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Maria Mafiosi

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2.9 Sterne aus 21 Bewertungen

Kinostart: 15.06.2017
FSK: 12
Genre: Komödie
Tags: Rassismus, Beziehung, Italien, Polizistin

Familienbande

Zu den Filmen, die einen ebenso knackigen wie passenden Titel tragen, der ihre Geschichte trefflich fokussiert, gehört zweifellos diese deutsche Komödie, die von der Metamorphose einer jungen Polizistin erzählt. Maria Mafiosi ist das fröhlich-frische Regiedebüt der Münchner Schauspielerin Jule Ronstedt, nach ihrem eigenen Drehbuch und sichtbar mit reichlich Herzblut inszeniert.

Noch in ihrem Zustand fortgeschrittener Schwangerschaft ist die Ordnungshüterin Maria Moosandl (Lisa Potthoff) im ländlichen Landsberg im Einsatz, wo jeder jeden zu kennen glaubt und ihr eigener Vater (Alexander Held) den Posten des Polizeichefs bekleidet. Ihr Kollege und langjähriger Freund Franz (David Zimmerschied), von dem sich Maria kürzlich getrennt hat, ist jedenfalls nicht der Vater, was allseits bekannt zu sein scheint, und so steht die diesbezüglich resolut verschwiegene Polizistin nicht selten im Zentrum von allgemeinen Neugiersbekundungen und Spekulationen. Nicht einmal der (groß)väterliche Polizeichef ist eingeweiht, was er beleidigt beklagt, so dass Maria geradezu in eine skandalisierte Zurückgezogenheit rutscht und alle mehr oder weniger wohlgemeinten Angebote der Unterstützung ablehnt.

In besorgter Heimlichkeit trifft Maria sich jedoch – vornehmlich in einem Sonnenblumenfeld – mit ihrem Geliebten Rocco Pacelli (Serkan Kaya), Sohn des örtlichen Pizzamoguls Silvio (Tommaso Ragno), der offensichtlich in dubiosen Machenschaften schwelgt. Dass diese verborgenen Liebesbande auf wenig familiäre Begeisterung allerseits treffen würden, wissen Maria und Rocco zur allzu genau, zumal der zögerliche junge Italiener noch kräftig unter seines Vaters Fittichen weilt und gerade unfreiwillig zum Bräutigam von Donatella (Rosetta Pedone) auserkoren wurde, aus geschäftlichen Gründen sozusagen. Diese Konstellationen stürzen die tapfere Maria zwar in eine handfeste Krise, doch sie kämpft mit unerschütterlicher Gelassenheit und Finesse nicht nur um ihre große Liebe, sondern setzt nun auch bewusst ebenjene Praktiken ein, die keine Korruption scheuen. Denn im Verlauf der Ermittlungen zu einem Mordfall stellt sich heraus, dass nicht nur Roccos Familie, sondern sogar ihr Vater und weitere mächtige Amtsträger des Dorfes bei unsauberen Geschäften aller Art aktiv sind ...

Die ansprechende Balance zwischen Kracher-Klamauk, Kultur-Komödie und Zeitgeist-Satire ist im Fall von Maria Mafiosi mit leichtgängig anmutender Gelassenheit gelungen. Vor allem die sorgfältige, vielschichtige Zeichnung und Entwicklung der Figuren aus ihrer gängigen Klischeeprägung heraus bietet nicht nur einen hohen Unterhaltungswert und lässt verständnisvolle Sympathien entstehen, sondern skizzieren in beinahe banaler Manier auch den Aufbruch eines Nebeneinanders von kleinen Parallelgesellschaften, der sich scheinbar plötzlich zeigt und kleine Revolutionen auf zwischenmenschlichem Terrain auszulösen vermag. Jenseits intellektueller Erziehungsbestrebungen herrscht hier die pure Emotion mit derart machtvoller Wucht, dass so lange die Fetzen fliegen, bis eine Art chaotischer Friede für die nun vertrauten Protagonisten einkehrt, ungeachtet ethischer Bedenken, die sich längst im Zuge der Gefechte verflüchtigt haben.

Das dominante Thema familiäre Verbindungen, das auch der Untertitel Jeder sehnt sich nach Familie betont, erscheint hier herrlich plakativ, mit realistischen bis komisch überspitzten Seitenhieben auf dieses unsterbliche gesellschaftliche Phänomen, das nach Jahrtausenden kritischer Betrachtung noch immer in aktuellen Ambivalenzen schwelt, und zunehmend cross-kulturell durchwirkt. So einige Szenen in Maria Mafiosi spiegeln genau solche Stereotypen wider, die bei allem Spektakel auch in der Rezeption stereotype Empfindungen wecken – wie etwa Antonella Attili als italienische Mama Marcella, die als Glanzlicht in einer insgesamt großartig aufspielenden Schauspielertruppe agiert.

Es ist auch ein leichtsinniges, provokantes Spiel mit Werten, Haltungen und Positionen, das Jule Ronstedt mit ihrer ersten Regiearbeit deutlich vergnügungsorientiert eröffnet hat, und am Ende beschert sie ihren zwielichtigen Charakteren ein kleines Glück, trotz ihrer großen Verfehlungen. Diese Art der forschen, frechen und flotten Heiterkeit, die moralische Aspekte bewusst ignoriert, besticht durch ihre angenehme Betonung der allzu menschlichen Ausprägungen – der kleinen und weniger kleinen Schwächen und Triumphe, hinter denen möglicherweise das ganz große Scheitern lauert, dem sich letztlich nur in einer Weise begegnen lässt: versöhnlich.

(Marie Anderson)

Daten & Fakten

Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2017
Länge: 92 (Min.)
Verleih: Universum/24 Bilder
Kinostart: 15.06.2017

Cast & Crew

Regie: Jule Ronstedt
Drehbuch: Jule Ronstedt
Kamera: Peter von Haller
Schnitt: Manuel Reidinger
Musik: Andrej Melita
Hauptdarsteller: Antonella Attili, Lisa Potthoff, Johannes Silberschneider, Maximillian Dirr, David Zimmerschied

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