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Aus der Tiefe des Raumes (DVD)

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4.3 Sterne aus 3 Bewertungen

DVD-Start: 07.07.2006

Die ganze Wahrheit über Günter Netzer

Es ist schon erstaunlich, welche Entwicklung der deutsche Fußball in den letzten Jahren genommen hat – im Kino. Nachdem deutsche Filmemacher lange Jahre mit dem Lieblingssport einer ganzen Nation nichts besseres anzufangen wussten, als legendäre Nullnummern wie Libero zu drehen, wird das Spiel mit dem runden Leder plötzlich hof- und filmfähig. Im Sog von Das Wunder von Bern scheint nun die Laune erwacht zu sein, sich dem Mysterium des Spiels auch mal als quietschbunte Trashkomödie zu nähern und nicht nur als historienbesoffenes Erbauungsdrama.

Eine miefige, spießbürgerliche Kleinstadt irgendwo im Rheinland: Der etwas schüchterne Hans-Günter (Arndt Schwering Sohnrey) ist begeisterter Tipp-Kicker und beherrscht das Tischfußballspiel mit den Metallmännchen auf höchstem Niveau. Bei einem Ausscheidungsturnier für die deutsche Meisterschaft lernt er die junge Fotografin Marion (Mira Bartuschek) kennen und lieben: Gleich die erste Verabredung endet im wilden Liebesrausch im Schlafzimmer der Holden. Und noch überraschender: Es stellt sich direkt Nachwuchs ein, allerdings einer der ungewöhnlichen Sorte: Ausgerechnet Hans-Günters Lieblings-Kicker fällt nämlich in Marions mit Photochemikalien gefüllte Badewanne und erwacht durch ein Gewitter und andere physikalisch-chemische Reaktionen zum Leben. Das Fußball-Monster (Eckhard Preuß) entkommt, anfangs noch etwas ungelenk, doch in der Kleinstadt findet Hans-Günter seinen Lieblingsspieler bald wieder, was Marion allerdings zu der Vermutung veranlasst, ihr One Night Stand sei in Wirklichkeit schwul.

Mit Hilfe des Insiderwissens seines großen Kickerfreundes wird Hans Günter nun zum großen Favoriten der Tipp-Kick-Meisterschaft, während der metallene Held – mittlerweile mit einer blonden Damenperücke ausgestattet – die Freuden des wahren Fußballspiels entdeckt. Er gelangt in die niederrheinische Bezirksauswahl und teilt fortan sein Zimmer mit Hans Hubert („Ich nenn dich einfach Berti“). Der Standfußballer lernt schnell die Raffinessen des Spiels, die er schließlich bei einem alles entscheidenden Spiel der Welt demonstrieren kann. Ein Star des deutschen Fußballs ist geboren.

Regisseur Gil Mehmert setzt bei seiner absurden Geschichte um die „wahren Hintergründe“ einer deutschen Fußball-Legende gleich auf zwei Kultgaranten: Zum einen auf den Ferrari fahrenden Mann mit der Betonfrisur und zum anderen auf die kleinen Metallkicker, die seit Jahrzehnten deutsche Kinderzimmer bevölkern. Mitunter rumpelt und holpert die Geschichte ordentlich und manche Unlogik drängen das muntere Spiel in Richtung Abseits, was aber durch die schnoddrige und rotzfreche Erzählweise immer wieder gerade noch verhindert wird. Und das liebevoll eingefangene und bissig karikierte Zeitkolorit der sechziger Jahre ist allemal das Eintrittsgeld wert, denn trotz des Trash-Appeals unterhält der Film über 90 Minuten besser als mancher müde Kick im Fernsehen. Nun warten wir gespannt auf die nächste Idee. Wie wäre es denn mit Sepp Maier als zum Leben erwachte Holzfigur von Karl Valentin? Oder Claudia Schiffer als reinkarnierter Barbie-Puppe? Und wer weiß: Vielleicht ist ja Michael Schuhmachers Formel-1-Bolide in Wahrheit ein mutiertes Matchbox-Auto.

Die Bild- und Tonqualität der DVD sind gut. Überzeugend sind die reichhaltigen und liebevollen Extras. Neben einem kürzeren Making of und Interviews mit dem Regisseur Gil Mehmenrt und den Hauptdarstellern Arndt Schwering- Sohnrey und Eckhard Preuß, enthält die DVD auch den Kurzfilm Ukele Blues von Gil Mehmert.

Daten & Fakten

Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2004
Länge: 88 (Min.)
Erschienen bei: good movies
DVD-Start: 07.07.2006
Extras: Making Of (13 min), 8 entfallene Szenen (insges. 11 min), Interviews mit dem Regisseur (15 min) und den Hauptdarstellern: Arndt Schwering- Sohnrey (11 min) und Eckhard Preuß (9 min), Kurzfilm Ukulele Blues

Cast & Crew

Regie: Gil Mehmert
Hauptdarsteller: Arndt Schwering-Sohnrey, Mira Bartuschek, Eckhard Preuß, Sandra Leonhard, Christoph Maria Herbst

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