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Daniel Hope - Der Klang des Lebens

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3.3 Sterne aus 21 Bewertungen

Kinostart: 19.10.2017
FSK: o.Al.
Genre: Dokumentarfilm
Tags: Flucht, Konzert, Geiger

Ein Leben in Geigenstrichen

Er lernte bei Yehudi Menuhin und spielte an der Seite Menahem Presslers im Beaux Art Trio. Heute ist Daniel Hope einer der bedeutendsten Geiger seiner Generation. Regisseur Nahuel Lopez hat den gebürtigen Südafrikaner auf der Suche nach seinen familiären Wurzeln begleitet und dabei auch seine musikalischen ausgegraben.

Folgte man dem Untertitel dieses Dokumentarfilms, Daniel Hopes Leben müsste ein zutiefst trauriges sein. Denn die Stücke, die der Virtuose auf seiner Violine streicht – von Felix Mendelssohn Bartholdy über Frédéric Chopin bis Maurice Ravel – sind allesamt in melancholischem Moll verfasst. Der Interpret hingegen gibt sich zwar betont nachdenklich, aber auch stets gut gelaunt. Zu seiner Familiengeschichte, durch zweifache Flucht geprägt, passt die Musik wiederum ganz wunderbar.

Regisseur Nahuel Lopez, selbst Sohn eines Exilanten, begleitet Daniel Hope auf Ahnenreise. Sie beginnt in Berlin am Grab seines Ururgroßvaters Julius Valentin, dessen Nachkommen vor den Nationalsozialisten nach Südafrika flohen. Hopes Eltern wiederum verließen unter dem Apartheidregime das Land in Richtung Großbritannien, weil Vater Christopher als kritischer Verleger unter Repressalien litt. Wie es der Zufall wollte, landete Mutter Eleanor auf der Insel als Sekretärin bei Jahrhundertgeiger Yehudi Menuhin, der Daniels musikalischen Werdegang nachhaltig beeinflusste. Beim Vorstellungsgespräch soll Menuhin Eleanor Hope seinerzeit lediglich gefragt haben, ob sie den Unterschied zwischen Beethoven und Bach kenne. Vom kleinen Daniel war er lange Zeit nicht überzeugt. Auch das erzählt Nahuel Lopez: wie man es mit Talent und Ehrgeiz zu etwas bringt, ohne ein Wunderkind zu sein.

Daniel Hopes Beschäftigung mit seiner Familiengeschichte ist ein großes Glück. Statt wie in so vielen anderen Dokumentarfilmen die Vergangenheit mühsam aus Archivmaterial zu rekonstruieren, ersteht sie in den lebendigen, beinahe druckreifen Sätzen wieder auf, die der Protagonist im Gespräch mit alten Weggefährten formuliert. Nahuel Lopez' virtuoser Umgang damit hebt Daniel Hope – Der Klang des Lebens in großen Teilen über klassische Künstlerporträts hinaus. Denn Lopez lässt seine Interviewpartner nicht alles verraten, schneidet elegant zwischen ihnen hin und her, baut geschickt Spannung auf und vollendet deren Aussagen schließlich visuell. An einer Stelle etwa beschreibt der Ort, an den Daniel Hope fliegt, nicht nur dessen tatsächliche Reiseroute, sondern auch jene vergangene, an die sich Hopes Eltern wenige Schnitte zuvor noch erinnerten.

Die herrlich vorgetragene und eingefangene Musik geht stets Hand in Hand mit Flucht, Vertreibung und Exil, weil diese Themen Daniel Hope nicht loslassen und kreativ beflügeln. In Lübeck besucht er eine Ausstellung über deutsche Exilliteratur, in Los Angeles, über dessen Exilkomponisten er bereits 2014 ein Album aufgenommen hat, spielt er schließlich ganz allein in Thomas Manns Villa. Wie so viele Solisten ist auch Hope mehr oder minder ein Heimatloser, unentwegt auf Tour, ständig auf dem Sprung zum nächsten Termin. Hier offenbart sich die größte Schwäche dieses Films. Angesichts der Zeit, die sich Hope für seine Spurensuche nimmt, scheint der beständige Zeitmangel und -druck mehr behauptet als für die Zuschauer spürbar. Das Privatleben, das bei einem solch vollen Terminkalender zwangsläufig hintanstehen muss, kommt ebenfalls nur am Rande, meist in Andeutungen der Eltern des Protagonisten vor. Daniel Hope selbst lächelt auch diese vermeintliche Unwägbarkeit mühelos weg. In welchen Ausmaß Musik für ihn (Welt-)Flucht bedeutet, deutet sich nur an. Am Ende hat man dennoch das Gefühl, einem klugen, ruhigen und stets charmanten Virtuosen ein Stück weit näher gekommen zu sein.

(Falk Straub)

Daten & Fakten

Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2017
Länge: 108 (Min.)
Verleih: mindjazz pictures
Kinostart: 19.10.2017

Cast & Crew

Regie: Nahuel Lopez
Drehbuch: Oliver Keidel, Nahuel Lopez
Kamera: Florian Kirchler
Schnitt: Oliver Keidel

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