Wie im falschen Film
Dass dieser Alfie Seliger (Markus Hering) ein echter Unglücksrabe, ein Loser, ein Nebbich ist, sieht man auf den ersten Blick. Der melancholisch-traurige, hornbebrillte Blick, die kaum zu bändigenden Wuschelhaare, das wild gemusterte Hemd mit der Fliege und die larmoyanten Reden, die er auf Parties schwingt, sprechen eine deutliche Sprache – im Haifischbecken der deutschen Filmszene, in dem sich Seliger tummelt, ist er trotz seines Erfolgs mit seinem Film Dein Blaues Wunder einer, der in Vergessenheit geraten ist. Ein Hanswurst. Einer, auf den keiner mehr einen Pfifferling setzt. Dabei ist sein beruflicher Stillstand keineswegs die einzige sorge, die ihn plagt. Denn die Beziehung zu seiner Frau Helena (Meret Becker), die ein Verhältnis zu dem Synchronregisseur und hauptberuflichen Produzentensohn Johannes (Justus von Dohnányi) ist ebenso zerrüttet wie das Verhältnis zu seinen beiden Kindern und zu seiner Mutter, einer exzentrischen Schauspieldiva (Elke Sommer), die nach wie vor versucht, die ins Stocken geratene Karriere ihres Filius mittels alter Kontakte zu befördern.
Und weil Alfie (natürlich) zu allem Überfluss ein echter Hypochonder ist, wie er im Buche steht, plagen ihn zudem gesundheitliche Probleme, wird aus einem harmlosen Eingriff in seiner überspannten Fantasie gleich eine lebensbedrohliche Erkrankung. Dann aber scheint sich alles zum Guten zu wenden, als die Produzentenlegende Holger Miesbach-Boronowski (Hans Hollmann) Alfies Script zu den Mohammed-Karikaturen optioniert und daraus unbedingt einen Leinwanderfolg zaubern will. Wobei nicht nur er sich fragt, ob Seliger mit dem brisanten Thema eigentlich eine Fatwa auf sich ziehen will. Dies ist der Anfang zu einer wahren Achterbahnfahrt der Gefühle, in denen sich Alfie mehr als einmal fragt, warum sein Leben so voller Klischees verlaufen muss und warum er sich oftmals vorkommt, als sei er in den falschen Film geraten. Und mit dieser Einschätzung liegt er gar nicht mal so weit daneben...
Schon der Einstieg zu Dani Levys neuer Komödie Das Leben ist zu lang macht zweierlei deutlich: Zum einen zeigt die Partyszene am Anfang des Films, wer hier vor allem aufs Korn genommen werden soll. Die versammelte deutsche Filmszene, die sich hier ein Stelldichein gibt, spaziert hier – teilweise ohne klare Rollenzuschreibung, sondern einfach als sie selbst – derart geballt über die Leinwand, dass man sich weniger in einer Geschichte, als vielmehr auf einer realen Party wähnt. Schön auch, dass sich dieses Spiel mit den Realitäten und Klischees der deutschen Filmszene munter fortsetzt. Wie zufällig begegnen wir in einer Restaurant-Szene Burghart Klaussner am Nebentisch und stoßen sogar immer wieder auf Spuren des Regisseurs Dani Levy selbst, dessen Kunstfigur mehr als nur eine vage, wenngleich reichlich überzeichnete Ähnlichkeit mit seinem Schöpfer aufweist. Was sich im Laufe des Films als durchaus beabsichtigt herausstellen wird.
Zum zweiten fühlt man sich von Anfang an an Woody Allen Filme erinnert. Das beginnt schon bei der Namensähnlichkeit zwischen Alfie Seliger und Alvy Singer in Der Stadtneurotiker, führt weiter über die selbstreflexiven Momente, die Das Leben ist lang mit The Purple Rose of Cairo verbinden und mündet schließlich in jener Mischung aus jüdischer Identität, selbstironischem Humor und der ganz und gar unlarmoyanten Komik des Scheiterns, die den Filmemacher aus New York ebenso auszeichnet wie Dani Levys neustes Werk.
Trotz diverser Bezüge zur deutschen Filmlandschaft ist Das Leben ist lang keine allzu böse Satire, sondern vielmehr eine knallbunte und hemmungslos übertriebene Farce, die bestens unterhält und zudem ein Stelldichein diverser Stars und Sternchen des deutschen Films wie Udo Kier, Yvonne Catterfeld, Michael "Bully" Herbig, Gottfried John und vielen anderen mehr bietet. Kurzweilig, unterhaltsam und mit viel Lust an der Übertreibung kann sich Dani Levy dank seines augenzwinkernden Humors und seiner Fähigkeit, vor allem sich selbst ins Zentrum seines Spotts zu stellen, vermutlich auch bei der nächsten Verleihung des Deutschen Filmpreises bei seinen Kollegen sehen lassen – als schonungslose Abrechnung mit den Mechanismen und Gesetzen der Branche ist Das Leben ist zu lang unterm Strich dann doch recht gemäßigt ausgefallen.
