Eine Frau schlägt sich durch
Nur selten gibt es Kinofilme, die ihren Schwerpunkt auf eine Sportart legen und zu großen Erfolgen werden. Im letzten Jahr hat es ein Film zu einem Welterfolg geschafft und dazu beigetragen, dass eine mit vielen Vorurteilen besetzte Sportart aus einem neuen Blickwinkel gesehen wurde: The Million Dollar Baby widersprach der allgemeinen Meinung, Boxen sei nur etwas für harte Kerle, die nicht viel im Kopf haben und alles daran geben, sich auf dieselbe zu schlagen. Besonders in der ersten Hälfte ist Clint Eastwoods Film ein Sportfilm, der den Zuschauern Einblick in den Boxsport gewährt und mit den Vorurteilen spielt: Hilary Swank in der Rolle der boxenden Maggie hat es beim Training schwer, sich gegen die anderen Boxer durch zu setzen und kann nur mit viel Geduld, Ausdauer und Mut erreichen, dass sie von ihrem Trainer ernst genommen wird und in den Ring steigen kann. Im Kielwasser des Erfolges von The Million Dollar Baby rückte auch in Deutschland das Frauenboxen in den Mittelpunkt: Regina Hallmichs Erfolge als Fliegengewichts-Weltmeisterin wurden mit Respekt betrachtet. Sie durfte sogar mit Stephan Raab in den Ring steigen und auf diese Weise eines der großen Fernsehereignisse des Jahres prägen.
Die Wirkungsweise des Boxens macht sich nun ein neuer Film zunutze: Die Boxerin erzählt die Geschichte der 19jährigen Joe, die wahrhaftig einen Sinn im Leben nötig hat: Sie wirft einen Job nach dem anderen hin, ihr Vater lebt nicht mehr und ihre arbeitslose Mutter trinkt. Der latent aggressiven Joe brennen in ihre Orientierungslosigkeit schon mal die Sicherungen durch. Voller Frust fährt sie auf ihrem alten Mofa durch die brandenburgische Provinz, und das einzige, wobei ihr nicht gleich „das Kotzen kommt“, ist Boxen. Anfangs völlig demoralisierst und mit viel Mühe und Überwindung der eigenen, selbstgesetzten Grenzen und Ängsten, trainiert sie hart, und am Ende muss Joe ihren ersten großen Kampf bei den Amateurmeisterschaften in Berlin bestehen. Der Weg dahin ist allerdings hart und voller Rückschläge: Joe schafft es nur langsam, sich gegen die Jungs im Boxclub durchzusetzen, und Streitereien mit ihrer Mutter machen ihr das Leben schwer – Joe muss sich im wahrsten Sinne des Wortes auch im Leben durchboxen. Aber Joe findet ihren Weg, und nachdem sie eine Reihe von Schlägen im Ring und im Leben eingesteckt hat findet sie ihren eigenen Trainings-Rhythmus. Als Joe den Kampf gewinnt steht ihr die eigene Überraschung ins Gesicht geschrieben und es wird deutlich, dass sie noch ganz am Anfang ihrer Entwicklung als Mensch und als Boxerin steht.
Die Boxerin muss sich den Vergleich mit The Million Dollar Baby gefallen lassen, Parallelen sind offensichtlich. Aber der Vergleich der deutschen Low-Budget-Produktion mit dem Werk des Hollywood-Stars Eastwood hinkt: Eastwoods Maggie kennt keinen Blick zurück, kein Nein kann sie aufhalten, unabänderbar steht sie im Box-Studio. Sie besitzt die Eigenschaften, die Joe in Die Boxerin fehlen: Durchhaltevermögen, Selbstbewusstsein, Leidenschaft und Konzentration muss sich Joe erst noch aneignen, statt dessen überwiegen bei Joe Frust, Wut und Angst, die sie nach und nach im Ring in Kraft umwandelt. Joe ist eine Figur der deutschen Wirklichkeit und zeigt das Stimmungsbild einer ostdeutschen Provinz ohne greifbare Zukunft. In Die Boxerin fehlt der Hollywood-Pathos, der The Million Dollar Baby in seiner zweiten Hälfte so kitschig und melodramatisch erscheinen lässt.
Katharina Wackernagel überzeugt als boxende Joe und bringt ihre Rolle mit den unterschiedlichen Varianten sehr gut. Auch die Nebenrollen sind angemessen besetzt: Fernsehliebling Manon Strachè als trinkende Mutter zu sehen ist sehr überzeugend, genau wie Fanny Staffa, Devid Striesow und Winfried Glatzeder.
Die Boxerin wurde bereits auf vielen internationalen Festivals gezeigt und ist auf dem 12. Internationen Filmfest Oldenburg mit dem German Independence Award als bester deutscher Film ausgezeichnet worden.
