Ein Klassiker des frühen deutschen Kinos – frisch restauriert
Kaum zu glauben, dass dieser Film schon 80 Jahre alt ist und dass M – Eine Stadt sucht einen Mörder von Fritz Lang die Anfänge des Tonfilms in Deutschland markierte. Wer den Film einmal gesehen hat, der wird den souveränen Umgang Langs gerade mit der Tonebene (das Pfeifen des Mörders, das zu einem unverwechselbaren Leitmotiv des Filmes wird) ebenso wenig vergessen wie seine Bildsprache, die mit der berühmten und vielfach kopierten Einstellung in ein leeres Treppenhaus stilbildend für viele Generationen wirkte.
Doch M – Eine Stadt sucht einen Mörder überzeugt nicht nur durch die brillante formale Gestaltung, sondern auch durch einen famosen Peter Lorre in der Hauptrolle und durch seine dichte Schilderung der deutschen Gesellschaft am Ende der Weimarer Republik, als die Zerfallserscheinungen bereits unübersehbar waren. In M – Eine Stadt sucht einen Mörder zeichnet Lang das Bild einer Gesellschaft, der langsam, aber sicher das Gefühl für Rechtstaatlichkeit abhanden kommt. Unter dem Deckmantel der Gerechtigkeit jagen die als Ringvereine getarnten Verbrecherorganisationen, die sich in ihrem eigenen Tun durch die Mordserie gestört fühlen, den kranken Täter, weil sie dem schwachen Staat und seinen Organisationen nichts mehr zutrauen – ein mehr als deutlicher Hinweis auf die Nationalsozialisten, die zu Beginn der 1930er Jahre längst zu einem Staat im Staate geworden waren. Und die Figur des Verbrecherbosses "Der Schränker" (Gustaf Gründgens) erinnert nicht von ungefähr an den damaligen Propagandachef der NSDAP Joseph Goebbels. Der Film endet mit einem leidenschaftlichen Appell gegen Todesstrafe und Selbstjustiz und mit der eindringlichen Warnung an die Zuschauer, sie mögen Acht geben auf ihre Kinder – auch das ein Aufruf zur Wachsamkeit gegenüber den nationalsozialistischen Rattenfängern. Nicht nur wegen seiner politischen Klarsichtigkeit, sondern auch wegen seiner Scharnierfunktion zwischen expressionistischem Stummfilm und den späteren Hollywood-Werken Fritz Langs gilt M – Eine Stadt sucht einen Mörder als einer der wichtigsten deutschen Filme überhaupt. Seine faszinierende Wirkung ist auch heute noch nach acht Jahrzehnten deutlicher zu spüren als in vielen zeitgenössischen Kriminalfilmen und Thrillern.
Passend zum 80-jährigen Jubiläum ist der Film nun von Universum neu auf DVD herausgebracht worden – und zwar in einer komplett neu restaurierten Fassung, die sich sowohl dem Bild wie auch dem Ton widmete. Das Ergebnis kann sich sehen lassen – und zwar nicht nur hinsichtlich der Restaurierung, sondern auch wegen des Bonusmaterials.
Ausgestattet ist die DVD mit umfangreichem Extras: neben zwei Originaltonspuren findet sich ein Audiokommentar über den Film und die Parallelen zu Mordfällen jener Zeit und das Berlin der 1920er und 1930er Jahre. Außerdem gibt es eine Dokumentation, ebenfalls über die realen Hintergründe des Films, ein Featurette zur Dokumentation, ein Interview mit Fritz Lang, reichlich Material über die Restaurierung, ein umfangreiches Booklet und weiteres Material, das selbst filmhistorisch versierte Kenner der Materie überzeugen dürfte. Genau so und nicht anders sollte die Wiederveröffentlichung eines echten Filmklassikers aussehen.
