Das perfekte Geheimnis (2019)

Passt bloß auf eure Handys auf!

Eine Filmkritik von Bianka Piringer

Eva misstraut ihrem Gatten, dem Schönheitschirurgen, der so entspannt wirkt, so gut mit der Tochter umgeht und seine gute Laune folglich einer Geliebten verdanken könnte. Simon (Frederick Lau), der Taxifahrer und Lebenskünstler, will sein Handy partout nicht auf den Tisch legen, aber seine Verlobte Bianca (Jella Haase) überredet ihn dazu. Auch die anderen machen mit und so nimmt zwischen Tapas, Zwischengerichten, Schokohühnchen und Dessert ein sich langsam aber sicher steigerndes Desaster seinen Lauf. Was eine vergnügliche, ja spritzige Komödie im Stil von Der Gott des Gemetzels hätte werden sollen, krankt leider schon an der völlig abstrusen Grundidee. Im Ernst, wer würde sich auf so ein Spiel einlassen, schon mal prinzipiell, und dann erst recht, wenn er oder sie ja weiß, dass die Aufdeckung einer kompromittierenden Beziehung droht?

So erstaunt es umso mehr, dass es sich bei dieser Komödie von Regisseur und Drehbuchautor Bora Dagtekin (Fack Ju Göhte-Trilogie) um das deutsche Remake eines italienischen Erfolgsfilms von 2016 handelt. Perfetti sconosciuti von Paolo Genovese lockte allein in Italien 2,7 Millionen Besucher ins Kino und wurde bereits in mehreren Ländern adaptiert. Ja nun, wenn die ersten Botschaften auf den Handys eintrudeln, Misstrauen und Missstimmung zwischen den Paaren schüren, entsteht der Eindruck, dass es diesen Leuten einfach zu gut geht. Ein Abendessen in freundschaftlicher Atmosphäre wäre wohl zu langweilig gewesen, nun aber verheißt jede neue Nachricht die spannende Möglichkeit einer enthüllten Affäre. Dass auch die ständige Frage, wer mit sonst noch wem ins Bett geht, ebenfalls langweilen kann, kommt den Beteiligten nicht in den Sinn.

Erstaunlich ist übrigens auch, was in dieser Runde so alles verzehrt wird, denn allein schon die Tapas sehen üppig genug aus für eine zwölfstündige Sättigung. Hausherr Rocco kocht gerne und aufwändig, aber leider nicht immer gut – der eine oder andere Leidtragende greift da schon mal zu heimlichen Abwehrmaßnahmen. Es wäre vielleicht gar nicht uninteressant gewesen, mehr über diese verquere Liebe Roccos zum Kochen zu erfahren, allein, das Thema wird nicht weiter verfolgt. Rocco liebt seine verspannte Frau und ist ein guter Vater, mehr als diese Attribute bekommt der von Wotan Wilke Möhring recht unkompliziert dargestellte Charakter nicht. Wenn er dann aber seiner anrufenden Tochter am Telefon einen Vortrag über die erste Liebesnacht hält, wird klischeehafter Schmalz mit der Schöpfkelle serviert.

Eva ist kühl, reserviert und unzufrieden. Jessica Schwarz spielt sie souverän und undurchschaubar, aber der Charakter geht ja ebenfalls nicht in die Tiefe. Auch Frederick Lau hat als der leicht prollige, oft nur missgelaunt dreinschauende Simon eine Rolle, die ihm nichts Neues abverlangt. Als seine fröhliche Verlobte Bianca bringt Jella Haase frischen Wind in die Runde. Sie weckt zudem mit ihren Schauspielkollegen Karoline Herfurth und Elyas M‘Barek in der Rolle des Ehepaars Carlotta und Leo Erinnerungen an die Fack Ju Göhte-Filme. Carlotta und Leo haben als Eltern von Zwillingen im Kleinkindalter eine Ehekrise. Carlotta kehrte in den Beruf bei der Werbeagentur zurück und reibt sich auf, greift zur Flasche. Leo gibt den ebenfalls wenig glücklichen Hausmann und fühlt sich von den Spielplatzmüttern nicht akzeptiert. Last but not least wäre da noch der Lehrer Pepe (Florian David Fitz), der zur Enttäuschung aller ohne seine neue Freundin erschienen ist.

Es geht also nicht nur um Seitensprünge in dieser Komödie, sondern auch um Elternschaft und Beruf, außerdem um die Gratwanderung zwischen Offenheit und Abschottung in einer Ehe, um Homophobie. Irgendwann geht ein Glas zu Bruch, gibt es die eine oder andere Ohrfeige. Nicht alle Paare werden diesen Abend überstehen. Die fehlende inhaltliche Spannung und Relevanz der sich hochschraubenden Enthüllungs- und Kränkungsspirale wird teilweise durch Dialogwitz kompensiert. Die Charaktere legen alle, so weit wie möglich, Wert auf unbekümmerte, entspannte Coolness und erlauben sich gegenseitige Frotzeleien. Simons berufliche Unstetigkeit, seine unglücklichen Jobs – einmal war er Fotomodell für ein abschreckendes Bild auf Zigarettenpackungen - sorgen nicht nur in der Runde, sondern auch im Publikum für Heiterkeit.

Das Tempo des Schlagabtauschs ist flott und oberflächlich und dadurch entsteht durchaus zeitweise der Eindruck einer anregenden Runde. Selbst die unsichtbaren Anrufer sind prominent besetzt, vielleicht erkennen einige Katja Riemann, Alexandra Maria Lara und andere Filmschauspieler*innen an der Stimme. Allein, die Nöte der Charaktere lassen einen kalt, der Boulevardstil wirkt auf Dauer eher aufgesetzt als charmant und natürlich. Wegen der bekannten und beliebten Darsteller*innen ist die Komödie zwar nett anzuschauen, bietet aber doch nur aufgeschäumte Trivialität.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/das-perfekte-geheimnis-2019