Zurück zur Übersicht

Dracula Untold

Meinungen
5

3 Sterne aus 135 Bewertungen

Kinostart: 02.10.2014
FSK: 12
Genre: Fantasy, Action
Tags: Vampir, Dracula, Fledermaus, Bram Stoker

Wie er wurde, was er ist

Betrachtet man sich Dracula Untold, merkt man schon, dass hier das Chaos regierte. Ganze Subplots wurden entfernt, Figuren ebenso, andere neu ausgerichtet, jede Menge Material verworfen und wochenlang nachgedreht. Das Ergebnis ist ein schlanker 90-Minüter, der unterhaltsamer ist, als man das erwarten durfte.

Fürst Vlad (Luke Evans) verbrachte seine Kindheit bei den Türken, wo er zu einem harten Soldaten gedrillt wurde. Nun herrscht er über Transsilvanien, aber der Sultan Mehmet (Dominic Cooper) fordert von ihm tausend Jünglinge, darunter auch seinen Sohn, für die eigenen Truppen. Vlad widersetzt sich, weswegen er den Zorn des Sultans auf sich zieht. Während Mehmet mit seinen Truppen vorrückt, handelt Vlad verzweifelt. Er sucht einen Vampir auf und erlangt dessen Kraft. Wenn er drei Tage dem Blutdurst widerstehen kann, wird er wieder ein Mensch, aber kann das dem Sohn des Drachen gelingen?

Man merkt dem Film schon an, dass er ein wenig gehetzt wirkt. Ein bisschen fehlt das notwendige Fleisch auf den Knochen, einige Figuren bleiben sträflich untercharakterisiert. Im Besonderen gilt dies für Cooper als schurkenhafter Sultan. Der Mime ist hier verschwendet, er enthält keinerlei Entfaltungsmöglichkeit. Stattdessen gehört der Film ganz und gar Luke Evans, der endgültig beweist, dass er einen Film tragen kann. Und nicht nur das: Er wirkt in einem phantastischen Sujet einfach großartig. Evans bringt die nötige Gravitas mit, den Ernst, der nötig ist, um eine übernatürliche Figur auch größer als das Leben erscheinen zu lassen. Er spielt nicht, er ist eine Präsenz.

Die Idee, Draculas Werdegang zu zeigen, ist nicht übel, die Umstände hätten etwas aufwendiger sein können. Wie es endet, ist natürlich jedem bewusst, der Weg ist hier aber das Ziel. Zwar spielt Dracula Untold dabei hauptsächlich auf einer altbekannten Story-Klaviatur, das aber recht routiniert. Wie schon bei Bram Stoker’s Dracula von Francis Ford Coppola ist es auch hier die Liebe, wegen derer sich Dracula ins Verderben stürzt. Das macht ihn menschlicher, als es viele Inkarnationen dieser Figur vor ihm waren, wobei der innere Kampf darum, seine Menschlichkeit nicht zu verlieren, durchaus noch etwas weiter hätte ausgearbeitet werden können.

Schön ist der Anfang des Films, der kurz die Vorgeschichte anreißt und dabei auf Momentaufnahmen setzt. Das erinnert an die Scherenschnitttechnik-Montage von Coppolas Film, aber natürlich mit gänzlich anderer, moderner Technik. Dieser Anfang bereitet jedoch gefühlsmäßig den Boden für das, was kommt. Man kann sich von dieser phantastischen Geschichte durchaus mitreißen lassen, weil sie zugleich auch einer klassischen Tragödie folgt, steht am Ende doch das größte Opfer, das ein Mensch bringen kann.

Die Actionsequenzen mit dem sich ständig in Fledermäuse verwandelnden Dracula, der sich durch die türkischen Truppen kämpft, ist visuell sehr ansprechend geworden, das Finale bleibt aber unter seinen Möglichkeiten, da der Kampf der beiden Erzfeinde recht unspektakulär daherkommt. Zudem gibt es einen angehängten Epilog, der wohl die Fortsetzung vorbereiten soll, für sich stehend aber wie ein Fremdkörper wirkt.

Alles in allem ist Dracula Untold ein guter Film. Die Schwächen werden von den Stärken mehr als ausgeglichen. Allein, er hätte mehr als das sein können. Und dennoch: Diese Neuinterpretation von Dracula hat ihren Reiz, und das nicht nur für Bewunderer von Bram Stokers Roman.

(Peter Osteried)

Daten & Fakten

Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2014
Länge: 92 (Min.)
Verleih: Universal Pictures International Germany
Kinostart: 02.10.2014

Cast & Crew

Regie: Gary Shore
Drehbuch: Matt Sazama, Burk Sharpless
Kamera: John Schwartzman
Schnitt: Richard Pearson
Musik: Ramin Djawadi
Hauptdarsteller: Charles Dance, Charlie Cox, Dominic Cooper, Luke Evans, Sarah Gadon, Zach McGowan, Samantha Barks

MEINUNGEN

Ihre Meinung zu diesem Film (Felder mit * müssen ausgefüllt sein)

Bisherige Meinungen

(Anzeige: 5 von insgesamt 5)
Von: jessi am: 12.11.14
ich hoffe das der Film so schön ist wie die Beschreibung von dem Filmsonst wäre mein Geburtstag versaut.
Von: Sukkulenz am: 26.10.14
Die Geschichte an sich war ein wenig enttäuschend. Einfach nicht so, wie man sich Draculas Vorgeschichte als der erste und Urvater aller Vampire vorstellt. Als Prequel zu Bram Stoker's Roman würde ich den Film eher weniger sehen. Trotzdem schmälert das nicht das Endergebnis: Nämlich ca. 90-minütigen Kinospaß, der den Zuschauer in eine ferne Welt entführt und dort fesselt, sodass man selbst nach Ablauf des Nachspanns am liebsten gar nicht aufstehen will. Als Draculas Vorgeschichte finde ich den Film nicht gerade befriedigend, doch als eigenständige Geschichte, losgelöst von dem eigentlichen Vorbild, ist der Film schlichtweg genial. Am liebsten gleich noch mal anschauen!
Von: Vladimir am: 19.10.14
Insgesamt ein guter Film? Peter Osteried's Urteil mag ich da doch nicht teilen. Von der Idee her soll der Film wohl ein Prequel zu Bram Stoker's Roman sein; da ist es natürlich konsequent, die Geschichte des rumänischen Fürsten, 'Vlad, der Pfähler', aufzugreifen, der im 15. Jhd. gegen das osmanische Reich kämpfte und durchaus Pfählen als Tötungsart praktizierte. Meines Erachtens überwiegen die Schwächen des Films: Zu offensichtlich wurde mehr Wert auf Effekte als auf die Entwicklung der Geschichte gelegt. Ein gerade 'neu geborener' Vampir kämpf allein gegen 1000 Türken? Waren es Millionen von (sicher computeranimierter) Fledermäuse, die Vlad von einer Festung aus mit seiner Händen lenkte? Für eine schöne Schauergeschichte war das alles 'too much'. Nach wie vor bleibt Polanski's "Tanz der Vampire" der beste Vampirfiolm aler Zeiten! ;-)
Von: @Ash am: 12.09.14
Ist noch nicht bekannt. Grüsse, Mike
Von: Ash am: 12.09.14
Ich hoffe, der Film hält was der Trailer verspricht. Ab welcher FSK ist der Film eigentlich freigegeben? Gruß Ash

Partner

  • Deutsche Film- und Medienbewertung
  • Arthaus Filme
  • Filmförderung Baden-Württemberg
  • Filmfest München