Falscher Bekenner

Porträt einer verlorenen Generation

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Armin zieht umher, treibt sich am liebsten auf der nahe gelegenen Autobahnraststätte und an der Autobahn herum und stößt schließlich per Zufall zu einem Autounfall, der gerade eben erst passiert sein muss – der plötzliche Einbruch des Todes und des Schicksals in sein gelangweiltes und zielloses Leben. Armin greift sich instinktiv eines der Trümmerteile und geht seelenruhig nach Hause. Dort setzt er sich hin und beginnt zu schreiben, doch was als Bewerbungsschreiben beginnt, wird zum Bekennerbrief, in dem der Junge die Verantwortung für den Unfall übernimmt. Ein Spiel, das schließlich zur Sucht wird – sich bekennen, Aufmerksamkeit erregen, Verantwortung übernehmen, selbst wenn er keine Verantwortung hat…

Falscher Bekenner ist einer der erstaunlichsten „kleinen“ deutschen Filme der letzten Jahre, der präzise, aber unter Umgehung jeglichen Klischees die Gefühlswelt heute Heranwachsender beschreibt, ohne sie bloßzustellen oder in soziologische Erklärungsmuster zu verfallen. Virtuos inszeniert, wunderbar von der Kamera eingefangen und mit grandiosen Schauspielern besetzt, pendelt Christoph Hochhäusler in seinem zweiten Film nach Milchwald zwischen Realität und „stream of consciousness“ hin und her und schafft es, ohne viele Worte einen äußert beredten und sehenswerten Film zu schaffen, der all die unsäglichen typisch deutschen Debütfilme mit übergestülpter Familienproblematik Lichtjahre hinter sich lässt. Das Porträt einer verlorenen Generation, nicht mehr und nicht weniger. Wie Benjamin Heisenbergs Schläfer, so ist auch Christoph Hochhäuslers Falscher Bekenner ein wundervolles Beispiel für eine neue Blüte des deutschen Autorenkinos, das sich still und leise, aber nicht minder präzise und nachdrücklich wieder in Erinnerung bringt. Virtuos und beeindruckend!

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/falscher-bekenner