Wie George Clooney alle auf der Berlinale überraschte - Berlinale 2016 Blog - kino-zeit.de - das Portal für Film und Kino
16 13/02

Wie George Clooney alle auf der Berlinale überraschte

Es gibt Stars, die begegnen Presserummel mit jahrelang eingeübter Profi-Routine. George Clooney ist einer von ihnen. Doch selbst er kann die Journalisten noch aus der Fassung bringen.


(George Clooney auf dem roten Teppich der Berlinale 2016; Copyright: Maria Wiesner)

Kaum jemand bringt Menschen durch seine reine Anwesenheit so aus der Fassung wie George Clooney – der Papst vielleicht noch, aber auf den wartete dieser Tage in Berlin niemand. Am Ende seiner Auftritte in Berlin sollte Mister Clooney aber nicht nur seine Fans aus der Fassung gebracht haben, sondern auch den ein oder anderen Journalisten. Doch werfen wir zunächst einen Blick auf die Fans, die standen mehr als drei Stunden im Nieselregen am Seiteneingang des Hyatt Hotels, um vielleicht einen Blick auf ihr Idol werfen zu können. Es blieb an jenem Morgen aber bei diesem einen Blick, denn Clooney huschte sofort in seine Limousine. Also warteten die Fans am Abend noch ungeduldiger am roten Teppich. Wann würde er kommen? Und mit wem würde er über den Teppich schreiten? Diese Frage stellten sich auch die wartenden Journalisten. Eine iranische Fernsehjournalistin sprach dann aus, was sich alle fragten: Kommt Clooney mit Gattin Amal? Und wenn nicht, was bedeutet das dann – für George, für den roten Teppich, für die Ehe der beiden? "Da entstehen doch sofort Gerüchte", sagte sie. Aber George ließ sich Zeit.

Und die Menschenmenge wurde immer aufgeregter. Das Phänomen hatte man am Morgen bereits vor der Pressekonferenz beobachten können. Im Normalfall sind die Journalisten eine gute halbe Stunde vor Beginn der Konferenz im Raum. Aber wenn Mister Clooney kommt, ist nichts normal. Dann warten sie schon mal mehr als zwei Stunden im Konferenzraum. Stellen Sie sich einen Pool in der Hauptsaison auf Mallorca vor, an dem bereits ab 7.00 Uhr die ersten Touristen schleichen, um ihre Handtücher möglichst günstig zu platzieren. So war es auch im Konferenzraum: Die Journalisten schrieben Mails, schliefen auf den Sitzen, machten Selfies mit dem Namensschild von George Clooney – aber keiner hätte seine Tasche auch nur einen Millimeter vom ergatterten Platz bewegt.


(Auftritt Clooney auf dem roten Teppich; Copyright: Maria Wiesner)

Und dann kam George und rockte die Pressekonferenz zu Hail, Ceasar!, dem Eröffnungsfilm der Coen-Brüder. Er machte Witze, fragte eine Journalistin mit keckem Matrosenhütchen, ob sie denn mit ihm flirte, gab zu, für die Szenen im Film gern einen Rock getragen zu haben – ganz Routinier der Pressespiele. Der tut sowieso nichts Unvorhergesehenes, dachten sich die Journalisten, und dann tat er es doch: Als eine Journalistin ihn fragte, was er denn eigentlich für Flüchtlinge unternehme, wurde er ernst. "Sehr viel", sagte er und das professionelle Charme-Lächeln verschwand. "Wir müssen uns immer solche Fragen gefallen lassen, obwohl keiner eine Ahnung hat, wofür wir uns engagieren. Was tun Sie persönlich für Flüchtlinge?", fragte er die Journalistin zurück. Und als sich betretenes Schweigen über den Saal legte, schob er nach: "Ich meine das ernst, erzählen Sie! Was haben Sie persönlich bisher getan?"

Und dass er es mit dem Engagement wirklich ernst nahm, sollte man schon kurz darauf feststellen. Doch vorher musste Clooney noch über den roten Teppich. Seine Limousine fuhr als letzte zur Premierenfeier am Abend vor. Und er entstieg ihr, ganz in Schwarz, mit Amal an seiner Seite, die – ebenfalls ganz in Schwarz – bezaubernd wie immer aussah: Ihr eng anliegendes Paillettenkleid umspielte taillenabwärts eine Wolke hauchdünner Organza. Hätte ihr Auftritt an diesem Abend noch nicht alle Gerüchte, die sich wartende Journalisten in der Kälte ausdenken konnten, zerstreut, der Auftritt am nächsten Tag tat es. Gemeinsam mit seiner Gattin hatte Clooney einen Termin bei Kanzlerin Angela Merkel. Es ging in dem einstündigen Gespräch um die Flüchtlingskrise, bei der sich die USA mehr engagieren könnten, so Clooney. Kaum einer zweifelte nach diesem Auftritt noch an der Ehe der Clooneys oder an Georges Willen zum Engagement.

(Maria Wiesner)