Angst essen Seele auf - Arthaus Collection
DVD-Start:
12.10.2007
FSK:
12
Leserbewertung:
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Das Glück der kleinen Leute
Zunächst ist es – wie so häufig – eine beiläufige Begegnung an einem beliebigen Abend und an einem beliebigen Ort: Emmi Kurowski (Brigitte Mira) flüchtet vor einem überraschenden Regenguss in eine Kneipe. Emmi hat die Sechzig bereits überschritten, die Witwe lebt allein und muss sich mit Putzjobs mühsam über Wasser halten, ihre drei mittlerweile erwachsenen Kinder kümmern sich kaum um sie. Doch dann geschieht an jenem regnerischen Abend das Wunderbare und Unerwartete: Emmi verliebt sich in jener Kneipe – in den 20 Jahre jüngeren Marokkaner Ali (El Hedi Ben Salem). Und noch wunderbarer: Sie wird zurück geliebt. Doch Emmis Umwelt reagiert mit Unverständnis und Ablehnung. Als die beiden die Flucht nach vorne antreten und heiraten, ist sie aber doch überrascht über die Wucht der Vorurteile, die ihr entgegenschlagen. Die drei Kinder brechen den letzten Kontakt zu ihrer Mutter ab, ihre Kolleginnen schneiden sie, die Hausgemeinschaft reagiert mit Schikanen. Nach einem Urlaub, den das Paar aus schierer Frustration antritt, scheint jedoch wunderbarerweise alles verändert: Verwandte und Bekannte beginnen, sich aus eigennützigen Motiven mit der Existenz von Ali zu arrangieren. In diesem Moment gerät die Beziehung in eine Krise.
Inspiriert von Douglas Sirks klassischem Hollywood-Melodram Was der Himmel erlaubt / All that Heaven allows aus dem Jahr 1955 greift Rainer Werner Fassbinder die Grundkonstellation des Vorbildes auf und verwandelt die Liebesgeschichte zwischen einer älteren Frau und einem jüngeren Mann in eine bundesrepublikanische Parabel über Ausländerfeindlichkeit, Vereinsamung und Bigotterie.
Fassbinder inszeniert seinen Film sehr behutsam, beinahe spartanisch, doch die Leistungen der Schauspieler - allen voran die großartige Brigitte Mira - machen aus dem Film über das Glück der kleinen Leute großes Kino. Auch wenn oder gerade weil man den Verdacht nicht los wird, dass Ähnliches heute immer noch geschehen kann, hier in Deutschland am Beginn des 21. Jahrhunderts.
(Joachim Kurz)
Inspiriert von Douglas Sirks klassischem Hollywood-Melodram Was der Himmel erlaubt / All that Heaven allows aus dem Jahr 1955 greift Rainer Werner Fassbinder die Grundkonstellation des Vorbildes auf und verwandelt die Liebesgeschichte zwischen einer älteren Frau und einem jüngeren Mann in eine bundesrepublikanische Parabel über Ausländerfeindlichkeit, Vereinsamung und Bigotterie.
Fassbinder inszeniert seinen Film sehr behutsam, beinahe spartanisch, doch die Leistungen der Schauspieler - allen voran die großartige Brigitte Mira - machen aus dem Film über das Glück der kleinen Leute großes Kino. Auch wenn oder gerade weil man den Verdacht nicht los wird, dass Ähnliches heute immer noch geschehen kann, hier in Deutschland am Beginn des 21. Jahrhunderts.
(Joachim Kurz)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Angst essen Seele auf - Arthaus Collection
Produktionsland:
Deutschland
Produktionsjahr:
1973
Länge:
89 (Min.)
Erschienen bei:
Arthaus
Bildformat:
1,33:1
Ton/Sprache:
Dolby Digital Mono, Deutsch
Extras:
Diskussion mit den Darstellern, Statement von Liselotte Eder, Todd Haynes über Fassbinder und das Melodram
VERÖFFENTLICHUNGEN
DVD-Start:
12.10.2007
CAST & CREW
Regie:
Rainer Werner Fassbinder
Hauptdarsteller:
Marquard Bohm, Brigitte Mira, El Hedi Ben Salem, Irm Hermann, Barbara Valentin
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