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Ässhäk - Geschichten aus der Sahara

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3.0 Sterne aus 2 Bewertungen

Kinostart: 24.06.2005

Von Kamelen und Menschen

Ässhäk ist ein Wort aus der Sprache der Tuareg und bezeichnet den respektvollen Umgang miteinander, eine Art Verhaltenskodex, wie der Erzähler in Ulrike Kochs gleichnamigem Film berichtet. Und die Filmemacherin selbst präzisiert diesen zentralen Begriff in einem Interview zu ihrem Film: "Es ist die Verpflichtung zu guter Erziehung, zu Herzensbildung, Geduld, zu nobler Zurückhaltung und Würde. Es hat auch viel mit Frauen zu tun: Wenn ein Mann einer Frau gefallen will, so muss er Ässhäk üben. Er gibt sich alle Mühe, schön und würdevoll aufzutreten und sich gegenüber der Frau niemals brutal zu verhalten. Wenn ein Targi (männl. Tuareg) eine Frau schlägt, wird er geächtet. Interessant ist auch, dass dieser für uns doch etwas abstrakte Begriff Ässhäk über den Klang der einsaitigen Geige, den Imzâd, wirkt. Die Tuareg sind vom Klang dieses Instrumentes vollkommen fasziniert und empfinden dabei ganz stark den Zusammenhalt und die Stärke ihrer alten Kultur."

Nach dem großen Erfolg ihres Films Die Salzmänner von Tibet begibt sich Ulrike Koch vom buddhistischen in den islamischen Lebensraum und zeigt in faszinierenden, kontemplativen Bildern eine Welt, die einzigartig schön, schlicht und würdevoll ist. Im Mittelpunkt des Films steht eine Tuareg-Familie, die es zuließ, dass die Filmemacherin und ihr Team sie acht Wochen lang begleiteten. Wie Ulrike Koch gesteht, konnte sie das Eis zwischen den Tuareg und sich brechen, indem sie ihnen ihren Film Die Salzmänner von Tibet zeigte. Die Reaktion darauf war erstaunlich, denn nach der Vorführung sagten die Tuareg: "Ja, das sind unsere Brüder und Schwestern in Tibet." Danach hatten die Nomaden genau verstanden, was die Filmemacherin zeigen wollte.

Unwillkürlich vergleicht man die Welt der Tuareg mit der eigenen und entdeckt so viel Bemerkens- und Nachahmenswertes, dass die Segnungen der (eigenen) Zivilisation merkwürdig schal und abgestanden wirken. In der Wüste ist davon recht wenig zu spüren, eine Nescafé-Dose oder ein Plastikkanister nehmen sich in der harten Welt der Wüste fremdartig aus. Der Blick auf eine geheimnisvolle und uralte Kultur, die von Entbehrungen, Überlebenskampf und der Fähigkeit zur Anpassung geprägt wird, gerät beinahe beiläufig zur Nabelschau und zu einer Überprüfung des eigenen Seins. Mehr kann Film eigentlich kaum leisten. Und schön, wenn er es in so erlesenen, stellenweise an einen Traum gemahnenden Bildern tut.

Daten & Fakten

Produktionsland: Deutschland, Schweiz, Holland
Produktionsjahr: 2003
Länge: 110 (Min.)
Verleih: Pegasos Film
Kinostart: 24.06.2005

Cast & Crew

Regie: Ulrike Koch

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