freundeskreis und in der Nachbarschaft die Runde. Mehr und mehr Freunde distanzieren sich vom verzweifelten Henrik, der immer wieder seine Unschuld beteuert. Nur seine Frau Nina hält noch felsenfest zu ihm.
Als der Prozess gegen Henrik endlich eröffnet wird, wird er freigesprochen. Doch der Makel ist damit nicht von ihm verschwunden. Er ist von seiner Umwelt als Pädophiler gebrandmarkt. Bei der Arbeit wird er gemobbt und Kindern darf er natürlich keinen Schwimmunterricht mehr geben. Die Nachbarn schneiden ihn und beschmieren sein Auto. Und selbst bei seiner Frau Nina tauchen allmählich nagende Zweifel auf. Ist ihr Ehemann wirklich so unschuldig, wie er immer wieder und wieder beteuert? Henrik steht vor dem absoluten Nichts und der vollkommen sozialen Isolation, an der er zu zerbrechen droht. Ein Gespräch zwischen Stine und Henrik wird endlich die Wahrheit ans Licht bringen.
Anklaget ist ein wichtiges und zugleich schmerzhaftes Werk. Der Film ist das bedrückende Psychogramm eines Menschen, den Einsamkeit und die Verurteilungen seiner Umwelt zunehmend zerstören. Jacob Thuesen gibt dem Zuschauer Gelegenheit zu überprüfen, wie er sich in der gleichen Situation gegenüber dem vermeintlichen Kinderschänder verhalten würde: den Gerüchten Glauben schenken oder den Unschuldsbeteuerungen des Familienvaters?
Der düstere, zutiefst intelligente und gut gemachte Film hätte es sicher verdient, einen deutschen Verleiher zu finden, der ihn ins Kino bringt. Doch das Thema Inzest - so ist zu vermuten - wird dies wohl leider verhindern.
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Anklaget - Angeklagt - Berlinale Wettbewerb 2005
Produktionsland:
Dänemark
Produktionsjahr:
2004
Länge:
103 (Min.)
VERÖFFENTLICHUNGEN
Kinostart:
01.01.2005
CAST & CREW
Regie:
Jacob Thuesen
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