Dollhouse
11. Februar 2012
Kristen Sheridans Dollhouse ist einer dieser Filme aus denen man hinauswankt und sich fragt was das jetzt wohl gerade war und was die Künstlerin wohl damit sagen wollte. Dabei ließen Sheridans Begrüßungsworte, sie hoffe, dass sie etwas von der filmischen Energie aufs Publikum übertrage doch Spannendes erwarten. Und auch die ersten Minuten des Filmes sahen aus, als hätte man hier eines der raren Berlinale Offstream Schmankerl vor sich.

Jeannie (Seana Kerslake) und ihre vier Freunde brechen in eine pompöse Villa ein, um dort die Nacht lang durchzufeiern. Gleich zu Beginn ist klar, Jeannie weiß wohl mehr als die anderen und kennt sich auch ungewöhnlich gut in dem riesigen Haus aus. Ihre Freunde, allesamt irische Unterschicht kriegen sich kaum ein vor Entzückung über den modernen Prunk und Luxus, den sie vor sich finden. Drogen, Alkohol, mehr Drogen und mehr Alkohol führen schnell zu jugendlichem Hedonismus und die vier nehmen die Bude ordentlich auseinander. Jeannie hingegen durchstreift jedes Zimmer und kleidet sich in einem blutroten Kleid. Als plötzlich ein fremder Junge in der Tür steht, den keiner kennt, er aber Jeannie, geht der Abend erst richtig los.
"Richtig los" bedeutet hier aber für den Zuschauer eine drogendurchseuchte Tour de Force fünf permanten brüllender Jugendlicher. Alle sind irgendwie verrückt, alle haben riesige Macken, von ein wenig Asthma bis hin zu schwerwiegenden, pathologischen Persönlichkeitsstörungen. Die Kamera wackelt und zeigt sich gern kantig, der Soundtrack ist supercool und bedeutungsschwanger. Und dann kommt lange nichts. Außer mehr saufen, mehr Drogen, Partyspiele, die immer wieder zwischen betrunkenem Teenagerspaß und bedrohlichen Situationen hin und herschwingen und nach einer Weile unsäglich anstrengend sind. Man kommt sich vor wie der einzige Anti-Alkoholiker auf einem Massenbesäufnis. Je länger die nächtliche Party dauert, desto absurder werden die Spielchen bis Sherian am Ende versucht den kaum vorhandenen Spannungsbogen mit einer Überraschung nach Hause zu tragen. Bis dahin sind einem die Charaktere allerdings schon so gründlich auf die Nerven gegangen, dass es einem fast egal ist, was da passiert.
Worauf genau der Film hinaus will ist ebenfalls unklar. Es lässt sich vermuten, dass Dollhouse metaphorisch die Coming-Of-Age Metamorphose seiner Protagonisten darstellen will, die sehr verloren sind in einer Welt, die sich nicht ganz begreifen und zu deren Bezugnahme ihnen bisher das Wissen um sich selbst fehlt. Also nichts Neues in Sachen Teenagerdrama. Ebenfalls offen bleibt was für einen Mehrwert der Film dem Kinozuschauer bietet. Einer Party zuschauen macht im richtigen Leben schon keinen Spaß und die transportierte Geschichte ist reichlich dünn, die Charaktere unausgereift und stereotyp.
Der Twist am Ende des Filmes reicht noch, um Dollhouse von langweilig-ärgerlich in die Kategorie "Was war das denn?" zu katapultieren. Zu mehr reicht es letztendlich aber nicht. Sehr schade eigentlich, hat die schon einmal Oscar-nominierte Sheridan doch schon bedeutend bessere Arbeiten abgeliefert.
(Beatrice Behn)
Foto (c) The Factory









