The Nun (2018)

Im Kloster ist die Hölle los

Eine Filmkritik von Christopher Diekhaus

Als es im Jahr 1952 in einem abgeschiedenen osteuropäischen Kloster zu einem Selbstmord kommt, erhält ein Priester namens Burke (Demián Bichir) vom Vatikan den Auftrag, umfangreiche Nachforschungen anzustellen. Gemeinsam mit der Novizin Irene (Taissa Farmiga), die ihn unterstützen soll, macht sich der Gottesmann auf den Weg in das rumänische Hinterland, wo sie dem Frankokanadier Frenchie (Jonas Bloquet) einen Besuch abstatten. Der junge Mann, der die Leiche einer Nonne gefunden hat, bringt das ungewöhnliche Ermittlerduo zum Ort des tragischen Geschehens und lässt dabei keine Gelegenheit aus, um die Neuankömmlinge vor dem unheilvollen Kloster zu warnen. Nichtsdestotrotz beginnen Burke und Irene, die ihr Gelübde noch nicht abgelegt hat, mit der Spurensuche und müssen sich schließlich mit einer gefährlichen Präsenz auseinandersetzen.

Sein Gespür für unheimliche Stimmungen stellte der Engländer Corin Hardy schon in seinem Spielfilmdebüt The Hallow unter Beweis, das – ungeachtet kleinerer Mängel – recht wirkungsvoll irische Folklore und Backwoods-Terror miteinander kombinierte. The Nun entführt das Publikum nun an einen denkbar klassischen Schreckensschauplatz: eine finstere, komplett isolierte Ordensburg, deren verschlungene Gänge im schwachen Kerzenlicht völlig unergründlich scheinen. Der Regisseur und seine kreativen Mitstreiter geben sich alle Mühe, ein verfluchtes, wenig einladendes Setting mit einem ordentlichen Schuss gothic horror zu kreieren, und liefern durchaus ordentliche Arbeit ab, auch wenn die Gruselatmosphäre manchmal – Stichwort: Nebelschwaden – etwas aufdringlich und artifiziell daherkommt.

Als solider Handwerker erweist sich Hardy auch in puncto Schockeffekte, von denen vor allem genreunerfahrene Betrachter auf dem falschen Fuß erwischt werden dürften. Wie so oft im aktuellen Horrorkino setzt The Nun allerdings zu sehr auf Geisterbahnelemente und vernachlässigt darüber sträflich Handlung und Figuren. Obwohl das Drehbuch aus der Feder von Gary Dauberman (Es, Annabelle, Annabelle 2) Schwester Irene und Father Burke mit traumatischen Hintergrundgeschichten ausstattet und eine Auseinandersetzung mit den Themen Glaube und Kirche nahelegt, fällt der Ertrag ernüchternd spärlich aus. Die inneren Dämonen, gegen die die junge Novizin und der Priester ankämpfen, wirken wie erzählerische Pflichtaufgaben und geben den beiden Protagonisten nicht ausreichend „Fleisch“, um starke emotionale Reaktionen beim Zuschauer hervorzurufen. Am wenigsten Schuld trifft hier die nachweislich kompetenten Hauptdarsteller, die schlichtweg Gefangene ihrer unbefriedigend ausgearbeiteten Rollen sind.

Abgesehen von einer Offenbarung in der zweiten Hälfte bietet der nach einer Idee von James Wan und Dauberman entstandene Plot keine großen Überraschungen und wirkt besonders gegen Ende überhastet. Das Geheimnis hinter der teuflischen Nonne, der erstmals in Conjuring 2 ein Kurzauftritt beschieden war, löst größtenteils Achselzucken aus, da sich die Macher bevorzugt an altbekannten Genremotiven abarbeiten. Große Innovationen und Experimente sollte man von einem Franchise-Werk wie diesem nicht erwarten. Einige Blicke über den Tellerrand hinaus sind aber sicher nicht verboten, was übrigens auch für die einseitige Darstellung des rumänischen Handlungsortes gilt, der unverhohlen als rückständig und mittelalterlich beschrieben wird. Wenngleich es Hardy zeitweilig gelingt, Unbehagen zu erzeugen und Schrecken zu verbreiten, unterstreicht The Nun, dass es nicht immer gewinnbringend sein muss, flüchtig auftauchenden Figuren einen eigenen Film zu schenken – zumindest nicht in dieser recht durchwachsenen, uninspirierten Form.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/the-nun