David Wants to Fly

Kinostart: 06.05.2010
FSK: o.Al.
Leserbewertung:
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Mit David Lynch auf den Spuren der fliegenden Menschen

David Lynch ist wohl so ziemlich jedem Cineasten ein Begriff. Seine Werke haben eine ganze Generation junger Filmemacher inspiriert. So auch David Sieveking. Frisch von der Filmhochschule sucht er nun nach einem guten Projekt, einer Idee zu seinem ersten Werk. Doch die Inspiration lässt ihn im Stich. So wendet er sich an seinen Filmguru David Lynch, der zufällig in einem kleinen Kaff in den USA eine Rede über Tranzendentale Meditation (TM) hält. Was nicht viele wissen, der Regisseur ist seit Jahrzehnten Anhänger dieser Lehre, die kein Geringerer als die Ikone des 1960er Jahre Hippe-Mystizismus Maharishi Mahesh Yogi erfunden hat. So richtig bekannt wurde dieser, als die Beatles und Mia Farrow mit ihm meditierten und mehrere Monate bei ihm in Indien verbrachten. Dort lernten sie Maharishis Yoga Techniken, die später unter dem Namen Tranzendentale Meditation (TM) bekannt wurden und sich weltweit verbreiteten. Wenn man also in einer Sinnkrise steckt und sein großes Vorbild einem empfiehlt mal ein bisschen für den inneren Frieden zu meditieren, dann tut man das.

So begibt sich David Sieveking auf den Weg eines TM-Schülers, der erstmal mit einer Spende über eine beträchtliche Geldsumme beginnt. Dafür führt man ihn auf den erleuchteten Pfad des Meisters und lehrt ihn das Meditieren, das - so die Lehre - einmal zum yogischen Fliegen dienen kann. Sieveking dokumentiert mit sanfter Ironie den Selbstversuch ein besserer Mensch zu werden. Dabei führt ihn sein Weg auch in das TM Hauptquartier, zu anderen Anhängern und auch immer wieder zu David Lynch. Solange der junge Filmemacher unkritisch bereit ist zu glauben, was er hört wird er stets freundlich eingeladen. Doch Sieveking beginnt zu zweifeln und geht der Frage nach, ob TM nicht eigentlich eine Sekte ist.

Die Dokumentation kommt zweigeteilt daher. Einerseits geht es um die Geschichte und jüngsten Ereignisse rund um das TM Geschehen, andererseits geht es um den Regisseur selbst, der sein Leben und seine Beziehung ebenfalls in den Vordergrund rückt und damit versucht die persönliche Seite eines TM Praktizierenden zu portraitieren. So richtig gelingen mag ihm das leider nicht. Dazu ist Sieveking zu interessiert sich als coolen Berliner Jungfilmer darzustellen, der mit flapsigem Humor seine Filme dreht und ihnen damit das zurzeit beliebte "Bloß nicht zu ernst nehmen" Label gibt. Interessanterweise fängt er aber damit ein kleines Stück Berliner Realität ein und zeigt ein wenig aus der jungen Medien- und Filmszene, die gerade beginnt eine neue Welle deutschen Filmschaffens zu kreieren. Uninteressant ist das nicht, passt aber nur schwerlich zum anderen Teil der Dokumentation: der Frage, ob TM nun eine Sekte ist und was dort hinter den Kulissen passiert. Hier bemüht sich Sieveking möglichst umfangreich zu recherchieren und hat Glück. Man gewährt ihm Einlass in die Hauptzentrale, er darf mehrmals mit David Lynch konferieren und ist sogar bei der Beerdigungszeremonie des Maharishi vor Ort. Herrlich auch die Aufnahmen aus der Urania in Berlin, als ein TM Vertreter erklärt man habe den Teufelsberg gekauft, um dort yogische Flieger anzusiedeln, die für die "Unbesiegbarkeit Deutschlands" meditieren.

David wants to Fly ist eine durchaus interessante, wenn auch nicht konstante Dokumentation, die es sich aber allein des Objekts ihrer Investigation wegen zu sehen lohnt.

