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Die Mondverschwörung

Meinungen
5

4 Sterne aus 85 Bewertungen

Kinostart: 21.04.2011
FSK: 12
Genre: Dokumentarfilm
Tags: Antisemitismus, Mond, Esoterik
 

Wie Hitler an den Südpol kam

Dass man "lechts" und "rinks" leicht "velwechsern" kann, wusste schon der Dichter Ernst Jandl. Der Dokumentarfilmer Thomas Frickel verwirrt uns nun noch mehr – auf eine herrlich vergnügliche Weise. Ob Mondgymnastik oder Hitler-Ufos, ob gutes Wasser oder böse Juden, ob alternative Esoterik oder brauner Sumpf, das kommt alles in den Topf der Realsatire. Trotzdem schmeckt diese Suppe erstaunlich gut. Die Bauchschmerzen kommen vor allem von den Lachmuskeln.

Dabei ist das Thema, das sich der Rüsselsheimer Satiriker vorgeknöpft hat, erst mal gar nicht lustig. Etwa 50 Prozent der zahlreichen und zum Teil höchst erfolgreichen esoterischen Bücher, die jedes Jahr erscheinen, enthalten antidemokratisches oder sogar antisemitisches Gedankengut. Und: Von allen Veröffentlichungen entfallen rund 20 Prozent auf den esoterischen Bereich. Aber Thomas Frickel macht aus solchen Zahlen keinen Aufklärungsunterricht. Stattdessen nimmt er den Zuschauer mit auf eine ebenso vergnügliche wie irritierende Reise. Genauer gesagt, er lässt den Chefreporter des amerikanischen Fernsehsenders DDC-TV, Dennis Mascarenas, dieses unaufhaltsame Einsickern in den braunen Sumpf erleben.

Mascarenas ist keine Figur mit erfundenem Namen oder falscher Biografie. Er ist tatsächlich bei diesem Sender angestellt und hat mit Frickel schon bei dessen Satire Deckname Dennis (1996) zusammengearbeitet. Der etwas korpulente Amerikaner ist der Schlüssel für den Humor dieses Films. In seiner fülligen Gestalt und den tapsigen Bewegungen erinnert er ein wenig an Michael Moore. Aber anders als Moore gibt Mascarenas nicht den Ankläger. Er wirkt naiv und beruft sich auf die legitime Journalistenpflicht, dass man schon immer mal wissen wollte, wie das denn mit dem Hitler war, als der von den Außerirdischen gerettet und per UFO an einen sicheren Ort am Südpol verfrachtet wurde. Der Reporter ist einerseits der geborene Komödiant. Aber er versteht es genauso gut, nicht mehr als eine fragende Miene zu verziehen, wenn ihm erklärt wird, dass ein gesundes Wasser die Beschallung mit Pop-Musik ganz schön übel nimmt.

Kurzum, Mascarenas fühlt sich in seine Gesprächspartner ein. Damit löst er erstaunliche Redeschwälle aus, die von einem lang aufgestauten Missionsdrang herzurühren scheinen. Offenbar braucht man nur einmal kurz anzuklopfen – schon öffnet sich eine Tür in eine schier unglaubliche Welt, die einen durch das nächste Tor in wieder andere Ungeheuerlichkeiten entlässt, bis man am Ende des Labyrinths gar nicht mehr weiß, wie man da je wieder herausfinden soll.

Wir beginnen also mit der Frage, wem der Mond gehört. Ob es rechtmäßig ist, dass ein amerikanischer Immobilienmakler namens Dennis Hope Tausende Hektar Mondlandschaft verkauft. Oder ob der Mond doch eher das Eigentum des Deutschen Martin Jürgens ist, dessen Vorfahren Friedrich der Große den Erdtrabanten geschenkt haben soll. Von da landen wir bei einem Mineralwasser, das bei Vollmond abgefüllt wird, und bei einer Kosmetik, die ebenfalls die kosmischen Kräfte des romantischen Himmelsobjekts in sich aufnimmt. Über einen recht abwegigen Minderheitsvertreter der Anthroposophie geraten wir irgendwann an die Ariosophie, worüber uns der Mond zwischendurch ganz abhanden kommt. Viel eher ist jetzt die Rede von den Juden und ihrer angeblichen Weltverschwörung, von den Nordvölkern und davon, dass Frau Merkel bei ihrem Besuch in den USA unter dem Einfluss von Plutonium zur Jüdin umgepolt wurde.

Natürlich kann man dem Film vorhalten, dass seine Stärke – nämlich diesen unglaublichen Sog von immer obskureren Theorien zu erzeugen – zugleich seine Schwäche ist, nämlich jegliche Esoterik über denselben Kamm zu scheren. Thomas Frickel hält verschmitzt dagegen, dass er schließlich nur am ganzheitlichen Urglauben festhalte, dass alles mit allem zusammenhänge. Wie dem auch sei: Frickels Film ist äußerst unterhaltsam (selbst wenn man ihn um fünf bis zehn Minuten hätte kürzen sollen). Und er überlässt die Bewertung dem Zuschauer. Das ist bei einem solch aufgeheizten Thema nicht das geringste Verdienst.

(Peter Gutting)

Daten & Fakten

Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2010
Länge: 85 (Min.)
Verleih: W-Film
Kinostart: 21.04.2011

Cast & Crew

Regie: Thomas Frickel
Drehbuch: Thomas Frickel
Kamera: Thomas Frickel
Schnitt: Thomas Frickel
Musik: Dietmar Staskowiak

MEINUNGEN

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Bisherige Meinungen

(Anzeige: 5 von insgesamt 5)
Von: Drafi am: 09.06.14
Unterschwellig und scherzhaft wird immer klargemacht Masceranias, würde sich so ein Bild von en Deutschen machen :-)
Von: ccw am: 19.07.12
Den Film DIE MONDVERSCHWÖRUNG gibt e jetzt auch als legalen download oder stream www.onlinefilm.org/de_DE/film/40452 oder als DVD über www.mondverschwörung.de Übrigens den Vorgänger Film Deckname Dennis gibt es da auch als download in recht guter Qualität ( kein VHD rip) und der Regisseur Thomas Frickel bietet die Filme selber an www.onlinefilm.org/de_DE/film/21529!
Von: Deedeepete am: 25.04.11
Auf jeden Fall interessant, auch wenn ich mir mehr Hintergrundinformationen zu dem Gesehenen gewünscht hätte.
Von: Arnewpunkt am: 04.03.11
Absolut sehenswert! Sehr erfreulich ist auch der Auftritt von Guido Westerwelle, der sich offenbar auch gerne von einer Mondschein-Friseurin die Haare machen lässt. Man denkt die ganze Zeit "Jetzt kann es aber nicht mehr schlimmer werden!" - und es kommt doch noch schlimmer!
Von: Christian am: 08.01.11
Sicherlich kein Film, den man sich eigentlich angucken würde. Habe ihn in der Snaek gesehen und muss sagen: ich wusste nicht, was für schräge Typen es in Deutschland gibt, der Film ist absolut empfehlenswert! Unbedingt die Zeit nehmen!

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