Arm, aber sexy oder Sexy aber arm? - Danny Boyles interkulturelles Pop-Märchen
Man kennt diesen Stoff, aus dem Träume gemacht werden. Und daher ist es nicht verwunderlich, dass sich im Film doch immer wieder die menschlichsten aller menschlichen Sehnsüchte spiegeln… Vom Tellerwäscher zum (Slumdog-) Millionär, oder, wie es eben in Slumdog Millionär heißt: vom Straßenkind zum Millionengewinner einer Fernsehquizshow.
Jamal Malik, Mitarbeiter eines Callcenters aus den Slums von Mumbai, hat es als Gast des indischen Formats von Wer wird Millionär bis zur letzten Frage geschafft. Das Misstrauen des Moderators, dass es gerade ein Mann armer Verhältnisse ohne Schummelei so weit gebracht haben könnte, bringt Jamal zum Polizeiverhör. Unter Folter (!) erklärt er den Polizisten, dass es sein Leben auf der Straße gewesen sei, das ihn jede einzelne Antwort gelehrt habe. In Rückblenden zeigt sich, dass Jamals Lebensgeschichte tatsächlich filmreif ist: die Ermordung der Mutter mit eigenen Augen angesehen, zusammen mit seinem Bruder Salim und dem Mädchen Latika als Waisenkinder auf Mülldeponien gehaust, von einer Kinderfängerbande verschleppt und sich daraus wieder befreit, sich in Latika verliebt und kurz darauf von ihr und Salim allein gelassen, nach Jahren der Trennung ihr wieder begegnet - Jamal ein einfacher Mann ohne Geld, Latika die geschundene Braut eines Gangsterbosses - er verliebt sich erneut, doch ihr gelingt der Absprung nicht, und dann kommt Jamal ins Fernsehen.
Slumdog Millionär spielt zwar in Indien, es geht um eine mehr als pathetische Liebesgeschichte und es wird im Abspann sogar getanzt – aber der Film stammt nicht aus Bollywood, sondern aus der Feder des englischen Kultregisseurs Danny Boyle (Trainspotting, 28 Tage Später). Und bereits vor dem Kinostart in Deutschland wurde Slumdog Millionär mit vier Golden Globes ausgezeichnet. Dies schürt hohe Erwartungen - doch kann der Film diesen tatsächlich gerecht werden?
Es sind solche "sympathischen" Filme wie Slumdog Millionär, die das Publikum schnell vergessen lassen, wie viel innovativer eine solche Thematik eigentlich hätte filmisch umgesetzt werden können. "Sympathisch" ist der Film deshalb, weil er vom Publikum nichts weiter abverlangt als gemeinsames Einverständnis: die Reichen sind böse und dumm, die Armen sind gut und schlau – denn, oha, wer zuletzt lacht, lacht am besten. Und die Kinder, so sehr sie auch durch Missbrauch, Folter und sogar Mord gehen müssen, bleiben gut gelaunte, liebenswerte Maskottchen, die flirten, fliehen und fighten wie erwachsene Actionhelden. Dabei rauben sie unsympathische amerikanische Touristen aus und überlisten selbst ausgewachsene Schwerstkriminelle. Und am Ende wird Jamal als intellektueller Fernsehstar gefeiert und Latika nur durch eine zarte Narbe auf ihrem sonst makellosen Teint an die schlimme Vergangenheit erinnert.
Armut und Gewalt ist in Slumdog Millionär eine große Kino-Party mit wackelnden Kameras und schnellen Schnitten, auf der selbst der Abfall in den Gassen Mumbais knallbunte Deko ist. Jeder wippt mit dem Fuß, sobald die Trommelbeats der Londoner Künstlerin M.I.A. losschmettern – ihrerseits selbst ein Flüchtlingskind, die heutzutage mit ihrem Mix aus Ethno, Electro und politischem Rap zu den Kultfiguren der westlichen Fashionszene gehört. Während M.I.A.s Musik die turbulente Heimat jedoch als Sprengstoff nutzt, aus dem sich innovative Kunst machen lässt, so ist Boyles interkultureller Brückenschlag eher ein Weichspüler – arm, aber harmlos. Kriminell, aber liebenswert. Tragisch, aber spannend.
