Wildhexe (2018)

Im Wald, wo die Wildhexen zaubern

Eine Filmkritik von Rochus Wolff

Bei ihrer Tante Isa (Sonja Richter) tief im Wald beginnt sie zusammen mit der gleichaltrigen Kahla (Vera Mi Fernandez Bachmann) ihre Lehre als Wildhexe; das Lernen im Idyll wird freilich dadurch schwierig, dass die böse Chimära (May Simón Lifschitz) sie angreifen und für ganz eigene Zwecke missbrauchen will.

Kaspar Munks Kinderfilm nimmt sich neben den wesentlichen Elementen aus Lene Kaaberbøls Bestseller Wildhexe – Feuerprobe (dem 2010 erschienenen, ersten Band der aktuell sechs Romane) auch einige Freiheiten mit dem Quellmaterial. So erzählt Wildhexe zwar von den ersten Berührungen Claras mit der Hexenwelt und mit Chimära, wird aber doch zu einer abgeschlossenen Geschichte – Fortsetzung optional. Aber natürlich legt der Film diese Möglichkeit schon an, es gibt ja noch viel zu lernen. Damit reiht sich Wildhexe, und das ist das größte Problem des Films, nahtlos in die Reihe der Harry Potter-Epigonen ein, die seit mittlerweile 20 Jahren in Literatur und Film immer wieder auftauchen (Eltern werden zum Beispiel auch die Buchreihe Die Schule der magischen Tiere kennen).

Und warum auch nicht? Es gibt ja noch genug Geschichten, in denen sich die Welten von Zauberei und Realität mischen, die noch nicht erzählt worden sind, und Wildhexe ist da bei weitem keine schlechte Variante. Die Kombination von weiblicher Zauberkunst mit Naturverbundenheit ist allerdings ein Geschlechter-Stereotyp, das doch schon reichlich angestaubt daherkommt. Man darf dem Film zugutehalten, dass er dieses Thema nicht weiter geschlechtsspezifisch auflädt und auch ein paar Männer als Hexer auftauchen.

Im Verhältnis zum großen und sehr dicht gewobenen Harry-Potter-Universum wirkt der mythologische Hintergrund von Wildhexe fast unterentwickelt, was aber auch seine angenehme Seite hat: Der dänische Film und seine Handlung bleiben gleichermaßen übersichtlich, statt eines Feuerwerks an Spezialeffekten gibt es wabernde Nebel, seltsame Schatten und sprechende Tiere. Leider schwächelt auch die Dynamik zwischen den Figuren, vor allem den Kindern, ein wenig – das ist oft ein wenig auf sehr platte Interaktionen reduziert.

An den Darsteller_innen liegt das im Übrigen nicht; wo man in vielen deutschen Kinderfilmen hölzernstes Schauspiel sieht, können vor allem Gerda Lie Kaas und Vera Mi Fernandez Bachmann überzeugen; ihr Kompagnon Albert Werner Rønhard als Claras mysteriöser Freund Oskar hat es schon schwerer, weil er wohl vor allem den Auftrag hatte, mysteriös zu schauen. Das gelingt ihm freilich hervorragend.

Junge Fans der Bücher werden wahrscheinlich entzückt und in Scharen ins Kino laufen, und werden vermutlich im Großen und Ganzen nicht enttäuscht. Der etwas nüchterneren Außensicht zeigt sich Wildhexe als nicht ganz langweilige Öko-Zauberei-Geschichte mit einem Hauch Coming-of-Age, in der am Schluss Clara akzeptiert, dass sie nicht ist, wie andere Mädchen in ihrem Alter. Warum allerdings die Bewahrerinnen der Wilden Welt – es ist wieder Zeit für die „normale“ Schule – den Weg aus dem Wald zurück in die Stadt ausgerechnet mit dem Auto fahren, das sind so Fragen, die wahrscheinlich auch die unangepassteren jungen Zuschauerinnen stellen werden.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/wildhexe-2018