11 15/02

The Guard

The Guard ist einer dieser Filme, die durch die Kooperation mit dem Sundance Festival zur Berlinale gelangt sind. Und das ist sehr gut so, denn in einem Meer aus Dramen ist dieser Film eine wahre Freude. Dass The Guard Spaß machen wird, weiß man schon von der ersten Szene an. Da sitzt Sergeant Gerry Boyle (Brendan Gleeson) irgendwo an der irischen Westküste gemütlich in seinem Wagen, während eine Gruppe supercooler Jungs in ihrem noch cooleren Auto mit stark überhöhter Geschwindigkeit in seine Richtung rasen.

Boyle ist routiniert, das merkt man. Er wartet einfach nur. Denn was er weiß und die coolen Typen nicht, die nächste Kurve kriegen sie nicht bei dem Tempo. Also wartet er ab, lässt es krachen und spaziert dann in Ruhe durch die Leichen, um sich herumliegende Drogen für sein Privatvergnügen mit zu nehmen. Was für eine Einführung eines Charakters. Und diese wird in den kommenden Szenen noch übertroffen. Sergeant Boyle ist alt, übergewichtig und ein wenig einsam. Das kann daher kommen, dass er ein äußert renitenter, übellauniger Charakter ist - eine Mischung, die spätestens seit Brügge sehen...und sterben prädestiniert ist für irische Protagonisten.

Dieser irische Dickkopf trifft nun auf den amerikanischen FBI Agenten Wendell Everett (Don Cheadle), der eine Untesuchung in Boyles Jurisdiktion leitet. Gemeinsam sollen sie versuchen ein Boot zu finden, dass bis zum Rand mit Kokain gefüllt ist. Natürlich sind die beiden Wie Feuer und Wasser und liefern sich, zur Freude der Zuschauer ordentliche Wortgefechte. Doch letztendlich geht der Ehrenkodex nachdem der sonst frei improvisierende Sergeant Boyle seinen Dienst leistet doch vor und das eigenartige Duo kooperiert.

The Guard ist ein gelungener Action/Komödienhybrid, der sich hier und da auch nochmal ordentlich beim Western bedient. Der Humor ist erfrischend, intelligent und politisch absolut inkorrekt und war in solcher Form das letzte Mal mit Josef Hader und Der Knochenmann bei der Berlinale vertreten. Der schwarze, tockene Witz kommt nicht von ungefähr, ist doch Regisseur John Michael McDonagh der Bruder von Martin McDonagh, dem Macher des schon erwähnten Brügge sehen...und sterben. Dementsprechend ist auch das humoristische Timing einfach perfekt. Es macht unglaublich viel Spaß Boyle dabei zu zusehen, wie er andere verbal ungespitzt in den Boden rammt. Das ergibt einen guten Ausgleich zu den dramatischeren Szenen des Filmes, die doch recht dunkel und tragisch sind. The Guard ist aber nicht nur Unterhaltung. Seine selbstreflexive und auch selbstpraodierende Art gibt immer wieder spannende Metaebenen preis, die den Zuschauer hin und wieder daran erinnern, dass die Macher des Filmes (und in diesem Falle sogar die Charaktere) sich bewusst sind, was sie da tun.

Vor allem Gleeson brilliert in seiner Rolle und spielt sie bis auf den Punkt aus. Don Cheadle hat da leider nicht ganz so viel Glück. Es bleibt recht wenig Platz für diesen Ausnahmeschauspieler, um sein Können zeigen zu dürfen. Meist wird er darauf reduziert perplex zu schauen und entrüstet "Excuse me?" zu sagen. Genau das ist auch die Schwachstelle des Filmes, hier hätte man noch viel mehr das Potential der zwei ungleichen Charaktere nutzen können. Doch das ist auch der einzige Mangel, den The Guard aufweist. Und man mag es ihm verzeihen, denn der Rest ist große Klasse.

(Beatrice Behn)

Bisherige Kommentare

(Anzeige: 2 von insgesamt 2)
Von: wignanek-hp am: 18.02.11
Was ist den Festival-Machern eigentlich eingefallen einen solchen Film - in irischem Englisch - dessen Genuss zu einem großen Teil in den Wortgefechten der Figuren liegt, ohne Untertitel zu präsentieren? Man hat ganz genau gemerkt, wann die Zuschauer im Saal was verstanden haben und wann nicht. Leider war der Gemuss dadurch stark geschmälert. Es ist ein Unterschied, ob ich mal einen Dialog einer Handlung nicht ganz mitbekomme oder ob ich - wie hier - viele Nuancen, die einfach Spaß gemacht hätten, gar nicht verstanden habe.
Von: franzien am: 15.02.11
Finde ich auch: große Klasse. Habe mich köstlich amüsiert.

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