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Geschichte einer Liebe - Freya

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3.0 Sterne aus 2 Bewertungen

Kinostart: 06.04.2017
FSK: o.Al.
Genre: Dokumentarfilm
Tags: Liebe, Widerstand, Nazis, Briefwechsel

Ein beeindruckendes Leben

Freya Gräfin von Moltke hatte ein langes Leben: Sie ist fast 100 Jahre alt geworden und hat in all diesen Jahren mit einem klaren Blick auf die Welt geschaut. Das wird in den Interviews von 2001 mit der 90-Jährigen deutlich, die nun in einem poetisch montierten Dokumentarfilm in die Kinos kommen. Der Film von Antje Starost und Hans Helmut Grotjahn ist das Portrait einer beeindruckenden Frau und die Geschichte einer tiefen und voll bewussten Liebe, die mit Hilfe des Briefwechsels zwischen Freya und Helmuth von Moltke erzählt wird.

Freya geb. Deichmann hat Helmuth von Moltke 1929 in Österreich kennen gelernt und ihren Beschreibungen nach war es Liebe auf den ersten Blick. Sie haben sich besucht, sich immer wieder Briefe geschrieben, schließlich geheiratet und eine Familie gegründet. Sie bekamen zwei Söhne zusammen und lebten auf dem familiären Gut in Kreisau, einem kleinen Dorf in Schlesien. Als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, wurde das Leben der von Moltkes, beides engagierte Juristen und Mitglieder des sogenannten Kreisauer Kreises, auf eine harte Probe gestellt. Ihr Widerstand war ein menschlicher, aber leiser Widerstand, er habe sich „bemüht, seine Folgen für seine Opfer zu mildern und einer Wandlung den Weg zu bereiten“, so von Moltke in einem Brief an seine beiden Söhne.

Mehr als 1.600 Briefe haben sich Freya und Helmuth von Moltke zwischen Juli 1929 und Januar 1945 geschickt, darin über ihre Gefühle und Gedanken, aber auch über den Alltag im Nazi-Deutschland, die politische und gesellschaftliche Situation geschrieben, weshalb die Briefe einmalige Zeitzeugnisse darstellen. Die sehr persönlichen Schriftstücke bestechen durch eine außergewöhnliche Poesie, die durch die Vertonung von Nina Hoss und Ulrich Matthes ihre Entsprechung findet. Die Worte sind so stark, dass sie keine Bebilderung brauchen, und so lassen die Regisseure die Kamera durch leere Räume oder Landschaften schweifen und richten die Aufmerksamkeit vor allem auf die vorgelesenen Auszüge der Briefe. Gefühlvoller kann man einen Briefwechsel nicht in Szene setzen.

1944 wurde Helmuth von Moltke dann verhaftet; doch über den Gefängnispfarrer gelang es den beiden, sich weiterhin täglich Briefe zu schreiben und sich über ihre geschriebenen Worte nahe zu sein. Die Ahnung vom nahenden Tod und die Klarheit über die eigene Situation sind die spannendsten Momente im Film – selten war man gedanklich so nah dran am Ende eines Lebens. Im Alter von 37 Jahren wurde Helmuth im Januar 1945 – vier Monate vor Ende des Zweiten Weltkrieges – hingerichtet.

Doch der Film erzählt auch von Freyas Leben nach Helmuths Tod: Sie flüchtete aus Deutschland und lebte mit ihren Kindern zunächst in Südafrika, bevor sie den Soziologen und Kulturphilosophen Eugen Rosenstock-Huessy heiratete und zu ihm in die USA auswanderte. Dort, in Norwich in Vermont, haben Antje Starost und Hans Helmut Grotjahn 2001 auch die Interviews mit der damals 90-jährigen Freya geführt: eine auch mit 90 Jahren noch immer agile Frau, die mit ihren scharfsinnigen Gedanken und immer auch humorvollen Erzählungen verblüfft.

Der Dokumentarfilm ist ein Kunstwerk, weil er sich an den stimmungsvollen Briefen von Freya und Helmuth von Moltke orientiert und einen berührenden Film aus den gelesenen Schriften, den Interviewaufnahmen, alten Fotos und aktuellen Filmbildern aus Kreisau oder Norwich sowie einfachen, klaren und harmonischen Musikstücken arrangiert. Hier ist nichts zu viel eingesetzt, wird kein Kanal überbeansprucht, sondern die Harmonie stimmt. Ein toller Film, eine imponierende Frau, ein beeindruckendes Leben, eine wunderschöne Liebe.

(Verena Schmöller)

Daten & Fakten

Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2016
Länge: 87 (Min.)
Verleih: Barnsteiner Film
Kinostart: 06.04.2017

Cast & Crew

Regie: Antje Starost, Hans Helmut Grotjahn
Drehbuch: Antje Starost, Hans Helmut Grotjahn
Kamera: Hans Helmut Grotjahn
Schnitt: Anne Berrini
Musik: Büdi Siebert

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