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14 28/07

"Das ist schon Rock`n`Roll" - Wim Wenders beim 8. Fünf Seen Filmfestival

Wehendes Haar, runde Brille, verschmitzte Stimme - Wim Wenders hat seine ganz eigene Art sich und seine Arbeit zu präsentieren. Zurückhaltend, irgendwie lustig und ein bisschen das Gefühl vermittelnd, dass er am liebsten sofort zurück an den Schneidetisch möchte. (Was beim besten Willen keine Kritik ist!) Für jemanden, der seine Arbeit liebt - und das tut er gewiss - ist es irgendwie nett und natürlich, keine absolute Rampensau zu sein.

(Wim Wenders, Copyright: Lisa Hedler)

Aber ohne Witz: Der ganze Mensch ist auch so einfach Rock'n'Roll - auch wenn er mit obigem Satz nur Werbung für das Konzert seiner Band Infamis auf dem 8. Fünf Seen Filmfestival machen wollte. Denn Wim Wenders ist nicht nur Filmemacher, er hat auch sein eigenes Label: Wenders Music. Der Grund für die Entstehung war (wie bei hoffentlich allen Labels!) die Liebe zur Musik. Niemand wollte den Soundtrack zu Pina verlegen. Also schnell den Entschluss gefasst und ein eigenes Label ins Leben gerufen. Als Wenders dann auf Umwegen von der Band erfuhr, lernte er ihre Musik schnell zu schätzen. Sein Label war bereits gegründet, nur hatte Wenders noch keine Musiker unter Vertrag. Es war quasi Schicksal. Denn warum nicht mit 65 Jahren noch einmal Musikproduzent werden und eine Platte herausbringen? Richtig gut.

Mit der Ankündigung der Band weckt Wenders hohe Erwartungen. Er nennt Infamis in einem Atemzug mit Lou Reed und Leonard Cohen oder bezeichnet sie auch gerne als "Rilke auf Acid". Warum, wird während des Konzerts schnell deutlich. Die Musik charakterisiert sich durch tiefe Stimmen, Country-Einflüsse und deutsche Texte - Cowboys, die gerne schwarz tragen. Rock'n'Roll halt. Die Texte versteht man nicht allzu gut. Aber kein Drama. Beim ersten Eindruck zählt für mich Melodie und Stimmklang und die tiefe Stimme des Sängers René Schwettge kann überzeugen. Doch mein Herz haben sie vollends gewonnen, als Konzertina, Melodika und Banjo hervorgezaubert wurden, hach.


(Infamis, Copyright des Bildes: Lisa Hedler)

Allzu populär ist die Band zwar noch nicht, aber vielleicht ändert sich das (zumindest in Bayern?) durch die Auftritte auf dem Fünf Seen Filmfestival. Das Festival ehrt Wenders dieses Jahr mit einer Retrospektive und da hat er die Band direkt mitgebracht. Neben der Präsentation der Genannten werden dabei allerlei Filme des Regisseurs (es widerstrebt mir schon fast "Regisseur" zu schreiben - er macht soviel mehr!) gezeigt. Sei es Der Himmel über Berlin, Paris, Texas oder auch seine neueste Kooperation mit Juliano Ribeiro Salgado Das Salz der Erde, der am meisten Aufsehen erregt. Nicht nur, weil er von Wenders persönlich präsentiert wird, sondern auch, weil er erst im Oktober in den deutschen Kinos anläuft. Dadurch haben die Kinobesucher die Chance, den in Cannes zelebrierten Film bereits vorab sehen zu dürfen.


(Clip aus Das Salz der Erde)

Der biografische Dokumentarfilm über den Fotografen (und Vater des Co-Regisseurs) Sebastião Salgado begeistert, wirkt nach und macht nachdenklich. Er zeigt das Leben und die Arbeit eines Reisenden. Er zeigt einen Menschen, dem es gelungen ist, Arbeit anders zu definieren. Salgado hat ein heutzutage unkonventionelles Verhältnis zur (Arbeits-)Zeit. Für ihn ist die Fotografie eine Passion, sein Lebenswerk. In jedes sozial-dokumentarische Foto-Projekt investiert er viele Jahre seines Lebens - häufig fast ein gesamtes Jahrzehnt. Er lebt mit den Menschen zusammen, lernt sie kennen und sie lernen, ihn zu akzeptieren. Nur so können diese eindrücklichen Bilder entstehen, die auch Wim Wenders nachhaltig beeindruckt haben.

Vielfalt, Zeit und Hingabe kennzeichnen auch die Arbeit von Wim Wenders. Letzterer kann auf dem Festival schließlich mehreren seiner Passionen frönen: Musik und Film und der im Film inhärenten Fotografie. In diverse Richtungen euphorisch interessiert, hat er schon früh viel ausprobiert. Er wollte malen, Musik machen, schreiben und Architekt werden - viele schöne Dinge,  da ist es schwer, sich zu entscheiden. Doch dann hat Wenders einen fantastischen Fund gemacht. Er hat den Beruf gefunden, in dem es möglich ist, viele seiner Leidenschaften zu vereinen: Den Beruf des Filmemachers.

(Lisa Hedler)