(Joachim Kurz)
Doch M – Eine Stadt sucht einen Mörder überzeugt nicht nur durch die brillante formale Gestaltung, sondern auch durch einen famosen Peter Lorre in der Hauptrolle und durch seine dichte Schilderung der deutschen Gesellschaft am Ende der Weimarer Republik, als die Zerfallserscheinungen bereits unübersehbar waren. In M – Eine Stadt sucht einen Mörder zeichnet Lang das Bild einer Gesellschaft, der langsam, aber sicher das Gefühl für Rechtstaatlichkeit abhanden kommt. Unter dem Deckmantel der Gerechtigkeit jagen die als Ringvereine getarnten Verbrecherorganisationen, die sich in ihrem eigenen Tun durch die Mordserie gestört fühlen, den kranken Täter, weil sie dem schwachen Staat und seinen Organisationen nichts mehr zutrauen – ein mehr als deutlicher Hinweis auf die Nationalsozialisten, die zu Beginn der 1930er Jahre längst zu einem Staat im Staate geworden waren. Und die Figur des Verbrecherbosses "Der Schränker" (Gustaf Gründgens) erinnert nicht von ungefähr an den damaligen Propagandachef der NSDAP Joseph Goebbels. Der Film endet mit einem leidenschaftlichen Appell gegen Todesstrafe und Selbstjustiz und mit der eindringlichen Warnung an die Zuschauer, sie mögen Acht geben auf ihre Kinder – auch das ein Aufruf zur Wachsamkeit gegenüber den nationalsozialistischen Rattenfängern. Nicht nur wegen seiner politischen Klarsichtigkeit, sondern auch wegen seiner Scharnierfunktion zwischen expressionistischem Stummfilm und den späteren Hollywood-Werken Fritz Langs gilt M – Eine Stadt sucht einen Mörder als einer der wichtigsten deutschen Filme überhaupt. Seine faszinierende Wirkung ist auch heute noch nach acht Jahrzehnten deutlicher zu spüren als in vielen zeitgenössischen Kriminalfilmen und Thrillern.
Passend zum 80-jährigen Jubiläum ist der Film nun von Universum neu auf DVD herausgebracht worden – und zwar in einer komplett neu restaurierten Fassung, die sich sowohl dem Bild wie auch dem Ton widmete. Das Ergebnis kann sich sehen lassen – und zwar nicht nur hinsichtlich der Restaurierung, sondern auch wegen des Bonusmaterials.
Ausgestattet ist die DVD mit umfangreichem Extras: neben zwei Originaltonspuren findet sich ein Audiokommentar über den Film und die Parallelen zu Mordfällen jener Zeit und das Berlin der 1920er und 1930er Jahre. Außerdem gibt es eine Dokumentation, ebenfalls über die realen Hintergründe des Films, ein Featurette zur Dokumentation, ein Interview mit Fritz Lang, reichlich Material über die Restaurierung, ein umfangreiches Booklet und weiteres Material, das selbst filmhistorisch versierte Kenner der Materie überzeugen dürfte. Genau so und nicht anders sollte die Wiederveröffentlichung eines echten Filmklassikers aussehen.
(Joachim Kurz)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
M - Eine Stadt sucht einen Mörder (80th Anniversary 2-Disc Edition)
Produktionsland:
Deutschland
Produktionsjahr:
1931
Länge:
107 (Min.)
Erschienen bei:
Universum Home Entertainment
Bildformat:
4:3
Ton/Sprache:
Dolby Digital 2.0, Deutsch
Extras:
Audiokommentar, Dokumentationen The Hunt for M & Zum Beispiel Fritz Lang, Featurette mit Audiokommentar, Bildergalerie, Booklet
VERÖFFENTLICHUNGEN
DVD-Start:
20.05.2011
CAST & CREW
Regie:
Fritz Lang
Drehbuch:
Fritz Lang, Thea von Harbou
Kamera:
Fritz Arno Wagner
Schnitt:
Paul Falkenberg
Hauptdarsteller:
Peter Lorre, Otto Wernicke, Inge Landgut, Gustaf Gründgens, Ellen Widmann
FILMBEWERTUNG
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