FILM
Plötzlich ist sie da in dem Krankenhaus in einem kleinen Ort, einer Stadt am Meer, genauer an der Ostsee. Es ist der Sommer des Jahres 1980, und die Kinderärztin Barbara (Nina Hoss) wurde von der Berliner Charité hierher strafversetzt, nachdem sie es gewagt hatte, einen Ausreiseantrag zu stellen.
Der Titel des Regiedebüt der ansonsten als Schauspielerin und humanitärer Aktivistin bekannten Angelina Jolie ist ein intelligentes Wortspiel. Das türkische Wort für Honig, das türkische Wort für Blut: bal und kan. Und auch sonst ist Jolies Film von dieser Dichotomie bestimmt, von süßer Schönheit einerseits, von Blut und Tod andererseits. Jolies Film erzählt die Geschichte der muslimischen Ajla (Zana Marjanovic)und des serbischen Offiziers Danjiel (Goran Kostic), die sich vier Monate vor dem blutigen Balkankrieg kennen und lieben lernen. Doch schon ihr erstes Date endet mit einem Bombenanschlag und Blutbad, dem beide entkommen, nur um sich danach auf Feindesseite wiederzufinden.
Mehr als drei Jahre hat es gedauert bis die Idee, einen Gemeinschaftsfilm über Nazis auf dem Mond zu machen, in die Tat umgesetzt werden konnte und endlich auf großer Leinwand zu sehen ist. Das Besondere an "Iron Sky" ist seine Entstehung, die durch eine Schwarmfinanzierung zustande kam und dessen Drehbuch unter anderem durch Crowdsourcing entstand.
Gerade 17 Jahre alt war die Regisseurin Katja Fedulova, als sie im Jahr 1993 mitten in Sankt Petersburg von Männern in einem schwarzen Wagen überfallen wurde. Stunden später erwachte die junge Frau auf dem Bürgersteig, von blauen Flecken übersät, während die Passanten achtlos an ihr vorübergingen. Dies war der Auslöser für den Entschluss von Katjas Mutter, dass ihre Tochter ihr Glück in Deutschland versuchen solle.
Acht und Sechs – dies sind die beiden Zahlen, die die Welt des neunjährigen Oskar (Schnell Thomas Horn) beherrschen. Acht Minuten, das weiß er genau, dauert es, bis man auf der Erde im Falle einer Explosion der Sonne dies bei uns merken würde, bis bei uns die Welt untergehen würde.
Die Ausgangsidee ist durchaus reizvoll: Innerhalb von vier Tagen im Juli 1789 will Regisseur Benoît Jacquot die Untergangsstimmung am Vorabend der Französischen Revolution erfassen. Dabei geht es ihm weniger um die Massen auf den Straßen von Paris oder die Spitzen der Politik – sein Blick richtet sich auf die einfachen Dienstboten am Hofe von Versailles.
Venedig ist ein beliebter Handlungsort für Film und Literatur. Der Stadt zwischen den Kanälen haften ebenso ein Hauch von Vergänglichkeit wie Romantik und Zauber an, sie ist häufig Übergangsraum und sie zieht die wunderlichsten Geschichten an. Carlo Mazzacurati zeigt in seinem neuesten Dokumentarfilm "6 x Venedig" eine ganz andere und mindestens genauso faszinierende Seite von Venedig: "die Lagunenstadt im Spiegel ihrer Bewohner", Venedig als Wohnort und Wirkungsstätte und als Raum des Alltäglichen.
Wie gut er junge Darsteller führen kann, stellte Regisseur Christoph Barratier in seinem berührenden und ziemlich erfolgreichen Debüt "Die Kinder des Monsieur Mathieu" unter Beweis – 2004 ein Überraschungshit nicht nur in Frankreich, sondern auch in Deutschland.
1988 hielt das Schicksal dreier im arktischen Eis gefangener Grauwale die Welt in Atem. Es führte zu einer gigantischen zweiwöchigen Rettungsaktion am nördlichen Ende Alaskas, bei der sich Tierschützer, Armee, Politiker und Unternehmer zusammentaten und sogar ein sowjetischer Eisbrecher zu Hilfe gerufen wurde.
Zunächst einmal der irreführende Titel: Kein Schnee. Nirgends! Robert Guédiguians "Der Schnee am Kilimandscharo" spielt im sonnigen Marseille. Selbst Ernest Hemingways weltbekannte Kurzgeschichte steht nicht Pate für die Handlung, sondern das gleichnamige Chanson von Pascal Danel aus dem Jahr 1966. Es ist das Hochzeitslied von Michel (Jean-Pierre Darroussin) und Marie-Claire (Ariane Ascaride).