Es gibt zwar einige Versuche subtiler Kritik, wie etwa an den Verhörmethoden der indischen Polizei oder der kulturellen Entfremdung des Landes (denn immerhin dreht sich hier alles um ein amerikanisches Fernsehformat), jedoch ist auch diese nicht mehr als ein sympathisches Augenzwinkern, und das Publikum zwinkert am besten brav zurück.
Ist Slumdog Millionär also nicht etwas zu viel der guten Exotisierung oder ist der Film gerade aufgrund seines unerschütterlichen Optimismus eine geniale Verbindung von Hollywood und Bollywood? Eine eindeutige Antwort auf diese Frage lässt sich schwerlich treffen, denn in der Tat ist Boyle mit Slumdog Millionär gerade durch eine derart unbefangene Filmgestaltung ein schillernder, gut geschnittener Stoff gelungen, der die simple Handlung hübsch verpackt. Doch um daraus wirklich Träume machen zu können, hätte auch der Inhalt der Bilder unter die Haut gehen sollen.
(André Uhl)
Jamal Malik, Mitarbeiter eines Callcenters aus den Slums von Mumbai, hat es als Gast des indischen Formats von Wer wird Millionär bis zur letzten Frage geschafft. Das Misstrauen des Moderators, dass es gerade ein Mann armer Verhältnisse ohne Schummelei so weit gebracht haben könnte, bringt Jamal zum Polizeiverhör. Unter Folter (!) erklärt er den Polizisten, dass es sein Leben auf der Straße gewesen sei, das ihn jede einzelne Antwort gelehrt habe. In Rückblenden zeigt sich, dass Jamals Lebensgeschichte tatsächlich filmreif ist: die Ermordung der Mutter mit eigenen Augen angesehen, zusammen mit seinem Bruder Salim und dem Mädchen Latika als Waisenkinder auf Mülldeponien gehaust, von einer Kinderfängerbande verschleppt und sich daraus wieder befreit, sich in Latika verliebt und kurz darauf von ihr und Salim allein gelassen, nach Jahren der Trennung ihr wieder begegnet - Jamal ein einfacher Mann ohne Geld, Latika die geschundene Braut eines Gangsterbosses - er verliebt sich erneut, doch ihr gelingt der Absprung nicht, und dann kommt Jamal ins Fernsehen.
Slumdog Millionär spielt zwar in Indien, es geht um eine mehr als pathetische Liebesgeschichte und es wird im Abspann sogar getanzt – aber der Film stammt nicht aus Bollywood, sondern aus der Feder des englischen Kultregisseurs Danny Boyle (Trainspotting, 28 Tage Später). Und bereits vor dem Kinostart in Deutschland wurde Slumdog Millionär mit vier Golden Globes ausgezeichnet. Dies schürt hohe Erwartungen - doch kann der Film diesen tatsächlich gerecht werden?
Es sind solche "sympathischen" Filme wie Slumdog Millionär, die das Publikum schnell vergessen lassen, wie viel innovativer eine solche Thematik eigentlich hätte filmisch umgesetzt werden können. "Sympathisch" ist der Film deshalb, weil er vom Publikum nichts weiter abverlangt als gemeinsames Einverständnis: die Reichen sind böse und dumm, die Armen sind gut und schlau – denn, oha, wer zuletzt lacht, lacht am besten. Und die Kinder, so sehr sie auch durch Missbrauch, Folter und sogar Mord gehen müssen, bleiben gut gelaunte, liebenswerte Maskottchen, die flirten, fliehen und fighten wie erwachsene Actionhelden. Dabei rauben sie unsympathische amerikanische Touristen aus und überlisten selbst ausgewachsene Schwerstkriminelle. Und am Ende wird Jamal als intellektueller Fernsehstar gefeiert und Latika nur durch eine zarte Narbe auf ihrem sonst makellosen Teint an die schlimme Vergangenheit erinnert.
