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Winnetous Sohn

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Kinostart: 09.04.2015
FSK: o.Al.
Genre: Komödie, Kinderfilm
Tags: Indianer, Freundschaft, Junge, Coming of age, Filmdreh

Ein Junge will zum Indianer-Casting

Dies ist die Geschichte des zehnjährigen Max (Lorenzo Germeno), der unbedingt als Winnetous Sohn an den Karl-May-Festspielen teilnehmen will. Wenn der Häuptling der Apachen mit einer Schlinge um den Hals bösen Bleichgesichtern ausgeliefert ist, muss sein Sohn die Open-Air-Arena betreten und ihn in letzter Sekunde retten. Max befindet sich in einem Indianer-Feriencamp, als er im Radio hört, dass Winnetous Sohn bei den Proben einen Unfall hatte und nun ein Ersatzdarsteller gecastet werden soll. Der dicke Junge ist Feuer und Flamme! Aber aufgrund seiner unsportlichen Statur nimmt ihn kaum jemand ernst, auch nicht der missmutig-schweigsame Camp-Teilnehmer Morten (Tristan Göbel). Aufgrund einer Wette trainiert Morten Max dann doch für das Casting in Fitness, Bogenschießen, Lassowerfen. So beginnt die wunderbare Freundschaft zweier Außenseiter.

Diese herrliche Abenteuerkomödie von Regisseur André Erkau teilt die Begeisterung für die Winnetou-Geschichten, wie sie zur Kindheit vieler Generationen gehört. Sein Humor entsteht, wenn der junge Held der schnöden Realität und ihren als Bildmotiv omnipräsenten Windrädern mit dem Federschmuck und der edlen Haltung eines Häuptlings entgegentritt. Max verfügt zwar nicht über den gestählten Körper eines Kriegers, aber über Mut, unerschütterlichen Optimismus und ein ungeheures Wissen über den Wilden Westen. Diese Welt erkundete er einst in den Abenteuerspielen mit seinem Vater Torsten (Christoph Letkowski). Der Idealist, der wie Don Quijote gegen den Lauf der Dinge ankämpft, hat noch andere Ziele als nur das Casting: Er will die in die Brüche gegangene Beziehung seiner Eltern kitten und wünscht sich einen Freund. Der coole Schweiger Morten, der seine Probleme versteckt, ist so ziemlich das Gegenteil von Max. Somit erinnert dieses lustige Duo ein wenig an die Freunde aus Rico, Oskar und die Tieferschatten.

Das Drehbuch von Anja Kömmerling und Thomas Brinx führt mit Max eine der stärksten Kinderfiguren seit langem ein. Der junge Newcomer Lorenzo Germeno spielt ihn wie sein zweites Ich als klugen, redegewandten Kerl, dessen Sehnsucht nach Familienglück zu Herzen geht. Egal, was Max tut, es wirkt sympathisch, glaubwürdig und meistens lustig. Seine indianisch gefärbte Ausdrucksweise ergibt köstliche Kommentare. So quittiert er die schockierende Entdeckung, dass seine Mutter (Alice Dwyer) einen Freund hat, mit der Bemerkung: "Die weiße Squaw spricht mit gespaltener Zunge". Die Komik wird auch von immer neuen Hindernissen gespeist, die Max den Weg zum Casting versperren. Der liebevolle Vater unterstützt ihn, ist aber auch problembeladen und hat im Gegensatz zu Max nicht das Durchhaltevermögen eines Indianers. Der Film gewinnt dramatische Tiefe, als sich der Junge von seinen Helfern plötzlich im Stich gelassen fühlt. Enttäuschungen, wie sie viele Kinder aus eigener Erfahrung kennen, werden berührend thematisiert, ohne dass es dem verspielten Schalk der Geschichte schadet. Eine besonders sympathische Erwachsenenfigur ist die engagierte Camp-Leiterin Evi (Katharina Marie Schubert), die Max den Rücken stärkt. Aber selbst verquere oder zum Slapstick neigende Antagonisten, wie Mortens besorgte Mutter (Kathi Angerer) oder der Regisseur der Freilichtaufführung (Uwe Ochsenknecht), bleiben menschlich relativ glaubwürdig.

Winnetous Sohn ist als erstes Förderprojekt ein Glücksfall für die Initiative Der Besondere Kinderfilm. Mit ihr wollen Filmwirtschaft, Politik und öffentlich-rechtliche Fernsehsender erreichen, dass in der Kinderfilmsparte mehr aussagekräftige Originalgeschichten entstehen und nicht so oft auf altbekannte literarische Vorlagen zurückgegriffen wird. Besser hätte das Fördergeld nicht investiert werden können.

(Bianka Piringer)

Daten & Fakten

Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2015
Länge: 91 (Min.)
Verleih: Weltkino Filmverleih
Kinostart: 09.04.2015

Cast & Crew

Regie: André Erkau
Drehbuch: Thomas Brinx, Anja Kömmerling
Kamera: Yann Philippe Blumers
Schnitt: Anke Berthold
Musik: Daniel Hoffknecht, Gary Marlowe
Hauptdarsteller: Uwe Ochsenknecht, Alice Dwyer, Armin Rohde, Tristan Göbel, Lorenzo Germeno

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