Filme

Certain Women

Kelly Reichardt ist eine Meisterin des Minimalismus: Seit ihrem Debüt "River of Grass" (1994) hat sie eine Reihe von Kurz- und Langfilmen realisiert, die sich durch eine ruhige Erzählweise und subtile Vermittlung von Gefühlen und Konflikten auszeichnen. In Michelle Williams hat sie eine Schauspielerin gefunden, die den Nuancenreichtum ihrer Werke mimisch und gestisch perfekt umzusetzen vermag.

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Dirty Grandpa

Ähnlich wie der zügellose Rentner Dick Kelly in Dan Mazers Brachialkomödie "Dirty Grandpa" scheint Schauspielschwergewicht Robert De Niro im Spätherbst seiner Karriere vor allem ein Ziel zu verfolgen: Spaß haben. Anders lässt sich die Rollenwahl des "Taxi Driver"-Stars nicht erklären, die vereinzelt erfreulich – etwa im Fall von "Silver Linings" –, häufig aber ärgerlich bis peinlich ausfällt, wie "Killing Season", "Malavita – The Family" oder "Motel Room 13" belegen.

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The Free World

"Zeig' mir einen Helden, und ich schreibe dir eine Tragödie", soll der US-Autor F. Scott Fitzgerald einmal gesagt haben. Auch Jason Lew verbindet in "The Free World" das Heroische mit dem Tragischen: Der Regiedebütant, der bereits als Drehbuchautor (bei Gus Van Sants "Restless"), Schauspieler und Kameramann aktiv war, schildert eine Geschichte, die sehr emotional, aber niemals sentimental ist.

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Deadpool

Technisch gesehen sei das ja Mord, kommentiert Wade Wilson (Ryan Reynolds) ein eingefrorenes Szenenbild, in dem er als Superheld Deadpool auf hochgereckten, bluttriefenden Schwertern einen bulligen Mann aufgespießt hält. Mord? Eher liegt Selbstverteidigung vor. Hier wie anderswo übertreibt der ehemalige Special-Forces-Mann mal wieder gnadenlos.

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The Boy (2016)

Die Gefahr bei einer Geschichte, die den Zuschauer mit der Frage konfrontiert, ob das Gezeigte real oder eingebildet ist, ist immer, dass es einen logischen Bruch geben kann. Wenn etwas passiert, das eigentlich nicht möglich sein sollte. Einen solchen Moment gibt es auch bei "The Boy". Er findet zu Beginn des Finales statt, er reißt dem Film aber nicht den Boden unter den Füßen weg.

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Polder – Tokyo Heidi

Wer im Lexikon nachblättert, was das Wort "Polder" bedeutet, wird erstaunt sein: "Polder werden niedrig gelegene, eingedeichte Geländeteile genannt, die sich in der Regel in unmittelbarer Nähe zu Gewässern befinden." Aha. "Im Hochwasserschutz werden so genannte Polder häufig eingesetzt", steht da außerdem. So weit, so gut. Was dies wiederum mit dem im Titel von "Polder – Tokyo Heidi" verwendeten Wort zu tun hat, bleibt rätselhaft.

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Wild (2016)

Anni (Lilith Stangenberg) ist IT-Spezialistin – dient ihrem Chef Boris (Georg Friedrich) aber zumeist dazu, ihn im Büro mit Kaffee zu versorgen. Die junge Frau lebt allein in Halle in einer Wohnung im Plattenbau und versichert ihrer jüngeren Schwester Jenny (Saskia Rosendahl) zu Beginn via Skype: "Ich bin okay hier!" Als sie auf dem Weg zur Arbeit einen Wolf sieht, wird Anni aus ihrer Lethargie gerissen.

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Erschütternde Wahrheit

Die erschütternde Wahrheit ist, dass jeder gerne zur Seite schaut. Wenn es ums Geld geht, wenn es ums Geschäft geht, selbst wenn es nur um das liebste Hobby geht. Die Show muss weitergehen, wer dabei auf der Strecke bleibt, ist den meisten herzlich egal. Das ist die Geschichte dieses Films, der die beliebteste Sportart der USA in den Fokus rückt, sich aber nicht um Football dreht, sondern um die Nachwehen, die mit einer Karriere in dieser Profession einhergehen.

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Gestrandet

"Monarchie und Alltag" nannte die Band Fehlfarben 1980 ihr heute legendäres Debütalbum, das zu Beginn der Neuen Deutschen Welle der damals bleiernen BRD innenpolitisch den Spiegel vorhielt wie keine andere Platte dieser Zeit. "Bürokratie und Alltag" hätte nun wiederum Lisei Caspers ihren berührenden Dokumentarfilm "Gestrandet" nennen können, entstanden just zur Zeit einer ganz anderen neuen deutschen Welle: Einer Welle der Solidarität sowie des persönlichen politischen Engagements vieler Bundesbürger im Umgang mit den Flüchtenden, die seit Monaten nach Europa strömen.

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Ungezähmt - Von Mexiko bis Kanada

Vier College-Absolventen aus Texas wollen auf die Probleme der wild lebenden Mustangs im Westen der USA aufmerksam machen. Die unter Artenschutz stehenden Tiere haben sich so stark vermehrt, dass sie das öffentliche Weideland gefährden. Deshalb müssen 50.000 Mustangs ihr Dasein in Gefangenschaft unter staatlicher Aufsicht fristen. Rancher, Cowboys und Pferdenarren dürfen diese Tiere adoptieren, aber es kostet Mühe, die Pferde an Menschen zu gewöhnen, sie gar einzureiten.

