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Frau Müller muss weg!

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2 Sterne aus 464 Bewertungen

Kinostart: 15.01.2015
FSK: 6
Genre: Komödie
Tags: Schule, Eltern, Lehrerin, Elternabend, Noten

Götter des Gemetzels

"Das Leben von Eltern beginnt, wenn der Hund tot ist und die Kinder aus dem Haus sind." – So besagt es ein deutsches Sprichwort, das Frau Müller muss weg! vorangestellt ist. Folgt man dem fast wie einem Kampf geführten interpersonellen Diskurs des Films, dann kann man verstehen, wie dieses Sprichwort gemeint ist, auch wenn die meisten Eltern sich auch um die erwachsenen Kinder sorgen werden. Aber Beschützer, das sind sie in der Kinderzeit – und kämpfen dabei wie die Löwen.

Fünf Eltern suchen am Samstag die Grundschule auf. Ein Gespräch mit Frau Müller, der Lehrerin ihrer Kinder steht an. Sie wollen der Lehrerin nahelegen, die Klasse abzugeben. Da sich das Klima innerhalb der Klasse verschlechtert hat und damit auch deutlich miesere Noten ihrer Kinder einhergingen, sehen sie Handlungsbedarf. Immerhin ist das große Ziel, ihren Kindern den Übergang zum Gymnasium zu ermöglichen. Aber so leicht ist das nicht, denn Frau Müller schenkt ihnen reinen Wein ein, was ihre Kinder betrifft. Als sie geht, beginnt das Zerfleischen der Eltern untereinander …

Frau Müller muss weg! basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück, das Sönke Wortmann in Dresden inszeniert hat. Schon während der Inszenierung trat er an die Autoren heran, um eine filmische Adaption zu besprechen. Der Stoff bot sich, ähnlich wie Der Gott des Gemetzels, an, den Sprung ins andere Medium zu schaffen. Weil er es versteht, mit nur einer Handvoll Figuren einen Mikrokosmos der Gesellschaft nachzuzeichnen. Nirgendwo sonst als beim Aufeinandertreffen von Eltern kann man derart unterschiedliche Lebensläufe, Bildungsgrade, Karrieren, Ideologien erleben. Das geht gut, wenn alle am selben Strang ziehen, aber sobald das Allgemeinziel mit dem Einzelziel kollidiert, fliegen die Fetzen. Denn unterm Strich geht es natürlich allen nur um ihr eigenes Kind.

Der Film ist weiter aufgezogen als das Stück. Spielt dieses nur in einem Klassenzimmer, so schickt der Film die Eltern auf Erkundung im Schulgebäude, wenn sie nach Frau Müller suchen. Das erlaubt die Konzentration auf Einzelfiguren, die unbehelligt von den anderen eigene Konflikte austragen können. Im zweiten Drittel mag die narrative Kohärenz damit ein wenig auseinanderbrechen, die Rückführung aller Protagonisten an einen Ort findet aber gerade noch rechtzeitig statt, um zielloses Mäandern zu verhindern.

Es gibt laute, aber auch leise Momente, schrille, aber auch intime Szenen – das ganz große Kino für Schauspieler, die sich in ihre Rollen verbeißen wollen, die sich zugleich aber auch erfolgreich mühen, hinter ihren Figuren zu verschwinden. Selbst Anke Engelke, die häufig zur Übertreibung neigt, wirkt hier zurückgenommen, ist nur dann wirklich bissig, wenn es die Rolle erfordert. Ihre Figur ist der Katalysator, und das gleich zweimal, wenn sich die Wünsche und Pläne der versammelten Elternschaft ändern.

Frau Müller muss weg! ist ein häufig witziger, manchmal auch ernsthafter, mitunter sogar schwarzhumoriger Film, der gerade deswegen so gut funktioniert, weil er nicht übersteigert. Die Menschen, die hier gezeigt werden, existieren in der realen Welt. Ihre Probleme, ihre Wünsche, ihre Ängste, sie alle existieren. Das erleichtert die Identifikation, führt aber zugleich auch einen Spiegel vor, wenn die Fassade, die man für sich selbst und andere errichtet hat, nicht nur bröckelt, sondern richtiggehend in Stücke gerissen wird.

(Laurenz Werter)

Daten & Fakten

Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2014
Länge: 87 (Min.)
Verleih: Constantin Film Verleih
Kinostart: 15.01.2015

Cast & Crew

Regie: Sönke Wortmann
Drehbuch: Oliver Ziegenbalg, Sönke Wortmann, Lutz Hübner
Kamera: Tom Fährmann
Schnitt: Martin Wolf
Musik: Martin Todsharow
Hauptdarsteller: Justus von Dohnanyi, Ken Duken, Anke Engelke, Mina Tander, Gabriela Maria Schmeide, Alwara Höfels

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