(Beatrice Behn)

DATEN & FAKTEN

ÜBERBLICK

Titel: David Wants to Fly
Produktionsjahr: 2010
Länge: 96 (Min.)
Verleih: Neue Visionen

VERÖFFENTLICHUNGEN

Kinostart: 06.05.2010

Trailer

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FILMBEWERTUNG

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Bisherige Kommentare (Anzeige: 5 von insgesamt 11)
Von: Stefan am: 17.04.11
Was immer David Lynchs Quellen seines Schaffens sind, David Sieveking sollte sie auch anzapfen. Finde den Film durch und durch kleinkariert und peinlich.
Von: Susanne Hagen am: 29.05.10
Perfekt in das "Jahr der Wahrheit" 2010 und seine Enthüllungen passt dieser Film über die TM-Organisation und ihre "Weltregierung". David Sieveking hat mit Gespür, Gründlichkeit und mehrfach dem Glück des richtigen Zeitpunkts rund um die Welt Informationen, Bilder, Interviews zu Maharishi und seine Praktiken zusammengetragen. Sehr unterhaltsame Erkenntnisse bis zum Schluss - vor allem dieser lässt mich das Kino erhellt und beglückt verlassen. Reingehen! Es lohnt sich!
Von: Martin K. am: 20.05.10
Habe den Film gestern Abend im Düsseldorfer Bambi gesehen. Unabhängig von der Thematik des Films und jenseits eines Urteils über die dokumentarische Vorgehensweise Sievekings oder die Seriosität der Maharishi-Vereinigung kann ich eines festhalten: Ich wurde berauscht. Die stellenweise umwerfende Bildgewalt und die m.E. perfekte Auswahl der musikalischen Untermalung haben mich einen Abend lang in einen Status der Zufriedenheit versetzt, wie sie bisher kein Hollywood-Film aus mir hervor locken konnte. Dafür nehme ich gerne auch die in meinen Augen recht plump daher plätschernden "Studentenleben"-Passagen inkl. kleinbürgerlicher Beziehungskrise in Kauf, die vielleicht eher in einem Film wie "13 Semester" unterzubringen wären. Zum "Schmarotzer"-Vorwurf, dass Sieveking sich allzu sehr an Lynchs ruhmreiche Fersen kletten würde: Ja, Dokumentarfilmer mögen nunmal lästige Fliegen sein - aber wir Zuschauer schnappen sie uns eben gerne mit unserer Zunge, wenn sie sich so richtig voll gesogen haben, und lassen uns das Festmahl schmecken.
Von: Andreas am: 20.04.10
Ich habe den Film auf der Berlinale gesehen und kann ihn nur empfehlen. Ein gut inszeniert und durchdachter Dokumentarfilm, der sich offen und nicht einseitig mit dem Grundthema auseinandersetzt. Ein leichtfertiger Umgang mit dem Thema kann ihm nicht vorgeworfen werden, denn er scheut nicht die Dinge vor Ort(Indien) auf ihren Wahrheitsgehalt zu untersuchen. In großartigen Bildern und mit Humor, wird hier eine schlüssige und teilweise poetische Geschichte erzählt, die nebenbei den Mut aufbringt auch den Autoren des Filmes selbstironisch zu hinterfragen. Spätestens an dieser Stelle muss man dem Film zugestehen, dass sich der Zuschauer seine eigene Meinung zum Thema bilden soll und darf. Wenn ein Film soetwas schafft, ist das grundsätzlich schon mal sehr intelligent. Soviel zu der Kritik, der Film sei dumm.
Von: Rupendra am: 22.02.10
Der Film ist die Chance einer kompromisslosen und fairen Vergangenheitsbewältigung seitens der TM Organisation. Das Kleben an alten Feindbildern auf beiden Seiten bringt keinen Fortschritt. Die Kritikpunkte aufgreifen und an einer Veränderung und Aufarbeitung arbeiten. Wo ist das Problem? Klagen und Rechtsanwälte seitens der TMO sind das falsche Signal. Kompromisslose und faire Bilanz und eine neue Bereitschaft zur Kommunikation auf beiden Seiten sind das Credo der Zeit. Gut würde der TMO eine Betonung der eigenen Urteilskraft, Kritikfähigkeit, Selbständigkeit und Freiheit stehen statt des Eindrucks von Dogma und Fanatismus. Kein Anspruch auf die alleinige Lösung aller Probleme. Keine Heilsversprechen und keine Konkurrenz zur Lufthansa (Yoga Flieger). Keine Reduzierung der Persönlichkeitsbildung allein auf eine Technik. Eine nachvollziehbare, seriöse und offene Finanzpolitik zu Preisen, die sich jeder leisten kann. Und das Wichtigste, es muss nicht jeder TM meditieren oder überhaupt meditieren, also kein Eindruck von Missionierungsgehabe und den Anschein einer Nur-wir-retten-die Welt-Philosophie. Und bitte keine Unbesiegbarkeits- Schulen, Türme, Unis, etc. sondern eine Sprache, die auch auf der Straße verstanden wird.
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