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The Intervention

Im Jahre 1983 zeigte der Filmemacher Lawrence Kasdan in der Tragikomödie "Der große Frust" eine Ex-College-Clique, die nach vielen Jahren wieder aufeinandertrifft. Die Schauspielerin Clea DuVall präsentiert in ihrem Drehbuch- und Regiedebüt "The Intervention" gewissermaßen ein Update dieses Werks, das insbesondere in den USA als moderner Klassiker gilt.

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Magical Girl

Es gibt gleich zwei magische Mädchen in Carlos Vermuts Film "Magical Girl": Das eine ist die 12-jährige Alicia (Lucia Pollan), die an Leukämie erkrankt ist und unbedingt einmal das Magical-Girl-Kleid tragen möchte, das einst die japanische Sängerin Megumi an hatte. Nachdem sie wieder ins Krankenhaus musste und ihr Vater Luis (Luis Bermejo) erfahren hat, dass sie ihren 13. Geburtstag nicht mehr erleben wird, setzt er alles daran, ihr diesen Wunsch zu erfüllen.

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Suffragette - Taten statt Worte

Ergreifend, starbesetzt und spannend entreißt "Suffragette – Taten statt Worte" die ersten Frauenrechtlerinnen dem Vergessen. Schaufensterscheiben einschlagen war gestern. In dieser Nacht ist der Sommersitz eines hohen Ministers an der Reihe. Die Zündschnur brennt wie eine Wunderkerze, aber die Explosion ist überhaupt nicht harmlos. Das gerade fertiggestellte Haus zerbirst in einem Feuerball. Die ausgelöste Druckwelle droht noch die zu erwischen, die das Dynamit gezündet haben und nun davonrennen – unter ihnen die Apothekerin und Sprengstoffmixerin Edith Ellyn (Helena Bonham Carter) und die Arbeiterin Maud (Carey Mulligan).

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Robinson Crusoe

Auf dem Schiff, mit dem Titelfigur in "Robinson Crusoe" stranden wird, bleibt der Kopf des gierigen Katers Pong zwischen den Gitterstreben eines Hühnerkäfigs stecken. Schreckhaft weicht Pong zurück, reißt dabei das Gitter mit ab und kann nur mit gewaltigem Pfoteneinsatz den Kopf aus dem Gitter drücken. Das fliegt nun dem Zuschauer scheinbar ins Gesicht, der wie getroffen zusammenzuckt. In solchen grandiosen 3D-Effekten prägt sich aus, dass dieser fulminante animierte Kinderfilm Groß und Klein eben nicht nur dabei, sondern mittendrin sein lässt.

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69 Tage Hoffnung

Mit Katastrophen aus jüngster Zeit ist das immer so eine Sache. So gut ein Film auch sein mag, leidet er doch immer daran, dass man die Geschichte nicht nur kennt, sondern sie zudem noch sehr gut vor Augen hat. Das mindert die Spannung immens – und das umso mehr, wenn der Titel so gewählt ist, dass einer möglicherweise löchrigen Erinnerung nachgeholfen wird.

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Projekt A

Moritz Springer und Marcel Seehuber gehen in "Projekt A" dem anarchischen Gedanken nach. Und schaffen ein filmisches Porträt nicht der Anarchie, sondern der Anarchisten. Eine Geschichte nicht der Möglichkeiten, der Notwendigkeiten, auch des Scheiterns, sondern eine Schilderung des Vollbrachten, der Initiative, der Aktion, der Ideen, des Erfolgs.

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Babai

"Kannst du serbisch?", fragt der Fahrer den Mann auf dem Beifahrersitz. Schon sind sie an einer Straßensperre, ein improvisierter Grenzübergang, ein halbuniformierter Milizionär kontrolliert die beiden misstrauisch.

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The Forest

Er ist sagenumwoben und unter Selbstmördern äußerst beliebt: der Aokigahara-Wald am Nordwesthang des Fuji, Japans heiligem Berg. Nach Gus Van Sants triefend sentimentalem "The Sea of Trees" erforscht nun der Horrorfilm "The Forest" diesen unheilvollen Schauplatz, was man einerseits konsequent und logisch finden kann, da verschlingendes Dickicht zu den Standard-Szenarien des Genres zählt.

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Ein Atem

Krise in Athen: Für eine Arbeitsstunde gibt es höchstens vier Euro, an so etwas wie die Gründung eines eigenen Hausstandes oder einer eigenen Familie ist nicht zu denken. Luxusprobleme in Frankfurt: Zum Wohl des Kindes muss die Excel-Tabelle mit dem Tagesablaufplan genauestens eingehalten werden. Elena (Chara Mata Giannatou) macht sich auf vom EU-Krisenland in das EU-Luxusland.

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Sex & Crime

Wenn gar nichts mehr geht, hilft die Haschpfeife zur Inspiration beim Schreiben. Theo (Fabian Busch) ist erfolgreich mit seinen Sex & Crime-Novels. Aber er ist kein Schriftsteller, darauf besteht er: Er ist Romancier. Und träumt natürlich vom großen relevanten Gesellschaftsroman, irgendwas mit Krankheiten oder Nazis. Vorerst aber sitzt er fest in den von ihm ersonnenen Stories. Besonders, nachdem ihn seine Frau verlassen hat.

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