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Bergfest

Meinungen
2

5 Sterne aus 84 Bewertungen

Kinostart: 08.07.2010
FSK: 12
Genre: Drama
Tags: Regisseur, Vater-Sohn-Beziehung

Vater und Sohn auf dem Vulkan

Kann man mit 50.000 Euro einen guten Film machen? Ja, wenn man sich auf zehn Drehtage, eine Berghütte und vier hervorragende Schauspieler beschränkt. Florian Eichinger hat in seinem Langfilmdebüt bewusst auf Fördergelder verzichtet. Er wollte unabhängig bleiben und keine zwei oder drei Jahre um die Finanzierung ringen. Das hat sich gelohnt: Bergfest ist ein intensives Drama mit einer beeindruckenden Figurenkonstellation.

Wenn die Mittel schmal sind, muss man aus Wenigem viel machen – mit Andeutungen, Symbolen, Metaphern. So wird schon aus der ersten Einstellung, dem Aufstieg zur Berghütte, ein vieldeutiges Bild. Ann (Anna Brüggemann) und Hannes (Martin Schleiß) stapfen durch den Schnee, er trägt sie auf dem Rücken, weil sie eine leichte Gehbehinderung hat. Trägt da einer des anderen Last?

Kurz vor dem Ziel entdeckt das Paar andere Fußspuren. Kein Zweifel: Aus den zweisamen Tagen auf der familieneigenen Hütte wird wohl nichts. Ohne dass Hannes davon wusste, will auch sein Vater (Peter Kurth) dort Urlaub machen. Das Problem dabei: Die beiden haben sich seit acht Jahren nicht gesehen und Hannes hat überhaupt keine Lust, sich den Gespenstern seiner Vergangenheit zu stellen. Genau dazu will ihn aber Ann zwingen. Sie vermutet, dass Hannes nur „mit angezogener Handbremse“ lieben kann, weil er das Zerwürfnis mit seinem Vater verdrängt. Genauso neugierig auf die geheim gehaltenen Dramen dieser Familie ist Lavinia (Rosalie Thomass), die neue Freundin des Vaters.

Zwei verkrachte Männer und zwei übergriffige Frauen – das ist der Stoff eines zum Zerreißen gespannten Beziehungsnetzes. "Vulkane haben etwas Lebendiges", sagt der Vater einmal, als die Vier nach einer halsbrecherischen Bergtour auf dem Gipfel sitzen. Nur: Eigentlich sind in den oberbayerischen Alpen, wo das Ganze spielt, keine Vulkane zu sehen. Nur ein "Faltengebirge", das über Jahrtausende bleibt, wie es ist. Ein schönes Bild: In der vergletscherten Vater-Sohn-Beziehung brodelt es.

Als Hommage an Das Fest / Festen von Thomas Vinterberg (1997) hat Florian Eichinger seinen Film konzipiert. Das ist etwas hoch gegriffen, denn der Dogma-Klassiker entfaltet seinen Vater-Sohn-Konflikt deutlich wuchtiger und stringenter. Dagegen liegt die Stärke von Bergfest mehr in der Vierer-Konstellation, die in der Abgeschiedenheit der kleinen Hütte eine faszinierende Dynamik entfaltet. Es genügt die kleinste Andeutung oder Frage, schon gerät das mühsam stabilisierte Gleichgewicht erneut ins Rutschen. Jede dieser vier Figuren schleppt so viel Ballast mit sich herum, dass sie sich gegenseitig eigentlich nur weiter herunterziehen können.

Aber – und das ist ein kluger Schachzug des Drehbuchs – die Leichen im Keller führen nicht in einen Strudel der Zerstörung. Stattdessen hält der Regisseur eine schöne Balance zwischen dem Abwärtssog aufgedeckter Lebenslügen und der Kraft, die daraus entsteht, dass sich die Figuren ihren Herausforderungen stellen. Der Titel Bergfest verweist in seiner umgangssprachlichen Bedeutung darauf, dass jemand die Hälfte des Weges geschafft hat, "über dem Berg" ist und feiern darf. Sowohl Hannes als auch sein Vater waren reif für diesen "Berg", der da seit Jahren vor ihnen stand. Dass der Abstieg ein fröhlicher ist, entspricht vielleicht nicht den tragischen Erwartungen, die ein solches Enthüllungsdrama weckt. Aber irgendwie Bergfest-gerecht ist es schon.

(Peter Gutting)

Daten & Fakten

Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2009
Länge: 89 (Min.)
Verleih: Bergfilm
Kinostart: 08.07.2010

Cast & Crew

Regie: Florian Eichinger
Drehbuch: Florian Eichinger
Kamera: Andre Lex
Schnitt: Jan Gerold
Musik: Daniel Vernunft, Iván Wyszogrod
Hauptdarsteller: Anna Brüggemann, Peter Kurth, Rosalie Thomass, Martin Schleiß

MEINUNGEN

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Bisherige Meinungen

(Anzeige: 2 von insgesamt 2)
Von: Karsten Voigt am: 15.04.11
Watt? Mich hatter umgehauen! Und wieso überhaupt Nordwand? Weil da auch Berge drin sind?
Von: Melanie Kleist am: 03.10.10
Gut gemeint, aber nicht berührend. Darstellerführung ist kaum vorhanden. Das habe ich bei Nordwand besser gesehen!

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