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The Saints - Sie kannten kein Gesetz

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Originaltitel: Ain't Them Bodies Saints
DVD-Start: 19.03.2015
FSK: 12
Genre: Drama
Tags: Verbrechen, Familie, Gefängnisausbruch, Liebesgeschichte, Filmfest München 2013, Deauville 2013

Die Schönheit der Melancholie

David Lowery bezeichnete seinen Film als eine Art "Folk Song", eine lyrische Ballade, die den Zuschauer auf eine Weise ansprechen soll, die konventionellen Filmen nicht möglich ist. Darum hat er seine im Texas der 1970er Jahre spielende Geschichte auch mit Figuren und Wendungen angereichert, die abseits des Gewohnten stehen.

Bob (Casey Affleck) wurde vor Jahren verhaftet, seine Frau ist davongekommen, weil er alle Schuld auf sich nahm. Nun bricht er aus und begibt sich auf eine lange Reise. Er will Ruth (Rooney Mara) und die Tochter, die er noch nie zu Gesicht bekommen hat, endlich wiedersehen. Doch die Flucht eröffnet nicht die Chance auf ein neues Leben, nur noch mehr Kummer.

The Saints – Sie kannten kein Gesetz ist ein langsam erzählter Film. Er lässt sich Zeit, die komplexen Figuren auszuloten, er nimmt sich die Freiheit, in Bildern zu schwelgen, die schon fast zu perfekt sind, um wahr zu sein. In erster Linie ist David Lowery eine Charakterstudie gelungen, aber auch eine Studie in Melancholie. Sie durchzieht den ganzen Film, zeugt von Leben, die aus der Bahn gerieten, von Träumen, die so sehr begehrt werden, aber auch so weit abseits jedweder Realitätsebene stehen. Es ist ein trauriger Film, den Lowery hier präsentiert, aber auch einer, der mit seiner immensen Schönheit punktet.

Es ist ein Film zum Fühlen. Die narrative Struktur kann dem nicht ganz gerecht werden. Einerseits hätte es der Film vertragen, etwas gestrafft zu werden, andererseits wären ein paar Erklärungen durchaus gut gewesen. So bleiben die drei Fremden in der Stadt nicht weiter durchleuchtet. Ihre Bedeutung muss quasi vom Zuschauer selbst erarbeitet werden, aber er hat nur wenig, womit er hier loslegen könnte.

So hat The Saints – Sie kannten kein Gesetz auch die Anmutung, dass Lowery nicht ganz sicher war, was er erzählen will. Er triumphiert, wenn es um die Bildgestaltung geht (großartige Leistung von Kameramann Bradford Young), und er kann sich auf seine zwei Hauptdarsteller ebenso wie die exzellenten Nebendarsteller – Ben Foster als mitleidiger Polizist und Keith Carradine als Vaterfigur – verlassen, nur die inhaltliche Komponente dieses ungewöhnlichen Gaunerfilms kann damit nicht ganz mithalten. Dennoch: Ein sehenswerter und interessanter Film für ein erwachsenes Publikum.

(Peter Osteried)
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Filme, die in Sundance, Rotterdam und Cannes gezeigt werden, wecken natürlich sehr hohe Erwartungen. Wenn ihnen dann noch der Ruf vorauseilt, an den jungen Terrence Malick zu erinnern, dann wird es schon fast schwierig, diese Erwartungshaltung noch irgendwie zu erfüllen. Umso schöner, dass The Saints - Sie kannten kein Gesetz diesem Druck stand hält und durchaus kraftvoll zeigt, was der amerikanische Independentfilm alles liefern kann, selbst wenn (oder gerade weil?) keine großen Studios hinter dem Projekt stehen.

Und tatsächlich erinnert der Film an Malicks Badlands mit all seiner Melancholie und seiner zurückhaltenden Dramaturgie. Aber er hat auch etwas von Arthur Penns Bonnie und Clyde. Ruth Guthrie (Rooney Mara) und Bob Muldoon (Casey Affleck) sind ein Paar im Texas der 1970er Jahre. Ruth ist schwanger von Bob, was das Dasein als Gangsterpaar eindeutig komplizierter gestalten wird. Bevor die beiden jedoch darüber nachdenken können, geraten sie in eine Schießerei mit der Polizei. Ruth erschießt einen Polizisten, aber Bob nimmt die Tat auf sich, um die Schwangere vor dem Gefängnis zu bewahren. Die beiden schwören sich die ewige Liebe und sie verspricht, auf ihn zu warten. Während Bob ins Gefängnis wandert, gebiert Ruth die gemeinsame Tochter, die sie von nun an alleine aufzieht. Sie wartet auf Bob und es ist klar – Zeit spielt keine Rolle, denn diese Liebe wird ewig währen. Eines Tages gelingt es Bob auszubrechen. Er macht sich auf die frenetische Suche nach Ruth und seinem Kind, doch es scheint, als hätten die beiden keine Chance auf eine Wiedervereinigung, denn die Polizei, allen voran Sergeant Wheeler (Ben Foster) bewachen die Frau rund um die Uhr.

Das klingt alles nach einem ganz typischen Gangsterfilm, doch The Saints - Sie kannten kein Gesetz ist dafür viel zu ruhig und elegisch. Es geht gar nicht so richtig um den Gangsteraspekt, viel mehr nutzt der Film des Erstlingsregisseurs David Lowery die Geschichte als Vehikel, die Einsamkeit zweier Liebenden, die getrennt von einander sind, zu untersuchen. Denn für den Großteil des Filmes sind die beiden weit entfernt und haben nur wenige Möglichkeiten miteinander Kontakt aufzunehmen. So handelt es sich hier eher um einen Film über Fernbeziehungen und den Preis, den die Liebe dafür zahlen muss (und an dem sie letztendlich auch oft scheitert). Zwar weist der Film hier und da streckenweise ein paar Langatmigkeiten auf (andere würden sagen, es handele sich hierbei um To The Wonder-Momente voller Innehalten und Stillstand), doch letztendlich beweist Lowery ein Händchen für sein seelentiefes Drama, das sich ganz und gar auf sein großartig agierendes Ensemble verlässt.

So fließt The Saints - Sie kannten kein Gesetz fast unmerklich tiefer und tiefer in das Herz des Zuschauers ein und am Ende stellt man fest, dass man so emotional verhaftet ist mit dem Film und seinen Charakteren, wie es nur ab und zu im Kino passiert. Schnell loslassen wird einen diese Geschichte also nicht. Am besten, man kauft sich danach gleich den ebenso großartigen Soundtrack und denkt mit Dankbarkeit daran, dass man es selbst (hoffentlich) nicht so schwer hat wie dieses ewig große Liebespaar.

(Beatrice Behn)

Daten & Fakten

Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2013
Länge: 105 (Min.)
Erschienen bei: Koch Media
Bildformat: 2,35:1 (16:9)
Ton/Sprache: Deutsch, Englisch (DTS, Dolby Digital 5.1)
DVD-Start: 19.03.2015
Extras: Untitled Ross Brothers Dokumentation, geschnittene Szenen, Musikvideo, Behind the Scenes, Outtakes, Trailer

Cast & Crew

Regie: David Lowery
Drehbuch: David Lowery
Kamera: Bradford Young
Schnitt: Craig McKay, Jane Rizzo
Hauptdarsteller: Keith Carradine, Casey Affleck, Ben Foster, Charles Baker, Rooney Mara, Rami Malek, Nate Parker, Heather Kafka

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