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16 17/03

Der Weltenbauer - Eine Hommage an Ken Adam

"No design is worth doing if you just reproduce reality."

Wenn man den Erfolg eines Architekten daran messen würde, wie viele Menschen die von ihm entworfenen Räume kennen oder vielleicht sogar schon besucht haben, dann wären die Schöpfungen von Ken Adam dazu angetan, ihren Urheber in einer Rangliste der einflussreichsten Baumeister ziemlich weit nach oben zu katapultieren. Einen Haken hätte das Ranking wahrscheinlich und der würde womöglich eine ganze Heerschar von Anwälten auf den Plan rufen, die die Platzierung von Adam mit allen juristischen Mitteln anfechten würden: Die Räume, um die es hier geht, existieren mittlerweile nur noch auf Papier und Film, nicht aber in der so genannten Realität.


(Ken Adam, Anfang der 1970er Jahre; Copyright: Deutsche Kinemathek – Ken Adam Archiv)

Ken Adam, der vergangene Woche am 10. März 2016 im Alter von 95 Jahren starb, wurde am 5. Februar 1921 in Berlin unter dem Namen Klaus Hugo Adam geboren. Seine Eltern Lilli und Fritz Adam waren gemeinsam mit den Brüdern Georg, Siegfried und Otto Adam Eigentümer des Sportmodegeschäftes S. Adam in Berlin, das 1862 von Saul David Adam gegründet worden war und über weitere Filialen in Berlin, Hamburg und Chemnitz verfügte. Ein durchaus großbürgerliches Leben also, das Einladungen zur nachmittäglichen Zusammenkunft im Hotel Adlon ebenso umfasste wie Pläne für einen Neubau des Geschäftes, mit dem niemand Geringeres als Mies van der Rohe beauftragt wurde. Doch damit sollte bald Schluss sein: 1934 emigrierte die Familie aufgrund ihrer jüdischen Herkunft gemeinsam mit Klaus und dessen Geschwistern Dieter, Loni und Peter nach London. Die dort von der Mutter eröffnete Pension wurde bald zum Sammelpunkt emigrierter Ärzte, Schauspieler und Musiker.

Nach dem Abschluss der Schule studierte Ken, wie sich Klaus nannte, Architektur an der Bartlett School of Architecture am University College in London und arbeitete bereits während des Studiums in einem Architekturbüro, so dass der weitere Lebensweg eigentlich vorgezeichnet schien. Dann aber kam der Zweite Weltkrieg und brachte den jungen Mann in eine Zwickmühle: Einerseits drohte der Familie, die immer noch die deutsche Staatsangehörigkeit besaß, die Internierung als feindliche Ausländer, andererseits bestand an der Haltung der Adams gegen Hitler-Deutschland kein Zweifel, so dass sich Ken entschloss, sich als Freiwilliger der britischen Luftwaffe anzuschließen. Später sollte er sogar als Jagdflieger an Einsätzen teilnehmen, diese, so bekannte er später, richteten sich "gegen die Nazis und Hitler, nicht aber gegen Deutschland". Er war übrigens der einzige Kampfpilot der Royal Airforce mit deutschem Pass.


(Ken Adam im Interview)

Die Gefahren, denen er im Krieg ausgesetzt war, sollten ihren Niederschlag finden in einer Vorliebe für schnelle Autos, verschiedenste Fluggeräte, Waffen und überhaupt jeglichen Nervenkitzel – Leidenschaften, denen er ab 1962, als er das Production Design des ersten James Bond Filmes Dr. No (Regie: Terence Young) entwarf, ausführlich frönen konnte. Später folgten dann weitere Filme aus der Reihe: Goldfinger (1964), Man lebt nur zweimal (1967), Diamantenfieber (1971), Der Spion, der mich liebte (1977) und Moonraker (1979).


(Entwurf für Goldfinger; Copyright: Deutsche Kinemathek – Ken Adam Archiv)

Ken Adam gilt vor allem als Mastermind hinter etlichen 007-Abenteuern, Gimmicks wie der schwerbewaffnete Aston Martin sind ebenso seine Kreationen wie die diversen Trutzburgen der Bösewichte, denen er sich mit besonderer Hingabe widmete. Doch auch vor historischem Ausstattungsdesign schreckte er nicht zurück: Der Sandalenfilm Sodom und Gomorrha (1962) gehört ebenso zu der Liste seiner Filme wie Der rote Korsar (1952), Ben Hur (1959), In 80 Tagen um die Welt (1958), Tschitti Tschitti Bäng Bäng (1968) oder Stanley Kubricks Barry Lyndon (1975).


(Entwurf für Tschitti Tschitti Bäng Bäng; Copyright: Deutsche Kinemathek – Ken Adam Archiv)

Insgesamt umfasst Ken Adams Filmographie je nach Lesart zwischen 47 (teils als Production Designer, teils als Mitwirkender des Art Department geführt) und 53 Filmen (bei einigen wie etwa Star Trek: Der Film oder Der letzte Kaiser wirkte er nur in der Phase der Vorproduktion mit). Ikonisch sind aber vor allem seine Kreationen, die er für Stanley Kubricks Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben oder die diversen Abenteuer des Geheimagenten im Dienste Ihrer Majestät ablieferte. Sie werden, auch wenn sie aus der Realität längst verschwunden sind, Bestand haben für die Ewigkeit.


(Entwurf "War Room" für Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben; Copyright: Deutsche Kinemathek – Ken Adam Archiv)

Wir sagen: Thank you, Sir!

(Joachim Kurz)