Control (DVD)

DVD-Start: 18.09.2009
FSK: 12
Leserbewertung:
Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen

Ein brillanter Film über den Sänger Ian Curtis und seine Band Joy Division

Vom Verlust der Kontrolle und einem bis heute rätselhaften Suizid erzählt der Film des Holländers Anton Corbijn. Es ist die Geschichte von Ian Curtis, Sänger der britischen Band Joy Division. Mit nur 23 Jahren nahm sich Curtis das Leben. Die Gründe sind nur zu vermuten. Und auch der Film gibt keine eindeutige Antwort. Nur eine Ahnung von den düsteren inneren Mächten, die in Curtis kämpften und ihm wohl keine andere Wahl ließen, als sich ganz aus dem Leben zu verabschieden.

Der Film bleibt bewusst und konsequent bei seinem Protagonisten. Einem verwirrt und verschüchterten jungen Mann, dem die Melancholie auch noch sehr gut steht. Sam Riley spielt Curtis. Und die äußere Ähnlichkeit der Beiden ist schon frappierend. Riley war bisher nur im Fernsehen zu sehen: zum Beispiel in Law and Order-Folgen. Das ändert sich. Zur Zeit dreht er mit Regisseur Gerald McMorrow Franklyn und es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn sich Riley nicht innerhalb Kürze zu den ganzen Großen des Business mausert. Er ist DIE Entdeckung des Films.

Dabei war er beruflich hauptsächlich als Musiker unterwegs. Ein Umstand, den sich Corbijn zunutze machte. Er ließ Riley selbst singen. Auch die Band-Darsteller hängten sich so in ihre Arbeit, dass Corbijn auf jegliches Playback verzichtete und quasi Live-Konzert-Mitschnitte filmte. Ein Höchstmaß an Glaubwürdigkeit. Man möchte fast sagen, Riley ist Curtis. So wie er sich auf der Bühne bewegt, aggressiv-verloren gegen seinen untergründigen Schmerz ansingt, sich verzweifelt in eine scheinbare Ausweglosigkeit katapultiert und von epileptischen Krämpfen geschüttelt wird, meint man, dass Riley tatsächlich kennt, was er da spielt.

Und dann gibt es die sanften, lichten Momente, in einem konsequent schwarz-weiß gefilmten Werk. Wenn Curtis verschämt die Hand Debbies (Samantha Morton) hinter dem Rücken seines Kumpels ergreift. Wenn sich die Beiden scheu anlächeln und später auf einer Wiese ausgelassen fangen spielen. Oder wenn er sich in die junge Belgierin Annik verliebt, die die feixend-rotzige Band interviewt. Alexandra-Maria Lara spielt sie. Lara ist kaum wieder zu erkennen in ihrem 70th Make-up. Ihren Rehaugen, dem sanften Blick und der hauchzarten verletzlichen Aura kann sich Curtis aka Rileys nicht entziehen. Im Film wie im realen Leben.

Doch Curtis ist verheiratet mit Debbie. So spontan er um ihre Hand angehalten hat, so beiläufig hat er ihrem Wunsch, ein Baby zu haben, nachgegeben. Viel zu früh, wie er schmerzlich fühlt. Hin- und hergerissen zwischen der Liebe zu ihr und dem Abscheu eines bürgerlichen Lebens, dem er sich längst nicht gewachsen fühlt. Panisch flüchtet er aus dieser Zweisamkeit in sein wildes Musikerleben und hin zu Annik, um doch wieder zu Debbie zurück zu kehren, die verzweifelt um ihre Liebe kämpft. Eine Liebe, die so groß ist, dass sie selbst Curtis unflätiges Benehmen nicht zerstören kann. Dass sich Curtis im gemeinsamen Haus das Leben nimmt, wird so zwangsläufig.

