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Stop Making Sense – 30th Anniversary Edition (Blu-ray)

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DVD-Start: 27.02.2014
Genre: Dokumentation
Tags: Konzert, Talking Heads, David Byrne, Pantages Theatre

Das prätentiöse Selbstporträt der Talking Heads

Rund dreißig Jahre ist es her, da betritt ein Musiker in einem voluminösen hellen Anzug mit seiner Gitarre die Bühne des legendären Pantages Theatres in Los Angeles, gibt vor, einen urigen Kassettenrecorder mit Rhythmusklängen anzustellen und beginnt mit puristischer Intensität zu singen: "I can’t seem to face up to the facts, I’m tense and nervous and I can’t relax ..." – dieser wohl inszenierte Auftritt bildet den Auftakt einer der letzten Live performances der US-amerikanischen Band Talking Heads, die von Regisseur Jonathan Demme in den markanten Konzertfilm Stop Making Sense gebannt wurden.

Nach der beeindruckenden Solo-Darbietung David Byrnes von Psycho Killer treten allmählich auch die Bassistin Tina Weymouth, Schlagzeuger Chris Frantz sowie Jerry Harrison an Keyboard und Gitarre als Protagonisten der Talking Heads auf und starten effektvoll durch in eine Show mit außergewöhnlicher Lichtgestaltung, die sich in ihrer prozesshaften Dramaturgie zu einem großartigen Event der professionellen, musikalisch wie mimisch mitreißenden Selbstdarstellung einer Band auswächst, die auf dem Höhepunkt ihrer Karriere ein prätentiöses Porträt auswirft, das als brillantes Bühnenstück in die Musikgeschichte eingeht.

Wie akribisch kalkuliert und auf die Essenz der persönlichen Präsenz der Musiker fokussiert sich dieser seinerzeit avantgardistische Konzertfilm gestaltet, der nun erstmals auf Blu-ray bei Arthaus erscheint, bezeugt auch das ausführliche Bonusmaterial dieser 30th Anniversary Edition mit dem Audiokommentar der Talking Heads und des Regisseurs Jonathan Demme, einem monologischen Interview David Byrnes und einer Pressekonferenz mit der später verzwisteten Band, die 1999 im Rahmen des San Francisco International Film Festivals stattfand, wo der Film auch seine Premiere feierte, der als Beste Dokumentation mit dem Preis der National Society of Film Critics prämiert wurde. Als zusätzliche Songs werden hier Cities, Big Business und I Zimbra präsentiert, so dass insgesamt neunzehn Stücke der Talking Heads flankiert von emotional und mit Esprit gesteuertem Körpereinsatz der Musiker Eingang in diese Edition finden, die äußerst ansprechend dazu einlädt, das Phänomen Stop Making Sense einerseits intensiv zu erleben, wie darüber hinaus hintergründlich zu rekonstruieren. Dabei entsteht das lebhafte, dynamische Bild eines Projektes mit einer ganz eigenen, ausgeklügelten Geschichte und einem faszinierenden Resultat, das durch seine unmittelbare Erlebnisfähigkeit des Auftritts der Band besicht, deren Live-Publikum bis zum Ende der Show ausgeblendet bleibt. David Byrne stilisiert sich hier mit elegantem bis ekstatischem Ausdruck und Einsatz zu einem Magier der Musik herauf, der seine Songs durchlebt und durchleidet, dezent mit seinem Publikum spielt und sich sogar zwischenzeitlich von Bühne und Band entfernt, die von Musikern wie Alex Weir, Ednah Holt, Lynn Mabry und Bernie Worrell begleitet wird.

Technisch innovativ als erster Film komplett mit digitaler Audiotechnik ausgesattet gelingt Stop Making Sense das komplexe Kunststück, mit engagierter Präzision die betörende Atmosphäre eines geradezu erzählerischen Flusses in Gang zu setzen, dessen Geschichten sich klanglich und kommunikativ eingebunden als empfindungsreiche Episoden ereignen, die von existenziellen Aspekten wie Identität und Verlorenheit, aber auch von Momenten der Erfüllung tönen. Die puristische Poesie, die sich vor den Augen ihres Publikums scheinbar spontan entwickelt, vermag es mit lässiger Leichtigkeit, akustisch wie visuell zu fesseln, und ihre Analyse schmälert keineswegs ihre inspirierende Überzeugungskraft.

(Marie Anderson)

Daten & Fakten

Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1984
Länge: 88 (Min.)
Erschienen bei:
Bildformat: 1,78:1 (16:9) 1080/24p HD
Ton/Sprache: Englisch (DTS-HD MA 5.1)
DVD-Start: 27.02.2014
Extras: Audiokommentar von Regisseur und Band, David Byrne interviewt sich selbst, Pressekonferenz mit deutschen Untertiteln, Bonus-Songs "Cities", "Big Business" und "I Zimbra", Montage, Vergleich von Storyboard und Film

Cast & Crew

Regie: Jonathan Demme
Drehbuch: Jonathan Demme, Talking Heads
Kamera: Jeff Cronenweth
Schnitt: Lisa Day
Musik: David Byrne, Chris Frantz, Jerry Harrison, Talking Heads, Tina Weymouth

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