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Hannah - Ein buddhistischer Weg zur Freiheit

Meinungen
3

2.0 Sterne aus 21 Bewertungen

Originaltitel: Hannah: Buddhism's Untold Journey
Kinostart: 18.01.2018
FSK: 12
Genre: Dokumentarfilm
Tags: Tibet, Buddhismus, Hochzeitsreise

Ein Geist, der Grenzen überwand

Die Dänin Hannah Nydahl reiste 1968 auf dem als Hippie-Trail bekannten Landweg nach Nepal. Wie so viele ihrer Generation waren die 22-Jährige und ihr Mann Ole auf der Suche nach Bewusstseinserweiterung. Zuerst verstanden sie diese eher psychedelisch, dann aber lernten sie in Kathmandu den 16. Karmapa kennen, das Oberhaupt der Karma-Kagyü-Linie des tibetischen Buddhismus. Hippies waren damals in Nepal noch eine Seltenheit und der Karmapa nahm die Nydahls gerne als seine ersten westlichen Schüler an. Sie folgten ihm zu seinem Sitz im indischen Exil, dem Kloster Rumtek, und wurden in Meditation und buddhistischer Lehre unterwiesen.

Von Karmapa mit ehrenvollen Namen versehen wollten Ole, der nun „Ozean der Weisheit“ hieß, und Hannah, die sich „Mächtige Heilige Lotosblume“ nennen durfte, für immer in Indien bleiben. Aber der Karmapa schickte sie 1972 zurück nach Kopenhagen mit dem Auftrag, den Buddhismus in Europa und weiteren Erdteilen zu verbreiten. Hannah und Ole Nydahl widmeten sich die nächsten 35 Jahre gemeinsam dieser Aufgabe. Sie gründeten über 550 Zentren – allein 160 gibt es in Deutschland –, in denen der sogenannte Diamantweg-Buddhismus der Karma-Kagyü-Linie praktiziert wird.

Auch Marta György-Kessler, die bei diesem Dokumentarfilm gemeinsam mit Adam Penny Regie führte, gehörte zu den Schüler_innen der Nydahls. Ihr Film ist also in erster Linie eine Hommage an Hannah Nydahl, die 2007 verstarb. Aber in den vielen Archivaufnahmen und Interviews mit Ole Nydahl, Angehörigen, Freunden und ranghohen tibetischen Geistlichen scheint auch eine Qualität des Films als Zeitdokument auf, das von den bewegten 1968er Jahren über den Kalten Krieg der Ostblock-Ära bis hin zur Gegenwart reicht. Die Nydahls brachten diese buddhistische Schule nämlich 1980 auch nach Polen und in andere osteuropäische Länder, streng und misstrauisch beäugt von den örtlichen Geheimdiensten.

Was es mit dieser spirituellen Lehre, die untrennbar mit der Meditationspraxis verbunden ist, auf sich hat, wird im Film nur en passant erwähnt. Hannah war fasziniert von der Idee, dass der menschliche Geist potenziell grenzenlose Fähigkeiten habe. Sie diente den tibetischen Meistern, von denen viele des Englischen nicht mächtig waren, als Dolmetscherin. Auch übersetzte sie wichtige buddhistische Schriftstücke. Sie spielte außerdem eine tatkräftige Rolle bei der Flucht des künftigen 17. Karmapa und seiner Familie aus dem von China besetzten Tibet nach Indien im Jahr 1993. Wie wichtig die Arbeit der Nydahls für den Karma-Kagyü-Buddhismus erachtet wird, zeigt sich schon darin, dass auch der 17. Karmapa – Thaye Dorje – selbst zu den Interviewten des Films zählt und nicht mit Lob für die beiden Dänen spart.

