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14 07/05

Die größte Geschichte aller Zeiten – die kino-zeit.de-Kolumne

Als ich noch klein war, habe ich - aus mir heute unerfindlichen Gründen - total gern Bibelverfilmungen geschaut. Ich vermute, meine Faszination kam daher, dass ich völlig religiös unbe(f)leckt im Sozialismus aufgewachsen bin und die Bibelgeschichten sowohl damals als auch noch heute eben als Geschichten betrachte, die einfach ein herrliches, wenn auch meist sehr eigenartiges Material für Fantasy-Schinken in Überlänge hergeben.

(Charlton Heston als Moses in Cecil B. DeMilles Die zehn Gebote, Copyright: Paramount Pictures)

Am tollsten fand ich die ganzen Verfilmungen von Cecil B. DeMille, allen voran Die 10 Gebote (USA, 1956) - eine Geschichte, die DeMille sehr fasziniert haben muss, da er sie gleich zwei Mal verfilmte. Charlton Heston in einer roten Gardine (dachte ich zumindest immer als Kind und hab dann auch versucht, mich in unsere rot-braune Gardine einzurollen; Mutter war begeistert) und mit einem unfassbaren Zottelbart hat Halluzinationen, hört Stimmen und läuft ewig durch die Wüste, nur um dann das Meer zu teilen. Und später noch ein goldenes Kalb und eine Orgie. Fantastisch! Was für ein Genre-Mix: Fantasy, Romance, Komödie, Sex und Liebe, (Melo-)Drama, Apokalypse, Science-Fiction - alles dabei. Was für eine epische Erzählung. Wobei "episch" hier vor allem meint: unfassbar lang. Allein der offizielle Trailer zum Film geht zehn Minuten, erklärt aber auch gleich nebenbei die ganze Moses-Geschichte und nennt absolut jeden Namen jedes Schauspielers, der zu sehen ist.

Genial auch DeMilles Verfilmung von Samson und Delilah (USA, 1949) mit der besten Sterbeszene, die man je gesehen hat. Eigentlich ist Samsons Geschichte ja vor allem eine Warnung, dass man den Weibern nicht trauen kann, weil die die Klappe nicht halten können. Deswegen wird mit denen hier auch ganz "liebevoll" umgesprungen. So wie mit Semadar, Samsons erster Frau gespielt von Angela Lansbury (ja, das ist DIE Angela Lansbury, die später die Hauptrolle in Mord ist ihr Hobby übernahm), die jung, schön und langhaarig ist und den wohl gelangweiltesten Tod der Filmgeschichte mimen darf. Aufgespießt durch einen Speer steht sie weiter in der Ecke, bis Samson in vollster Homoerotik große Steine und Speere auf andere Männer wirft, dabei schwitzt, flucht und umwerfend aussieht.

So konnte ich also auch nicht umhin, mir Noah in wasserfestem und etwas sinnlosem 3D anzusehen. Eine schwierige Aufgabe, ausgerechnet diesen Teil der Bibel zu verfilmen, immerhin ist er einer der wenigen, die sich inhaltlich quasi in einem Satz zusammenfassen lassen: Noah hat Visionen einer Apokalypse und wird vom Schöpfer auserkoren eine große Arche zu bauen, um alle Tiere vor der Katastrophe zu retten. (Eine Nebenfrage: Wieso bitte hat Noah die Mücken, die wohl sinnlosesten und nervigsten Tiere der Erde, mit reingelassen?). So richtig viel Inhalt ist das nicht, aber das macht gar nichts, denn Darren Aronofsky hat etwas Geniales getan. Er hat die Geschichte ein wenig aufgepimpt und (SPOILER!) ein paar prähistorische Transformers an Noahs Seite gestellt und damit die Science-Fiction-Fantasy-Bibel-Achse weiter gefestigt. Interessant übrigens, dass diese Special Effects Monster gänzlich aus dem Trailer herausgeschnitten sind und den Film so ganz traditionell aussehen lassen.

Irgendwie hoffe ich ja, dass jetzt noch mehr Bibel-Revivals kommen, die den Stoff mal ordentlich aufarbeiten und anpassen. Da ist viel rauszuholen. Ich will einen Die Heiligen Drei Könige-Roadmovie als Mischung aus Easy Rider und Hangover. Die heiligen Drei Könige cruisen durch Amerika, immer auf der Suche nach einem heiligen Baby, dass einer von ihnen auf einem LSD-Trip in einer Vision gesehen hat. Auch interessant: Sodom und Gomorrah in überstilisiertem schwarz/weiß von Zack Snyder. Also quasi Orgien in Zeitlupe! Oder David gegen Goliath von Michael Bay. Wobei Goliath ein Cyborg ist, der die ganze Erde bedroht und früher einmal Davids Geliebter war, doch durch illegale Militärexperimente mit Atomstrom mutiert ist und selbst von Charles Xavier nicht auf die Seite des Guten geholt werden konnte.

Das wäre wohl die größte und knalligste Bibelverfilmung aller Zeiten.

(Beatrice Behn)