Die Unwiderrufbarkeit des Todes

Es ist eine der schmerzhaftesten Situationen, die man sich vorstellen kann: Mutter und Vater streiten sich mit ihrer Tochter, die deshalb im Zorn das Haus verlässt. Das Mädchen fällt einem Verbrechen zum Opfer. Die Chance der Versöhnung ist für auf alle Ewigkeit zerstört. Jahr um Jahr werden sich die Eltern quälen und bereuen, wie sie sich in den letzten Stunden des Zusammenseins verhalten haben.

Diese dramatische Geschichte ist eine der Schlüsselszenen im Film Das letzte Schweigen. Ein 13-jähriges Mädchen verschwindet nach einem Wortgefecht mit den Eltern und taucht nicht wieder auf. Was ist mit Sinikka passiert? In derselben Kleinstadt wurde bereits vor 23 Jahren die junge Pia getötet.

Für seinen zweiten Spielfilm Das letzte Schweigen widmet sich Regisseur Baran bo Odar oberflächlich betrachtet einer Kriminalgeschichte. In erster Linie geht es ihm aber um den emotionalen Zustand seiner Figuren. Er konnte ein hervorragendes Ensemble mit den besten Schauspielern, die Deutschland zu bieten hat, gewinnen: Wotan Wilke Möhring, Burghart Klaußner (Das weiße Band), Katrin Sass (Good Bye, Lenin!), Sebastian Blomberg, Karoline Eichhorn und einige andere.

Man fragt sich also, wieso er ihnen dermaßen platte Dialoge in den Mund legt. Wenn Kommissar David Jahn (Sebastian Blomberg), von einer Depression geplagt, da seine Frau vor kurzem an Krebs gestorben ist, Elena Lange (Katrin Sass), die Mutter von Pia, fragt: "Wann hört das auf?" dann spricht der fernsehkrimiversierte Zuschauer die Antwort mit schlafwandlerischer Sicherheit mit: "Nie". Der Tatort lässt grüßen.

Bo Odar will mit seinem Film zu viel erreichen und das ist an manchen Stellen wohl sein Manko. Der Films leidet an seiner dick aufgetragenen Dramatik, an seiner Überambitioniertheit und der Schwarz-Weiß-Malerei der Charaktere, die eher schablonenhaft als komplex daherkommen. Von allem gibt es hier zu viel. Die Polizisten reagieren aggressiv, der Vater dreht nach dem Verschwinden seiner Tochter auf der Polizeiwache durch, Katrin Sass als Mutter des ermordeten Mädchens ist eiskalt.

Eine Stärke des Films: Er gibt keine leichtfertigen Antworten und Interpretation. Die Motive des Kinderschänders und -mörders bleiben im Dunklen. Eine großartige Leistung zeigt Wotan Wilke Möhring als Familienvater Timo, der unter seinen pädophilen Neigungen leidet, aber gleichzeitig keine Rettung findet. Dieser Protagonist macht Das letzte Schweigen zu seinem sehenswerten Film, nimmt er sich doch dieses Tabuthemas differenziert an. Bo Odars Film erzeugt auf der Gefühlsebene trotz mancher inhaltlichen Schwächen letztlich eine Stimmung, der man sich nicht entziehen kann. Man verlässt das Kino mit einem beunruhigenden Gefühl.

(Annette Walter)

DATEN & FAKTEN

ÜBERBLICK

Titel: Das letzte Schweigen
Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2010
Länge: 110 (Min.)
Verleih: NFP marketing & distribution

VERÖFFENTLICHUNGEN

Kinostart: 19.08.2010

Trailer

Fotogalerie

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FILMBEWERTUNG

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Bisherige Kommentare (Anzeige: 5 von insgesamt 8)
Von: Zuschauer am: 20.04.11
In der Kritik oben wird behauptet, das der Film eine "dick aufgetragene Dramatik" beinhaltet. Also tut mir leid, aber diese bei dieser Thematik muss solch ein Film das ja wohl auch. Sehr guter Film!
Von: Iro am: 25.08.10
Super Film. Keine Ahnung, wer hier von flachen Dialogen ect. spricht. Endlich mal wieder ein Film ohne unnötiges rums bums... Es werden einfach extreme Charaktere dargestellt und es gibt keine Rolle die einfach nur so mitspielt. Aber nicht nur die Rollen, alles in diesem Film hat eine feste Bedeutung. Ob Neubausiedlung oder Wohnblocks, einfach extrem gute Umsetzung. Super deutscher Film, Hut ab vor dem Drehbuchautor !!! Der Film geht unter die Haut
Von: totoro am: 03.08.10
habe den Film in der Sneak gesehen und fand ihn großartig. Ich hatte richtig Gänsehaut und fand die Schauspieler super. Komisch, wie unterschiedlich ein Film aufgenommen werden kann. Ich kann ihn auf jeden Fall weiter empfehlen!
Von: Saskiosen am: 01.08.10
Dialoge sehr sehr schwach, Geschichte an sich sehr spannend, aber leider viel zu lang. Hätte man locker in 90 Minuten packen können.
Von: DasLetzteVergeigen am: 02.07.10
Stereotype, uninteressante Reißbrett-Charaktere, flache Dialoge, effekthaschend in unnötiger Breite, aber zumindest visuell anspruchsvoll umgesetzt. Die Schauspieler, allen voran Wotan Wilke Möhring, leisten aber innerhalb der inhaltlichen Grenzen, die ihnen das Drehbuch setzt, zumindest gute Arbeit.
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