(Holger Lodahl)
Die Wirkungsweise des Boxens macht sich nun ein neuer Film zunutze: Die Boxerin erzählt die Geschichte der 19jährigen Joe, die wahrhaftig einen Sinn im Leben nötig hat: Sie wirft einen Job nach dem anderen hin, ihr Vater lebt nicht mehr und ihre arbeitslose Mutter trinkt. Der latent aggressiven Joe brennen in ihre Orientierungslosigkeit schon mal die Sicherungen durch. Voller Frust fährt sie auf ihrem alten Mofa durch die brandenburgische Provinz, und das einzige, wobei ihr nicht gleich „das Kotzen kommt“, ist Boxen. Anfangs völlig demoralisierst und mit viel Mühe und Überwindung der eigenen, selbstgesetzten Grenzen und Ängsten, trainiert sie hart, und am Ende muss Joe ihren ersten großen Kampf bei den Amateurmeisterschaften in Berlin bestehen. Der Weg dahin ist allerdings hart und voller Rückschläge: Joe schafft es nur langsam, sich gegen die Jungs im Boxclub durchzusetzen, und Streitereien mit ihrer Mutter machen ihr das Leben schwer – Joe muss sich im wahrsten Sinne des Wortes auch im Leben durchboxen. Aber Joe findet ihren Weg, und nachdem sie eine Reihe von Schlägen im Ring und im Leben eingesteckt hat findet sie ihren eigenen Trainings-Rhythmus. Als Joe den Kampf gewinnt steht ihr die eigene Überraschung ins Gesicht geschrieben und es wird deutlich, dass sie noch ganz am Anfang ihrer Entwicklung als Mensch und als Boxerin steht.
Die Boxerin muss sich den Vergleich mit The Million Dollar Baby gefallen lassen, Parallelen sind offensichtlich. Aber der Vergleich der deutschen Low-Budget-Produktion mit dem Werk des Hollywood-Stars Eastwood hinkt: Eastwoods Maggie kennt keinen Blick zurück, kein Nein kann sie aufhalten, unabänderbar steht sie im Box-Studio. Sie besitzt die Eigenschaften, die Joe in Die Boxerin fehlen: Durchhaltevermögen, Selbstbewusstsein, Leidenschaft und Konzentration muss sich Joe erst noch aneignen, statt dessen überwiegen bei Joe Frust, Wut und Angst, die sie nach und nach im Ring in Kraft umwandelt. Joe ist eine Figur der deutschen Wirklichkeit und zeigt das Stimmungsbild einer ostdeutschen Provinz ohne greifbare Zukunft. In Die Boxerin fehlt der Hollywood-Pathos, der The Million Dollar Baby in seiner zweiten Hälfte so kitschig und melodramatisch erscheinen lässt.
Katharina Wackernagel überzeugt als boxende Joe und bringt ihre Rolle mit den unterschiedlichen Varianten sehr gut. Auch die Nebenrollen sind angemessen besetzt: Fernsehliebling Manon Strachè als trinkende Mutter zu sehen ist sehr überzeugend, genau wie Fanny Staffa, Devid Striesow und Winfried Glatzeder.
Die Boxerin wurde bereits auf vielen internationalen Festivals gezeigt und ist auf dem 12. Internationen Filmfest Oldenburg mit dem German Independence Award als bester deutscher Film ausgezeichnet worden.
(Holger Lodahl)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Die Boxerin
Produktionsland:
Deutschland
Produktionsjahr:
2005
Länge:
105 (Min.)
Verleih:
Stardust Filmverleih
VERÖFFENTLICHUNGEN
Kinostart:
09.02.2006
CAST & CREW
Regie:
Catharina Deus
Hauptdarsteller:
Katharina Wackernagel, Fanny Staffa, Manon Straché, Winfried Glatzeder, Devid Striesow
FILMBEWERTUNG
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Bisherige Kommentare
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Von: Oliver am: 09.10.07
Starker Film - dank STARKER Schauspielerin : Katharina Wackernagel - sie spielt nicht nur gut, sonder sieht auch noch verd... gut aus -
ausgezeichnete Rollenbesetzung - hoffe man sieht noch einiges mehr von ihr !!!
Der Film ist leider etwas zu kurz - man hätte noch ein wenig mehr auf das Boxtraining eingehen können und den Fakt, dass das Boxen zum Sinn in ihrem Leben wird, der ihr doch so gefehlt hat ! Alles in Allem - ein Film den man sich nicht entgehen lassen sollt - STARK !!!
Von: Marco am: 28.11.06
Super Film!!! Richtig gut! Tolle Schauspieler, gute Story... BRAVO!!!
Von: @Loki am: 11.09.06
Interessanter wäre eine solche Meinung, wenn Sie auch begründet werden würde.
Von: LOKI am: 11.09.06
Schlechter geht es kaum!
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