In memoria di me
Originaltitel:
In Memory Of Myself
Kinostart:
01.01.2007
Leserbewertung:
Noch nicht genügend Bewertungen
Berlinale Wettbewerb
An einem kühlen Herbsttag betritt der junge Andrea (Christo Jivkov) erstmals das Kloster, in dem er sich zum Priester ausbilden lassen will. Für ihn ist der Weg zum Priesteramt auch eine willkommene Chance seiner Sinn- und Lebenskrise zu entfliehen. Mit nur einem einzigen Schritt verlässt er seine gewohnte Umgebung und begibt sich in eine Welt, in der Entbehrung, Disziplin, Meditation, Isolation und das Schweigen regieren. Doch schon bald plagen Andrea erste Zweifel an seiner Berufung zum Priesteramt, ist die Atmosphäre im Kloster nicht die, die er sich vorgestellt hat. Die Gemeinschaft aus Priestern, Mönchen und Novizen ist ein eigenes, wenn auch kleines Universum, in dem eine nahezu perfekte Überwachung des Individuums praktiziert wird. Die Novizen sind angehalten jede auch noch so kleine Verfehlung innerhalb des strikten Tageablaufs aus Gebeten, Unterricht und christlichen Ritualen sofort der Obrigkeit zu melden. Trotz der Unterstützung durch seinen Mentor, den Abt (André Hennicke), versagt Andrea bei der Glaubensprüfung. Er beschließt das Kloster zu verlassen, doch das erweist sich als bedeutend schwerer als gedacht.
Schon mit Private, der 2004 den Goldenen Leoparden auf dem Filmfestival von Locarno gewinnen konnte, erschuf Regisseur Saverio Costanzo einen Film der in einem eng geschlossenen Raum spielte, in dem intellektuelle Freiheit und Gehorsam gegenüber den Autoritäten in den Mittelpunkt der Betrachtung rückten. War es in Private noch eine palästinensische Familie, die eine Besetzung ihres Hauses durch israelische Soldaten erleiden musste, beleuchtet Costanzo nun eine ähnliche Konstellation, basierend auf der Novelle Il gesuita perfetto (Der perfekte Jesuit) von Furio Monicelli, aus einer anderen Perspektive. "Das Kloster ist eine geschlossene Gemeinschaft, eine Metapher auf die Welt, in der sich die Dynamik der macht und des Wettbewerbs wiederholen", so Costanzo. "Niemand muss bleiben, aber es bedarf viel Mut, um zu fliehen."
In manchen Passagen erinnert Costanzos Film an den deutschen Dokumentarfilm Die große Stille, auch hier ist es der Blick für Details und die Macht der Stille, die die Bilder und Töne des Films beherrschen. Beindruckend ist vor allem der deutsche Schauspieler André Hennicke, der mit seinem markant-eingefallenene Gesicht genau die richtige Besetzung für die Rolle des Pater Superior ist. Ansonsten aber herrscht viel bedröppelter und weinerlicher Weltschmerz vor, und wirklich fesseln kann das schwermütige Drama nicht, zumal die beinahe schon manische Auseinandersetzung der Italiener mit dem Katholizismus beinahe schon etwas Gebetsmühlenartiges hat. Immerhin aber liefert In memoria di me in seinen guten Momenten ansehnliches Augenfutter, was man bislang beliebe nicht von jedem Film behaupten kann. Manchmal ist man eben schon mit ziemlich wenig zufrieden.
(Joachim Kurz)
Schon mit Private, der 2004 den Goldenen Leoparden auf dem Filmfestival von Locarno gewinnen konnte, erschuf Regisseur Saverio Costanzo einen Film der in einem eng geschlossenen Raum spielte, in dem intellektuelle Freiheit und Gehorsam gegenüber den Autoritäten in den Mittelpunkt der Betrachtung rückten. War es in Private noch eine palästinensische Familie, die eine Besetzung ihres Hauses durch israelische Soldaten erleiden musste, beleuchtet Costanzo nun eine ähnliche Konstellation, basierend auf der Novelle Il gesuita perfetto (Der perfekte Jesuit) von Furio Monicelli, aus einer anderen Perspektive. "Das Kloster ist eine geschlossene Gemeinschaft, eine Metapher auf die Welt, in der sich die Dynamik der macht und des Wettbewerbs wiederholen", so Costanzo. "Niemand muss bleiben, aber es bedarf viel Mut, um zu fliehen."