Tatsächlich ist es das Haus in Manchester, in dem Ian und Deborah Curtis lebten. Am Originalschauplatz inszenierte Corbijn Curtis´ Selbstmord. Das Drehbuch, geschrieben von Matt Greenhalgh, basiert auf Deborahs Biografie Touching from a distance, die sich mit Corbijns Prämisse, keinen Film über sie, sondern über Ian zu machen, einverstanden erklärte. Doch natürlich ist es auch ein Film über sie und alle, die dem Sänger nahe standen. Dessen Freitod am 18. Mai 1980, kurz bevor die Band zu ihrer ersten großen Tour in die USA aufbrechen wollte, bleibt für alle unerklärlich.

Anton Corbijn, der bislang als Fotograf (Cover von U2, Depeche Mode) und Musikvideofilmer für Nirvana, Coldplay, Red Hot Chili Peppers und Johnny Cash unterwegs war – das Wort "Starfotograf" verbittet er sich - lernte die Band in ihrer Anfangszeit kennen. Es war ihm ein persönliches Anliegen, diesen Film zu machen, ihn so zu machen, wie er es wollte.

Als von Mythen befreites, alle Brüche aufnehmendes Portrait eines Ausnahmetalents der 70er Jahre. Die energiegeladene, kraftvolle Musik mit ihren depressiv-melancholischen Texten, die schwarz-weiß Ästhetik, die das Lebensgefühl des Auf- und Umbruchs im tristen Manchester einfängt und die hinreißenden Darsteller machen Control zu einem coolen Meisterwerk, das sein Entree als Eröffnungsfilm der "Quinzaine des Réalisateurs" auf dem diesjährigen Filmfestival in Cannes gab und auf der Cologne Conference den TV-Spielfilmpreis erhielt. Es wird sicher nicht sein letzter Preis sein.

(Monika Sandmann)

DATEN & FAKTEN

ÜBERBLICK

Titel: Control (DVD)
Produktionsland: USA, Großbritannien
Produktionsjahr: 2007
Länge: 120 (Min.)
Erschienen bei:
Bildformat: 16:9
Ton/Sprache: Dolby Digital 5.1 DTS, Deutsch, DD 5.1, Engli
Extras: Audiokommentar von Anton Corbijn, Trailer

VERÖFFENTLICHUNGEN

DVD-Start: 18.09.2009

Trailer

Fotogalerie

 (5 Bilder)

FILMBEWERTUNG

Klicken Sie auf einen Stern, um Ihre Bewertung abzugeben.

WEITERE INHALTE AUF kino-zeit.de

MEINUNGEN
Ihre Meinung zu diesem Film (Felder mit * müssen ausgefüllt sein)
   
DVD STARTS
09.02 Die Anonymen Romantiker (DVD) Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Jean-Pierre Améris
09.02 Love Life - Liebe trifft Leben (DVD) Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Reinout Oerlemans
16.02 Passion Play Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Mitch Glazer
16.02 Sound of Noise (DVD - Limitierte Soundtrack Edition) Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Ola Simonsson, Johannes Stjärne Nilsson
17.02 Ein Sommersandtraum (DVD) Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Peter Luisi
24.02 Paris Express Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Hervé Renoh
BERLINALE 2012
12.02.12 Interview mit "This Ain´t California"-Regisseur Marten Persiel
12.02.12 This Ain´t California
12.02.12 Die Wand
12.02.12 Kleiner Kino-Knigge
12.02.12 Marina Abramović The Artist is Present
DVD VERKAUFSCHARTS
Nach Verkaufszahlen   Quelle: amazon.de
1. Almanya - Willkommen in Deutschland (DVD) Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 18
2. Unknown Identity (DVD) Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 19
3. The King's Speech (DVD) Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 24
4. R.E.D. - Älter. härter. besser. Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 46
5. Vincent will Meer (DVD) Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 67
6. ICH - Einfach unverbesserlich (DVD) Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 54
7. Inception (DVD) Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 63
8. Shutter Island (DVD) Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 80
9. The Fighter (DVD) Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 18
10. Four Lions (DVD) Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 20
LESERCHARTS TOP 5
1. Rockabilly Ruhrpott (DVD) Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Claudia Bach
2. Restrepo Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Tim Hetherington, Sebastian Junger
3. Four Lions (DVD) Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Christopher Morris
4. The King's Speech (DVD) Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Tom Hooper
5. Vampire Nation Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Jim Mickle
PARTNER