Armut und Gewalt ist in Slumdog Millionär eine große Kino-Party mit wackelnden Kameras und schnellen Schnitten, auf der selbst der Abfall in den Gassen Mumbais knallbunte Deko ist. Jeder wippt mit dem Fuß, sobald die Trommelbeats der Londoner Künstlerin M.I.A. losschmettern – ihrerseits selbst ein Flüchtlingskind, die heutzutage mit ihrem Mix aus Ethno, Electro und politischem Rap zu den Kultfiguren der westlichen Fashionszene gehört. Während M.I.A.s Musik die turbulente Heimat jedoch als Sprengstoff nutzt, aus dem sich innovative Kunst machen lässt, so ist Boyles interkultureller Brückenschlag eher ein Weichspüler – arm, aber harmlos. Kriminell, aber liebenswert. Tragisch, aber spannend.
Es gibt zwar einige Versuche subtiler Kritik, wie etwa an den Verhörmethoden der indischen Polizei oder der kulturellen Entfremdung des Landes (denn immerhin dreht sich hier alles um ein amerikanisches Fernsehformat), jedoch ist auch diese nicht mehr als ein sympathisches Augenzwinkern, und das Publikum zwinkert am besten brav zurück.
Ist Slumdog Millionär also nicht etwas zu viel der guten Exotisierung oder ist der Film gerade aufgrund seines unerschütterlichen Optimismus eine geniale Verbindung von Hollywood und Bollywood? Eine eindeutige Antwort auf diese Frage lässt sich schwerlich treffen, denn in der Tat ist Boyle mit Slumdog Millionär gerade durch eine derart unbefangene Filmgestaltung ein schillernder, gut geschnittener Stoff gelungen, der die simple Handlung hübsch verpackt. Doch um daraus wirklich Träume machen zu können, hätte auch der Inhalt der Bilder unter die Haut gehen sollen.
(André Uhl)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Slumdog Millionär
Originaltitel:
Slumdog Millionaire
Produktionsland:
USA, Großbritannien
Produktionsjahr:
2008
Länge:
120 (Min.)
Verleih:
Prokino Filmverleih
VERÖFFENTLICHUNGEN
Kinostart:
19.03.2009
CAST & CREW
Regie:
Danny Boyle
Drehbuch:
Simon Beaufoy, Vikas Swarup
Kamera:
Anthony Dod Mantle
Schnitt:
Chris Dickens
Musik:
A.R. Rahman
Hauptdarsteller:
Mia Drake, Anil Kapoor, Dev Patel, Freida Pinto, Madhur Mittal
FILMBEWERTUNG
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Bisherige Kommentare
(Anzeige: 5 von insgesamt 27)
Von: Eine Mutter am: 14.07.10
Einfach nur widerlich!
Der Film wurde hoch gelobt und ist ab 12 Jahren frei gegeben. Eine absolute Fehleinstufung!
Wir haben den Film nach ca. 60 Minuten gestoppt. Der tiefere Sinn der Handlung ist mir bis zu diesem Zeitpunkt verborgen geblieben. Da war nur Klischee und Augenfängerei. Völlig unnötige Folterszenen, die der Handlung keineswegs dienlich sind. Und die tolle Musik? Vielleicht in den letzten 30 Minuten - ich jedenfalls habe keine gehört.
Von: mad dog am: 13.08.09
Fand der Film hatte doch einige Längen.
Von: suppenkelle91 am: 17.07.09
einer der besten filme, die ich je gesehen habe. einnfach beeindruckend, mitreißend, wundervoll. voller lebenslust und freude. wenn die dvd erscheint, werde ich sie mir sofort kaufen. meienr meinung nach zurecht hochgelobt und gefeiert. der film macht einfach gute laune und hinterlässt einen sehr positiven bleibenden eindruck.
Von: 10gast am: 06.06.09
kein genialer film, aber sehenswert und sehr interessant für alle die etaws über indien erfahren wollen...4 sterne
Von: anne am: 04.06.09
sind jetz alle filme im mmetropolis englisch ? weil ich will in den englischen film :O ich hasse deutsch übersetzt !
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