Was der Film nicht leistet und auch gar nicht leisten will, ist, die Porträtierte und ihren Mann als fehlbare Menschen darzustellen, die auch Schwächen und Widersprüche zeigen dürfen. Das ist einerseits verständlich, wollen die Regisseure doch der westlichen Pionierin dieser buddhistischen Schule ein sicherlich verdientes Denkmal setzen. Aber die Person selbst bleibt andererseits so auch schwer greifbar. Und jeder inhaltliche Konfliktstoff wird sehr vorsichtig angepackt und im Zweifelsfall lieber im Unklaren gelassen. Wie im Film selbst geschildert wird, hat die Suche nach der Wiedergeburt des 1981 verstorbenen 16. Karmapa zur Spaltung der Karma-Kagyü-Linie geführt. Seit den 1990er Jahren gibt es nämlich zwei konkurrierende 17. Karmapas. An dieser Entwicklung sind wohl, wie von den Regisseuren angedeutet wird, die chinesischen Machthaber in Tibet nicht ganz unschuldig, die im Hintergrund gerne ihre Strippen ziehen, um Kontrolle auf die Religionsgemeinschaft auszuüben.

Auch diesem spirituellen Weg zur inneren Befreiung ist es also nicht gelungen, völlig unabhängig von der weltlichen Politik und ihren Konfliktfeldern zu bleiben. Im Film wird immer wieder thematisiert, wie grausam das kommunistische China das tibetische Volk unterdrückte und immer noch knechtet. Dass aber die buddhistischen Oberhäupter Tibets, die im indischen Exil leben, auch im Spannungsfeld chinesisch-indischer Interessenskonflikte stehen, wird nur am Rande erwähnt. Vom 14. Dalai Lama, dem spirituellen Oberhaupt des tibetischen Volkes, ist überhaupt nicht die Rede. Solche fehlenden Einordnungen und Standortbestimmungen schmälern natürlich die Aussagekraft dieses Dokumentarfilms.

Aufgrund seiner Materialfülle und der abwechslungsreichen Gestaltung einschließlich kleiner Reenactment-Szenen aber bietet der Film immer wieder lebensnahe Details. Auch sie sorgen für zeitgeschichtliche Relevanz und verhindern zumindest halbwegs, dass dieses Porträt einer engagierten europäischen Buddhistin nur für ein Insiderpublikum interessant ist.

(Bianka Piringer)

Daten & Fakten

Produktionsland: Deutschland, Dänemark, Ungarn, Spanien, Großbritannien, Indien, Honkong, Nepal
Produktionsjahr: 2014
Länge: 90 (Min.)
Verleih: W-Film
Kinostart: 18.01.2018

Cast & Crew

Regie: Marta György-Kessler
Drehbuch: Marta György-Kessler, Adam Penny
Kamera: Guy Nisbett
Schnitt: Simon Barker, Hamish Lyons
Musik: Tom Hickox, Chris Hill

MEINUNGEN

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Bisherige Meinungen

(Anzeige: 3 von insgesamt 3)
Von: Manfrrd am: 21.01.18
Diese Biografie über diesen weg von einem Abenteuer zum letztendlichen weg zum Buddhismus zur obersten Ebene von Mitgefühl ist sehr emotional und für jeden von dieser Welt erstrebenswert!..nur so kann Frieden auf der Welt erfolgen!.
Von: Michaela Koch am: 13.01.18
Der Dalai Lama war weltliches Oberhaupt aller Tibeter und ist spirituelles Oberhaupt der Gelugpa-Schule- nicht spirituelles Oberhaupt aller Tibeter.
Von: Hans-Werner Steiger am: 13.01.18
Der Film ist ein reines Propagandamachwerk der Diamantwegsanhänger um das was man in echt in 50 jahren nicht mal ansatzweise zustande gebracht hat (nämlich qualitativen Buddhismus auf solider Grundlage mit qualifizierten Praktizierenden im Westen zu etablieren), sich dann wenigestens in scheinheiligen Ergüssen im Lebenslauf nachträglich zusammenzulügen. Einfach nur lächerlich.

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