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Die große Versuchung - Lügen, bis der Arzt kommt

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Originaltitel: The Grand Seduction
Kinostart: 10.07.2014
FSK: o.Al.
Genre: Komödie
Tags: Dorf, Remake, Arzt, Cricket, Investor, Toronto 2013, Neufundland, Filmfest München 2014

Eine altmodische Geschichte

Remakes frankokanadischer Komödien sind nichts Neues, Die große Versuchung – Lügen, bis der Arzt kommt ist dann aber doch noch mal etwas ganz anderes. Denn dies ist das erste innerkanadische Remake. Don McKellar hat den französischsprachigen Film Die große Verführung aus dem Jahr 2003 in englischer Sprache neu verfilmt – und mit Star-Besetzung.

Der kleine Küstenort Tickle Head ist nicht mehr das, was er einmal war. Früher waren die Männer hier Fischer, harte Arbeiter, die die Familie ernährten und die kleinen Momente des Glücks genossen. Aber mit dem Fischfang lässt sich kein Geld mehr verdienen. Praktisch jedermann lebt von der Sozialhilfe, aber das soll nicht immer so sein. Eine große Fabrik könnte sich in Tickle Head ansiedeln, aber es gibt eine Bedingung: Ein Arzt muss vor Ort sein. Dummerweise ist es sehr schwer, einen Mediziner überzeugen zu können, in das 120-Seelen-Örtchen zu ziehen. Da trifft es sich gut, dass der Schönheitschirurg Paul (Taylor Kitsch) gezwungenermaßen einen Monat in Tickle Head praktizieren will. Der gewiefte Murray (Brendan Gleeson) entwickelt einen Plan, um dem Arzt Tickle Head richtig schmackhaft zu machen. Alle Einwohner machen dabei mit, für Paul eine Scharade abzuziehen, die ihn dazu bringen soll, einen mehrjährigen Vertrag zu unterschreiben und der ansässige Arzt zu werden.

Die große Verführung ist kein kanadischer Klassiker, der unbedingt nach einem Remake geschrien hätte, aber er ist auch unbekannt genug, dass eines nicht schadet. Auf dem Filmfest München fragte Regisseur Don McKellar nach dem Film das Publikum, wer denn das Original gesehen hätte. Niemand, wie sich herausstellte. "Und nun ist es auch nicht mehr nötig", kommentierte McKellar trocken. Recht hat er, denn Die große Versuchung ist ein wunderbares Feel-Good-Movie, das vor traumhaft schöner Kulisse in Neufundland gedreht worden ist.

Eigentlich ist es in der Gegend oft neblig, aber im Sommer, da dieser Film gedreht wurde, konnte man sich über Sonnenschein erfreuen. Ein Jahrhundertsommer, so meinten die Einwohner, gerade so, als hätte der Wettergott selbst ein wachsames Auge auf diesen Film geworfen.

Die große Versuchung wartet mit einem sehr klassischen Gefühl auf. Komödien wie diese werden heute kaum noch gemacht, starke charakterorientierte Geschichten, die nicht auf den kleinsten gemeinsamen Nenner schielen, sondern den Mut aufbringen, auch sozialkritische Töne anzuschlagen. Denn der Hintergrund der Geschichte mit der in Trümmern liegenden Fischerei bietet ein realistisches Fundament, auf dem auch die etwas überzogeneren Methoden, mit denen Murray und seine Freunde Paul von der Schönheit Tickle Heads überzeugen wollen, zur Geltung kommen. Mitunter schrammt der Film nur knapp an handelsüblichen Klischees vorbei, vermeidet es aber immerhin auch, ausgetretene Pfade zu beschreiten. Dass zwischen der Postbeamtin Kathleen und Paul nie so richtig die Funken sprühen, ist konsequent, dass zwischen beiden eine gewisse Anziehungskraft besteht, aber auch nicht wegzudiskutieren. Aber dazu muss man auch sagen, dass das fast unumgänglich ist, gibt es in ganz Tickle Head doch kaum Frauen und Männer, die im gleichen Alter wie Kathleen und Paul wären.

Der wirkliche Reiz des Films ergibt sich aber daraus, wie die Dorfbewohner ihre Scharade immer weiter aufziehen, um ihren kleinen Ort zu retten. Dass sie vorgaukeln, Cricket-Fans zu sein, ist noch eine der harmloseren Ideen, die unter Federführung von Murray umgesetzt werden. Der Humor rangiert dabei von albern bis gewieft, wobei er die Exzentrik der Neufundländer mehr als einmal in den Mittelpunkt rückt.

Die große Versuchung ist ein visuell und akustisch einschmeichelnder Film, der grandiose Landschaftsaufnahmen mit einem irischen Wurzeln bedienenden Score kombiniert und so charmant daherkommt, dass man selbst kleinere Schwächen gerne verzeiht. Brendan Gleeson ist Herz und Seele des Films, aber auch Taylor Kitsch liefert eine erstaunlich differenzierte Darstellung eines Softies ab, die seinem Image gänzlich zuwiderläuft. Vergnüglicher als hier können knapp zwei Stunden kaum vergehen.

(Peter Osteried)

Daten & Fakten

Produktionsland: Kanada
Produktionsjahr: 2013
Länge: 113 (Min.)
Verleih: Wild Bunch Germany / Central Film
Kinostart: 10.07.2014

Cast & Crew

Regie: Don McKellar
Drehbuch: Ken Scott, Michael Dowse
Kamera: Douglas Koch
Schnitt: Dominique Fortin
Musik: Maxime Barzel, Paul-Étienne Côté, Francois-Pierre Lue
Hauptdarsteller: Gordon Pinsent, Brendan Gleeson, Liane Balaban, Taylor Kitsch, Rhonda Rodgers

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Bisherige Meinungen

(Anzeige: 1 von insgesamt 1)
Von: P. Biedermann am: 04.10.14
Einer der Filme bei dem mir dieses Dauergrinsen in mein Gesicht gezaubert wird. Literarisch und mit wundervollen Bildern erzählt. 2 Stunden können das nicht gewesen sein! Absolut sehenswert!

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