11 18/02

Bullhead

Rundskop (Bullhead), so heißt das Langfilmdebüt des Belgiers Michael R. Roskam und dieser Name passt ganz wunderbar zur Hauptfigur Jacky Vanmarsenille (Matthias Schoenaerts). Jacky ist Rinderzüchter in Flandern und hat von klein auf gelernt, dass das Vieh mit der Hilfe bestimmter Mittelchen und Hormone schneller wächst und fetter wird. Deshalb lässt er sich auch auf einen illegalen Deal mit einem Fleischer ein, der ihn mit besonders funktionstüchtigen Hormonen versorgen will. Doch noch bevor Jacky richtig einsteigen kann, geht alles schief. Plötzlich taucht die Leiche eines Polizisten auf, der der Hormonmafia das Handwerk legen wollte und dessen Freund aus Kindertagen erscheint auf der Bildfläche. Bei Jacky holen diese Ereignisse holen ein traumatisches Geschehnis aus seiner Kindheit wieder ans Licht und ehe er sich versieht, nehmen die Dinge ihren tragischen Lauf.

Matthias Schoenaerts wächst bei seiner Verkörperung des bulligen Jacky mehr als über sich hinaus. Ähnlich wie Robert De Niro für Wie ein wilder Stier legte er ganze 27 Kilo Muskelmasse für diesen Film zu. Umso imposanter sind die Bilder, die zeigen wie Jacky nackt in seinem Bad auf und ab rennt, wie ein eingepferchtes Tier. Überhaupt ist er mehr Tier als Mann, noch bevor man ihn zum ersten Mal im Bild sieht, hört man sein Schnaufen. So recht viel mehr vermag er aber nicht zu machen, sein Charakter ist hochgradig sperrig und das macht es nicht leicht sich in Rundskop (Bullhead) hineinzufühlen. Die Geschichte rund um die mafiösen Verwicklungen ist ebenfalls nicht allzu interessant. Das liegt vor allem an den stereotypen, schlecht entwickelten Figuren, denen man das Mafiöse nicht abnimmt. Man wird den Eindruck nicht los, dass dieser Strang der Geschichte einfach nur uninspiriert vor sich hinplätschert. Viel faszinierender und bildgewaltiger kommen dagegen die Rückblenden in Jackys Kindheit daher, die Stück für Stück das tragische Schicksal der Hauptfigur aufdecken und ein definitiv erschreckender Höhepunkt des gesamten Filmes sind.

Doch nach diesem einen Höhepunkt ist leider auch schon wieder Schluss. Der Film verfährt sich im letzten Drittel dann gänzlich in eine nicht mehr endend wollende Tirade, die sich vor allem im unerschöpflichen Hass der Flamen gegen die Wallonen und andersherum ausdrückt. Hinzu kommt noch die Darstellungen von Frauen als reiche Schlampen, der abwertende, klischeehafte Umgang mit Schwulen und die Brutalität, die schließlich völlig außer Rand und Band gerät. Das ist alles plakativ und dümmlich und spätestens hier verloren viele Zuschauer bei der Berlinale gänzlich die Geduld und verließen den Saal.

Einzig die Kinematografie des Films ist eine Augenweide. Die Ästhetik der Bilder schafft eine herrlich dunkle und bedrohliche Atmosphäre, die sogar die Kühe und das Gras gefährlich wirken lassen. Doch auch das tröstet nicht über den Rest hinweg.

(Beatrice Behn)

Fotos © Nicolas Karakatsanis

Partner

  • Deutsche Film- und Medienbewertung
  • Arthaus Filme
  • Filmförderung Baden-Württemberg
  • Filmfest München