(Joachim Kurz)
Und weil Alfie (natürlich) zu allem Überfluss ein echter Hypochonder ist, wie er im Buche steht, plagen ihn zudem gesundheitliche Probleme, wird aus einem harmlosen Eingriff in seiner überspannten Fantasie gleich eine lebensbedrohliche Erkrankung. Dann aber scheint sich alles zum Guten zu wenden, als die Produzentenlegende Holger Miesbach-Boronowski (Hans Hollmann) Alfies Script zu den Mohammed-Karikaturen optioniert und daraus unbedingt einen Leinwanderfolg zaubern will. Wobei nicht nur er sich fragt, ob Seliger mit dem brisanten Thema eigentlich eine Fatwa auf sich ziehen will. Dies ist der Anfang zu einer wahren Achterbahnfahrt der Gefühle, in denen sich Alfie mehr als einmal fragt, warum sein Leben so voller Klischees verlaufen muss und warum er sich oftmals vorkommt, als sei er in den falschen Film geraten. Und mit dieser Einschätzung liegt er gar nicht mal so weit daneben...
Schon der Einstieg zu Dani Levys neuer Komödie Das Leben ist zu lang macht zweierlei deutlich: Zum einen zeigt die Partyszene am Anfang des Films, wer hier vor allem aufs Korn genommen werden soll. Die versammelte deutsche Filmszene, die sich hier ein Stelldichein gibt, spaziert hier – teilweise ohne klare Rollenzuschreibung, sondern einfach als sie selbst – derart geballt über die Leinwand, dass man sich weniger in einer Geschichte, als vielmehr auf einer realen Party wähnt. Schön auch, dass sich dieses Spiel mit den Realitäten und Klischees der deutschen Filmszene munter fortsetzt. Wie zufällig begegnen wir in einer Restaurant-Szene Burghart Klaussner am Nebentisch und stoßen sogar immer wieder auf Spuren des Regisseurs Dani Levy selbst, dessen Kunstfigur mehr als nur eine vage, wenngleich reichlich überzeichnete Ähnlichkeit mit seinem Schöpfer aufweist. Was sich im Laufe des Films als durchaus beabsichtigt herausstellen wird.
Zum zweiten fühlt man sich von Anfang an an Woody Allen Filme erinnert. Das beginnt schon bei der Namensähnlichkeit zwischen Alfie Seliger und Alvy Singer in Der Stadtneurotiker, führt weiter über die selbstreflexiven Momente, die Das Leben ist lang mit The Purple Rose of Cairo verbinden und mündet schließlich in jener Mischung aus jüdischer Identität, selbstironischem Humor und der ganz und gar unlarmoyanten Komik des Scheiterns, die den Filmemacher aus New York ebenso auszeichnet wie Dani Levys neustes Werk.
Trotz diverser Bezüge zur deutschen Filmlandschaft ist Das Leben ist lang keine allzu böse Satire, sondern vielmehr eine knallbunte und hemmungslos übertriebene Farce, die bestens unterhält und zudem ein Stelldichein diverser Stars und Sternchen des deutschen Films wie Udo Kier, Yvonne Catterfeld, Michael "Bully" Herbig, Gottfried John und vielen anderen mehr bietet. Kurzweilig, unterhaltsam und mit viel Lust an der Übertreibung kann sich Dani Levy dank seines augenzwinkernden Humors und seiner Fähigkeit, vor allem sich selbst ins Zentrum seines Spotts zu stellen, vermutlich auch bei der nächsten Verleihung des Deutschen Filmpreises bei seinen Kollegen sehen lassen – als schonungslose Abrechnung mit den Mechanismen und Gesetzen der Branche ist Das Leben ist zu lang unterm Strich dann doch recht gemäßigt ausgefallen.
(Joachim Kurz)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Das Leben ist zu lang (DVD)
Produktionsland:
Deutschland
Produktionsjahr:
2010
Länge:
83 (Min.)
Erschienen bei:
Warner Home Video
Bildformat:
16:9
Ton/Sprache:
Dolby Digital 5.1, Deutsch
Extras:
Audiokommentar, Making Of, Nicht verwendete Szenen, Verpatzte Szenen
VERÖFFENTLICHUNGEN
DVD-Start:
11.03.2011
CAST & CREW
Regie:
Dani Levy
Drehbuch:
Dani Levy
Kamera:
Carl-F. Koschnick
Schnitt:
Elena Bromund
Musik:
Niki Reiser
MEINUNGEN
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