Zurück zur Übersicht

Fitzcarraldo (DVD)

Meinungen
0

4.8 Sterne aus 17 Bewertungen

DVD-Start: 07.07.2006

Gewaltiges Kino

"Nur Träumer können Berge versetzen!" Diese Zeilen von Klaus Kinski alias Fitzcarraldo könnte man auch auf seinen Regisseur Werner Herzog beziehen.

Brian Sweeney Fitzgerald (kongenial "verkörpert" von Klaus Kinski) will nach dem Scheitern eines gigantischen Eisenbahnprojekts einen weiteren Traum - nun erst recht und mit allen Mitteln - verwirklichen: Ein Opernhaus mitten im peruanischen Dschungel! Doch Fitzgerald ist völlig pleite und muss dringend zu Geld kommen. Mit Hilfe seiner Freundin Molly (ganz groß: Claudia Cardinale) kauft er einen abgewrackten Dampfer, um mit ihm Kautschuk zu verschiffen und so genügend Geld für das Opernhaus aufzutreiben. Der Kautschuk muss aber erst noch aus einem unzugänglichen Gebiet am Amazonas herausgeholt werden. Dank seiner Vision und ohne Angst vor dem Ungewissen, macht sich Fitzcarraldo – so nennen ihn die Eingeborenen – mit seiner Crew auf den gefährlichen Weg. Was er jedoch seinen ausgezehrten Männern verschweigt: Um den durch Stromschnellen unpassierbaren Fluss zu den Kautschukfeldern zu umgehen, will er den Dampfer von eingeborenen Indianern per Seilwinden über einen Berg ziehen lassen. Alles scheint zu funktionieren und Fitzcarraldo sieht sich schon am Ziel, als die Indianer eine verhängnisvolle Entscheidung treffen…

Die extrem lange Vorbereitungszeit (angeblich waren es drei Jahre plus ein Jahr Dreh an Originalschauplätzen) verschlang Geld und Nerven aller Beteiligten. Wunschbesetzung Jack Nicholson (und später sein Ersatz Jason Robards) brachen schon nach wenigen Wochen zusammen. Auch wurde das Projekt vom anfänglich produzierenden Studio Fox gekippt, da Herzog nicht damit einverstanden war, die aufwändigen Schiff-über-Berg-Szenen mit einem Modell und im Studio zu realisieren. Alles sollte echt und "on location" sein. Außerdem schossen sich die Medien auf Herzog und seinen Stab ein, da Gerüchte laut wurden, man würde die Ureinwohner schamlos ausnutzen und ausbeuten. Als Berufspsychopath und Herzogs Intimfreund /-feind Klaus Kinski zu dem Projekt stieß, wurde erneut alles umgeworfen. Eine Nebenrolle als Freund und Helfer wurde zum Beispiel komplett gestrichen, obwohl Mick Jagger (ja genau; DER) schon einen Großteil seiner Szenen abgedreht hatte. Die Tobsuchtsanfälle Kinskis machten die Arbeit für das Team, dass sich eh schon mit Unwettern, Krankheiten und Ungeziefer herumschlagen musste, zur Farce.

Alle Mühen und Entbehrungen wurden jedoch belohnt. Fitzcarraldo gilt neben Wolfgang Petersens Das Boot als DER deutsche Film schlechthin. So einen Treffer landet man als Filmemacher nur einmal. Folgerichtig wurde er mit Preisen überhäuft. Unter anderem in Cannes als bester Film und mit dem Preis für die beste Regie und den Deutschen Filmpreis in Silber.

Die Doppel-DVD bietet neben einem Audiokommentar von Werner Herzog und Produzent Laurens Straub Werkfotos, Produktionsnotizen und die ausführliche Dokumentation Die Last der Träume in Spielfilmlänge. Allein diese rechtfertigt den Kauf. Bild und Ton wurden überarbeitet und bieten hervorragende Qualität.

Fitzcarraldo ist ein gigantisches Roadmovie und steht synonym für gewaltiges, mutiges aber auch größenwahnsinniges Kino. Für Risikobereitschaft in einem riskanten Geschäft voller Untiefen und Hindernisse. Es ist lange her, dass ein Film aus unseren Landen einen ähnlichen Standard und Status erreicht hat – bis weit über die Grenzen Deutschlands hinaus.

(Renatus Töpke)

Daten & Fakten

Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 1981
Länge: 151 (Min.)
Erschienen bei:
DVD-Start: 07.07.2006
Extras: Audiokommentar von Werner Herzog und Laurens Straub, Werkfotos, Dokumente, Biographien Werner Herzog und Klaus Kinski, Trailer

Cast & Crew

Regie: Werner Herzog
Hauptdarsteller: Claudia Cardinale, Klaus Kinski, José Lewgoy

MEINUNGEN

Ihre Meinung zu diesem Film (Felder mit * müssen ausgefüllt sein)

Partner

  • Deutsche Film- und Medienbewertung
  • Arthaus Filme
  • Filmförderung Baden-Württemberg
  • Filmfest München
  • Festival Scope