Zurück zur Übersicht

Fasten auf Italienisch

Meinungen
5

4 Sterne aus 114 Bewertungen

Originaltitel: L'Italien
Kinostart: 13.01.2011
FSK: o.Al.
Genre: Komödie
Tags: Doppelleben, Lüge, Ramadan, Nizza

Spiele der Identitäten, Kulturen und Rituale

Dino (Kad Merad) beherrscht das Spiel der italienischen Rituale wie kaum ein Anderer. Das sorgfältige Rasieren der Glatze oder den Bart um Mund und Oberlippe. Das Auswählen der Ringe, der Goldkette und natürlich der unvermeidlichen Sonnenbrille. Sein Auto ist ein Maserati in dessen Anlage bereits italienische Schlager auf ihn warten. Das Im-Takt-Klopfen seiner Finger auf dem Lenkrad an der Ampel, im Hintergrund das Kolosseum und das römische Leben. Da bewegt sich das Kolosseum, entpuppt sich als Werbefläche, verschwindet auf der anderen Seite und holt eine neue Welt hervor: "Bienvenu à Nice". So einfach kann Täuschung funktionieren. Und sie ist so etwas wie das Leitmotiv dieses Films, denn die Illusion, man sei in Italien, ist keineswegs die einzige Täuschung, mit der der Film und seine Protagonisten spielen.

Dino Fabrizzi aus Rom heißt eigentlich Mourad Ben Saoud und kommt aus Marseille. Mourad lebt seit einigen Jahren als Dino in Nizza und arbeitet in einem italienischen Autohaus. Sein Chef ist begeistert von ihm und sieht ihn bereits als seinen Nachfolger. Nur seine Schwester und sein engster Freund, der durch Mourads verschiedene Nationalitäten und Identitäten zu seiner nächsten Ausstellung angeregt wird, sind eingeweiht. Selbst seine Freundin (Valérie Benguigui) ahnt nichts von seiner zweiten, seiner doppelten Identität. An den Wochenenden fährt Dino nach Rom zu seiner italienischen Familie, was so viel heißt wie, Mourad fährt nach Marseille. Seine algerische Familie lässt er in dem Glauben, er arbeite erfolgreich in einem Unternehmen in Rom.

Als bei einem seiner Wochenendbesuche der Vater einen Herzinfarkt erleidet und er damit auf den herannahenden Ramadan verzichten muss, bittet der Vater den Sohn an seiner Stelle zu fasten. Mourad, der wie seine zwei Geschwister die französische Staatsbürgerschaft und die französische Muttersprache besitzt, muss feststellen, dass er zwar über die Rituale eines Vorzeige-Italieners bestens Bescheid weiß, aber dafür umso weniger über die Kultur seiner Eltern.

Dass die Folgen des Fastens für sein Umfeld nicht verborgen bleiben ist abzusehen. So beginnt ein Spiel zwischen dem Aufrechterhalten seines Doppellebens, dem Ausweichen jeglicher körperlicher Berührung mit seiner Freundin und der darauf folgenden Erklärungsnot und gleichzeitig einer Annäherung an die Herkunft seiner Eltern.

Gerade durch jenes Annähern, wird die eigentliche Verleugnung, die seiner eigenen Herkunft, deutlich. Der immer größer werdende Respekt, mit dem Mourad seinem täglichen Gebet und den dazugehörenden Ritualen begegnet, ist auch für den Zuschauer spürbar. Damit schafft Fasten auf Italienisch den Sprung von der Komödie zum Ernsthaften, ohne dabei das Leichte aus den Augen zu verlieren. Und das ist selten.

Natürlich sind die Probleme vorhersehbar und man weiß nach den ersten 5 Minuten, wohin die Reise von Dino gehen wird – es ist vor allem eine Reise zu sich selbst. Auch von einem Happy-End darf ausgegangen werden. Und dennoch hat Fasten auf Italienisch den Mut, den immer noch weit verbreiteten Rassismus in Frankreich anzusprechen und deutlich zu benennen.

Der Regisseur Olivier Baroux (Safari) und sein Hauptdarsteller Kad Merad (Willkommen bei den Sch’tis, aber auch Keine Sorge mir geht’s gut) arbeiten bereits seit 20 Jahren zusammen. Schon seit längerem wollten sie "eine Komödie mit Hintergrund" drehen, wie Baroux es in einem Interview nennt. Es sei ihnen darum gegangen, eine breite Masse ansprechen mit einem Thema das ihnen nahe ist, ohne die Menschen zu sehr vor den Kopf zu stoßen. Das kann man dem Film vorwerfen - oder genau dies als seine Stärke ansehen.

Das Verschleiern der eigenen Herkunft ist dem Hauptdarsteller übrigens aus der eigenen Familie bestens bekannt: Der Vater von Kad Merad, Mohamed, ebenfalls Schauspieler, ließ sich von allen Rémi nennen. Damit vermied er es, dass andere über seine Herkunft nachdachten. Sein Sohn Kad (der unter dem Namen Kaddour Merad in Algerien geboren wurde und in Frankreich aufgewachsen ist) hat sich dagegen entschieden, seinen Namen in Francois Merad zu ändern, er ließ aber die 2. Silbe seines Namens wegfallen - als kleines Zugeständnis sozusagen. Manchmal sind sich Film und Realität eben doch näher, als es auf den ersten Blick erscheinen mag.

(Greta Lorez)

Daten & Fakten

Produktionsland: Frankreich
Produktionsjahr: 2010
Länge: 102 (Min.)
Verleih: Arsenal Filmverleih
Kinostart: 13.01.2011

Cast & Crew

Regie: Olivier Baroux
Drehbuch: Eric Besnard, Nicolas Boukhrief, Olivier Baroux, Jean-Paul Bathany, Stéphane Ben Lahcene
Kamera: Arnaud Stefani
Schnitt: Richard Marizy
Musik: Martin Rappeneau
Hauptdarsteller: Kad Merad, Philippe Lefebvre, Roland Giraud, Valérie Benguigui, Guillaume Gallienne

MEINUNGEN

Ihre Meinung zu diesem Film (Felder mit * müssen ausgefüllt sein)

Bisherige Meinungen

(Anzeige: 5 von insgesamt 5)
Von: hamdimendi am: 03.08.11
guter Film
Von: Henri am: 16.02.11
schöner, lustiger, intelligent gebaute Film. Schauspieler super in der Rolle. It's only Movie, but I like it!
Von: Apple am: 29.01.11
Der film hört sich sehr spannend an mit den Problemen die der hat.
Von: Laura am: 16.01.11
eine wirklich gute Komödie, die an der sonnengebadeten Côte d´Azur spielt, mit auch ernsthafteren Momenten, die zum nachdenken anregen. Ist alles dabei!!!
Von: Servus am: 13.01.11
Ein Film zum Nachdenken. ICh liebe sowas. Werde mir anschauen

Partner

  • Deutsche Film- und Medienbewertung
  • Arthaus Filme
  • Filmförderung Baden-Württemberg
  • Filmfest München