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Khumba – Das Zebra ohne Streifen am Popo (Blu-ray)

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3 Sterne aus 1 Bewertungen

Originaltitel: Khumba
DVD-Start: 23.10.2014
FSK: 6
Genre: Animationsfilm, Familienfilm
Tags: Afrika, Zebra, Ausschluss, Freunde, Andersartigkeit, Akzeptanz, Toronto 2013

Nicht genug eigene Streifen

"Abattoir", französisch ausgesprochen, das klingt fast schon romantisch, ein Sehnsuchtsort für den lispelnden Vogel Strauß namens Bradley, denn alle seine Freunde auf der Straußenfarm haben früher oder später die Reise dorthin antreten dürfen... "Das bedeutet Schlachthof", klärt ihn seine Freundin und Beschützerin, die Gnu-Dame Mama Vie trocken auf, aber Bradley hört gar nicht richtig hin.

Die beiden sind die hilfreichen Gefährten des kleinen Zebras Khumba, zugleich natürlich cinematographische Stereotypen, die witzigen Sidekicks, "Comic Reliefs", die zum Beispiel praktisch jeder Disney-Film kennt. Und damit ist schon der Kern des Problems beschrieben, das der südafrikanische Animationsfilm Khumba – Das Zebra ohne Streifen am Popo mit sich herumträgt: Alles so brav bekannt hier. Nicht schlecht, auch nicht wirklich langweilig, aber eben ohne ganz eigene Handschrift.

Vielleicht mit einer Ausnahme: Frieden auf Erden herrscht hier nicht. Menschen treten in der afrikanischen Steppe des Films nur einmal auf, verborgen in Geländewagen, Wesen ohne Körper, nur sichtbar durch ihre Kameraobjektive und Gewehrläufe, aus denen Betäubungspfeile schießen. (Tote gibt es, da ist Khumba familienfreundlich bis zur Selbstverleugnung, im ganzen Film nie, auch nicht durch die Krallen des Leoparden Phango, dem bösartigen Antagonisten der Geschichte.)

Khumba jedenfalls ist ein kleines Zebra bzw. "nur ein halbes Zebra", wie ihn die anderen Heranwachsenden seines Rudels hänseln, denn ihm fehlen hinten die Streifen. Der ganze Clan neigt zu Angst und Aberglauben – sie haben sich hinter einer hohen Dornenwand vor der Außenwelt verbarrikadiert, in der Mitte ein Wasserloch. Mit Khumbas Geburt beginnt eine trostlose Dürre, und so wird das nur halb gestreifte Kind bald als Ursache für die Trockenheit ausgemacht. Khumba geht aber dann selbst, als seine schon lange kranke Mutter stirbt, nachdem sie ihm von dem magischen Wasserloch erzählt hat, in dem die früher ganz weißen Zebras einst ihre Streifen bekamen; und dort will auch Khumba endlich ganz Zebra werden.

Die Reise führt ihn dann rasch mit dem exaltierten Bradley und der bodenständigen Mama Vie zusammen, es kommen bald noch weitere Außenseiter und Einzelgänger hinzu. Selbst Phango ist in dieser Welt ein Solitär, ein Außenseiter, auf einem Auge blind und gerade deshalb ein besonders guter Jäger – nur entwickelt er daraus mörderischen Egoismus, während alle anderen sich in ihrem Leben einrichten – da ruft ein Steppenhase, Exemplar einer vom Aussterben bedrohten Art, schon mal gerne: „Gefährdete Art, Weg freimachen!“. (Dass das Töten in Phangos Natur liegen könnte, wird nicht wirklich thematisiert, aber Fleischfressen als natürliche Ernährungsweise ist ja im humorigen Tier-Animationsfilm immer wieder ein stillgeschwiegenes Problem.)

Das ist, von peinlichen Wüstenhunden bis zum leicht irre-zerstreuten Zebra, alles ganz unterhaltsam und natürlich erhebend (man darf verraten: am Ende regnet es). Aber Khumba enthält halt allzu viele Elemente, die man von Der König der Löwen bis Madagascar schon so einige Male gesehen hat. Regisseur Anthony Silverston war vorher schon an dem im Grunde sehr ähnlich gestrickten Zambezia - In jedem steckt ein kleiner Held! beteiligt (das ebenfalls aus dem Hause Triggerfish Animation stammt); wie Zambezia ist auch Khumba mit Freude am Detail gemacht, auch schön anzusehen und konsequent einer ästhetischen Linie folgend. Allerdings setzt sich der Film eben nicht konsequent von dem ab, was Disney, Dreamworks und Co. so vorlegen: Khumba ahmt die amerikanischen Erfolgsmodelle nach und gibt dem Tier nur auf der einen Hälfte ein paar eigene Streifen.

(Rochus Wolff)

Daten & Fakten

Produktionsland: Südafrika
Produktionsjahr: 2013
Länge: 86 (Min.)
Erschienen bei: EuroVideo Medien GmbH
Bildformat: 2.40:1 (16:9)
Ton/Sprache: Deutsch (DTS-HD 5.1), Englisch (DTS-HD 5.1)
DVD-Start: 23.10.2014
Extras: Featurettes, Trailershow, Fotos

Cast & Crew

Regie: Anthony Silverston
Drehbuch: Raffaella Delle Donne, Anthony Silverston, Jonathan Roberts
Kamera: Chris Cunnington
Schnitt: Luke Mackay
Musik: Bruce Retief
Hauptdarsteller: Liam Neeson, Steve Buscemi, Laurence Fishburne, AnnaSophia Robb, Jake T. Austin

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