In Frankreich ist der August der Monat, in dem alles stillsteht. Die Menschen fliehen aus den Büros in den Urlaub, aus den Städten aufs Land – der Sommer bedeutet Aufbruch, Freiheit und, ja, Eskapismus. So ist es trefflich, dass Céline Sciamma ihren Film "Tomboy" in den großen Ferien spielen lässt, einer Zeit, in der die Kinder in jedem Land von allen Pflichten befreit sind.
"Manipulation" ist eine Verfilmung des 1962 erschienenen Romans und Schweizer Bestsellers "Das Verhör des Harry Wind" von Walter Matthias Diggelmann. Das Buch, das in Form einer spannenden und unterhaltenden Geschichte besondere Einblicke gewährt in die Funktionsweisen politischer Öffentlichkeitsarbeit und Meinungsbildung, war von realen Ereignissen im Kalten Krieg inspiriert, deren Ausmaße erst viel später bekannt wurden:
Der Film "The Music Never Stopped" erzählt von einer Familie, die wegen Politikstreitereien auseinanderbrach und 20 Jahre später durch Musik wieder vereint wird. Was ein anstrengendes Drama hätte werden können, ist ein großartiger Film geworden.
"Man versichert sein Haus und sein Auto, aber niemand kümmert sich darum, was er eigentlich mit seinen letzten Jahren anfangen will." Die pensionierte Philosophie-Professorin Jeanne (Jane Fonda) spricht eine bittere Wahrheit aus, der sie, ihr Mann Albert (Pierre Richard) und drei Freunde ins verwitterte Auge blicken müssen. Während Jeanne selbst eine schwere Krebserkrankung verheimlicht, plagen Albert zunehmend größer werdende Gedächtnislücken.
Manchmal ist es gar nicht so schlecht, wenn ein Drehbuch 18 mal überarbeitet wird. "Zu didaktisch" fand die Autorin und Regisseurin ihre ersten Entwürfe. Das kann man verstehen angesichts einer hochpolitischen, tagesaktuellen Geschichte um die Flüchtlingsdramen auf den Kanarischen Inseln.
Mavis Gary (Charlize Theron) war die Prom Queen der Highschool in ihrer kleinen Heimatstadt in Minnesota. Die Jahre als das begehrteste Mädchen der Schule waren die glücklichsten in ihrem mittlerweile 37-jährigen Leben. Das wird der Autorin einer Jugendbuchreihe für die weibliche Zielgruppe schlagartig bewusst, als sie einsam und verkatert in ihrer Hochhauswohnung in Minneapolis ihre Mails checkt.
Das Kino ist besessen von Geschichten von der Liebe und vom Tod. Dabei stellen diese beiden abstrakten Begriffe die Kunstform vor eine besondere Herausforderung, da sie umschrieben, symbolisiert, auf Umwegen erfahrbar gemacht werden müssen. Es gibt Bilder für den Sex und für das Sterben, für die Liebe und den Tod gibt es keine.
Man kann die Zweifel der jungen Mutter verstehen: Soll sie ihren Sohn wirklich in ein Internat geben, an dessen Strukturen sich seit 800 Jahren nichts Wesentliches geändert hat? Die beeindruckende Dokumentation von Paul Smaczny und Günter Atteln über den Leipziger Thomaner-Chor leistet beides: Sie gibt der Skepsis und den Widerständen Raum, lässt sich aber auch begeistern von einem Leben für die Musik, von dem Willen zu einer besonderen Leistung im Zusammenspiel einer anspruchsvollen Gemeinschaft.
Leopold Socha lächelt. Lächelt, als ihm Ignacy Chiger (Herbert Knaup) einen Handel unterbreitet, lächelt als sein alter Freund Bortnik sagt, die Deutschen seien das Beste, was den Ukrainern je passiert ist: "Und euch Pollacken auch." Der ukrainische Offizier ist ein militärischer Karrierist, und der stämmige Kanalarbeiter (Robert Wieckiewcz) will es ihm gleich tun.
Nach langen Jahren kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen kehrt in das Land im Nahen Osten allmählich Frieden ein. Selbst in einem weitgehend von der Außenwelt abgeschnittenen Dorf sprechen die Mitglieder der beiden Religionen wieder miteinander.
   
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Quelle: AG Kino
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