Berlinale Wettbewerb
Frankreich in der Zeit nach dem Ende Napoléons: Der Kriegsheld General Armand de Montriveau (Guillaume Depardieu), der von zahlreichen Schlachten gezeichnet ist und als Andenken an vergangene Heldentaten hinkt, bewegt sich recht ungeschickt in der feinen Pariser Gesellschaft. Als er auf die kapriziöse und einem Flirt nicht abgeneigte Herzogin Antoinette de Langeais (Jeanne Balibar) trifft, steht er sofort in Flammen und will die verheiratete Frau erobern. Diese aber ist lediglich amüsiert und an einem harmlosen kleinen Flirt interessiert und hält den Verehrer an der langen Leine. Immer wieder gibt sie seinen Hoffnungen neue Nahrung, um dann im Moment höchster Spannung den platonischen Liebhaber wieder aufs Abstellgleis zu verschieben, immer harrscharf am Rande gesellschaftlicher Konventionen und Schicklichkeiten balancierend. Doch sie übertreibt ihr Spiel, vielleicht führt sie den General auch wissentlich an seine Abgründe, testet aus, welche Demütigungen sie ihm noch zufügen kann, bis er endlich reagiert. Eines Tages ist es soweit: Armand de Montriveau lässt die Angebetete entführen. Doch wer nun glaubt, dass statt endlosen amüsanten Wortgefechten Taten folgen, sieht sich getäuscht: Der General will lediglich einmal ausreden, will die Last seiner geschundenen Seele loswerden. Und tatsächlich bewegt die Tat etwas in der Herzogin, denn nun ist auf einen Schlag sie es, die den knorrigen Kriegshelden liebt. Doch wieder finden die beiden keine Basis für ihre Verbindung, und so steuert die seltsame Liebe der beiden auf ein unglückliches Ende zu…
Mit großer Liebe zum Detail, die sich vor allem in der exquisiten Ausstattung manifestiert, haben sich Regiealtmeister Jacques Rivette und seine Co-Autor Pascal Bonitzer der Romanvorlage von Honoré de Balzac angenommen und weite Dialogpassagen des Buches adaptiert. Trotz dieser Werktreue aber fehlt dem Film von Rivette die Leichtigkeit der Plaudereien, die Eleganz des Geschlechterkampfs und die Ahnung für die gegenseitigen Verletzungen, die sich das Paar hier beim Ringen um die Liebe zufügt. Bei der Besetzung weiß vor allem Jeanne Balibar zu überzeugen, wenngleich ihre Stimme teilweise zu zurückgenommen agiert. Insgesamt aber fehlt es dem Film an Leichtigkeit und Bewegung, oftmals wirkten Szenen wie abgefilmtes Theater. Ausgesprochene Balzac-Fans werden möglicherweise an dem Film ihre Freude haben, wer denn großen französischen Romancier allerdings noch nicht kennt, bekommt wenig Lust, sich mit dem umfangreichen Werk Balzacs näher zu befassen.
(Joachim Kurz)
Mit großer Liebe zum Detail, die sich vor allem in der exquisiten Ausstattung manifestiert, haben sich Regiealtmeister Jacques Rivette und seine Co-Autor Pascal Bonitzer der Romanvorlage von Honoré de Balzac angenommen und weite Dialogpassagen des Buches adaptiert. Trotz dieser Werktreue aber fehlt dem Film von Rivette die Leichtigkeit der Plaudereien, die Eleganz des Geschlechterkampfs und die Ahnung für die gegenseitigen Verletzungen, die sich das Paar hier beim Ringen um die Liebe zufügt. Bei der Besetzung weiß vor allem Jeanne Balibar zu überzeugen, wenngleich ihre Stimme teilweise zu zurückgenommen agiert. Insgesamt aber fehlt es dem Film an Leichtigkeit und Bewegung, oftmals wirkten Szenen wie abgefilmtes Theater. Ausgesprochene Balzac-Fans werden möglicherweise an dem Film ihre Freude haben, wer denn großen französischen Romancier allerdings noch nicht kennt, bekommt wenig Lust, sich mit dem umfangreichen Werk Balzacs näher zu befassen.
(Joachim Kurz)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Die Herzogin von Langeais
Originaltitel:
Ne touchez pas la hache
Produktionsland:
Frankreich, Italien
Produktionsjahr:
2006
Länge:
137 (Min.)
VERÖFFENTLICHUNGEN
CAST & CREW
Regie:
Jacques Rivette
Hauptdarsteller:
Jeanne Balibar, Anne Cantineau, Michel Piccoli, Guillaume Depardieu, Bulle Ogier
FILMBEWERTUNG
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Bisherige Kommentare
(Anzeige: 1 von insgesamt 1)
Von: am: 17.02.07
ein gaaanz (gähn) furchtbar langweiliger Film, meine größte Berlinale-Enttäuschung.
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