In manchen Passagen erinnert Costanzos Film an den deutschen Dokumentarfilm Die große Stille, auch hier ist es der Blick für Details und die Macht der Stille, die die Bilder und Töne des Films beherrschen. Beindruckend ist vor allem der deutsche Schauspieler André Hennicke, der mit seinem markant-eingefallenene Gesicht genau die richtige Besetzung für die Rolle des Pater Superior ist. Ansonsten aber herrscht viel bedröppelter und weinerlicher Weltschmerz vor, und wirklich fesseln kann das schwermütige Drama nicht, zumal die beinahe schon manische Auseinandersetzung der Italiener mit dem Katholizismus beinahe schon etwas Gebetsmühlenartiges hat. Immerhin aber liefert In memoria di me in seinen guten Momenten ansehnliches Augenfutter, was man bislang beliebe nicht von jedem Film behaupten kann. Manchmal ist man eben schon mit ziemlich wenig zufrieden.
(Joachim Kurz)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
In memoria di me
Originaltitel:
In Memory Of Myself
Produktionsland:
Italien
Produktionsjahr:
2007
Länge:
118 (Min.)
VERÖFFENTLICHUNGEN
Kinostart:
01.01.2007
CAST & CREW
Regie:
Saverio Costanzo
Hauptdarsteller:
Marco Baliani, André Hennicke, Christo Jivkov, Filippo Timi, Fausto Russo Alesi
FILMBEWERTUNG
Klicken Sie auf einen Stern, um Ihre Bewertung abzugeben.
MEINUNGEN
Ihre Meinung zu diesem Film (Felder mit * müssen ausgefüllt sein)
Artikel zum Thema
El Camino de los Ingleses
Deserto Feliz
Angel
Berlinale 2007: Goldener Bär für "Tuyas Ehe"
Lost in Beijing
Die Herzogin von Langeais
The Desert Dream
Bordertown
300
Beaufort
No Regret
Berlinale 2007: Goldener Bär für Kurzfilm "Raak"
Berlinale 2007 - Alle Filmkritiken im Überblick
The Walker
El otro
Getting Home
Les Témoins
When A Man Falls In The Forest
Haebyuneui Yoein
Tagebuch eines Skandals
Letters From Iwo Jima
Goodbye Bafana
"Wasserschlacht " gewinnt Berlin Today Award
Eye in the Sky
O ano em que meus pais saíram de férias
Szabadság, szerelem
Die Fälscher
The Good German
Ad Lib Night
La Vie en Rose
Berlinale 2007: Kulturstaatsminister Neumann betont Bedeutung des Filmfestivals
Berlinale 2007: "Lost in Beijing" darf doch gezeigt werden
Vorschau auf die 57. Berlinale
Berlinale 2007: Sieben junge Filmfans vergeben Jurypreis "Dialogue en perspective"
Der Gute Hirte
Berlinale 2007: Filmmarkt wächst weiter
Berlinale 2007: Berlinale Kamera für Márta Mészáros
Berlinale 2007: 50.000 Euro für den Erstlings-Bär
Berlinale 2007: Panorama eröffnet mit "The Tracey Fragments"
Berlinale Keynotes: Neues Format bei der Berlinale
Berlinale angelt sich weiteren Hauptsponsor
Berlinale: Programm der Perspektive Deutsches Kino komplett
"Berlin Alexanderplatz" bei der Berlinale 2007
Berlinale 2007: Wettbsprogramm fast vollständig
Prominente Jury bei der Berlinale 2007
22. Panorama der Berlinale gibt erste Filme bekannt
Berlinale eröffnet mit "La Vie En Rose"
Berlinale: Christian Petzolds "Yella" im Wettbewerb
Berlinale: Internet-Filme halten Einzug
Berlinale gibt erste Titel für Sektion "Perspektive Deutsches Kino" bekannt
Berlinale 2007: Meisterwerke von Okamoto Kihachi im Forum
Berlinale 2007: Goldener Ehrenbär für Arthur Penn
Berlin Today Award eröffnet Berlinale Talent Campus 2007
Mitglieder für Berlinale-Jury gesucht








